Die neue Grazer Kaffeehauskultur

Die neue Grazer Kaffeehauskultur

Für viele Grazer sind die Kaffeehäuser ihrer Stadt so essenziell wie die Milch in ihrer Melange. Mit dem neuen Promenade am Stadtpark gelang es ein Café in nur wenigen Monaten zur Institution werden zu lassen und dabei auch zu zeigen, wie moderne Kaffeehauskultur funktionieren kann. Graz tut es gut.

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Das historische Promenade in neuem Glanz

Künstler fühlten sich zu ihnen schon immer hingezogen. Literaten wie Arthur Schnitzler, Friedrich Torberg oder Stefan Zweig wählten ihre Stammcafés als Arbeitsstätte und zugleich als zweites Wohnzimmer. Man traf sich zum Gedankenaustausch, studierte die Zeitungen und nutzte die Muse, um zu schreiben. Das Kaffeehaus entwickelte sich schnell zum gesellschaftlichen Treffpunkt. Und was in Wien seinen Ursprung nahm, weitete sich Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts auch auf den Rest Österreichs aus. Es wurde zur Kulturstätte. Auch in Graz, wo es das Lebensgefühl der Stadt seit jeher mitprägt.11212623_787525588010238_1325198010759798896_o (Large)

Patina in Ehren – es darf auch modern sein

Patina kann etwas Schönes sein, gerade in einem traditionellen Kaffeehaus. Notwendig ist sie allerdings nicht. Den Beweis dafür finden Grazer zur Zeit im neuen Café Promenade. Das altehrwürdige Kaffeehaus am Rande des Stadtparks wurde von seinen neuen Betreibern – Judith und Gerald Schwarz, sowie Simon Possegger – aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst.

Simon Possegger
Simon Possegger

Aufwendige Umbauarbeiten in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalschutz und ein innovatives Gastronomiekonzept liegen am Puls der Zeit. Es erfüllt nun alles, was man sich von einem klassischen Kaffeehaus erwartet, ist darüber hinaus ein schickes Tapas-Restaurant und verwandelt sich gegen Abend als Bar zu einem Hotspot im Grazer Nachtleben. „Wir wollten ein neues Konzept auf die Beine stellen, ohne dabei den Charakter eines traditionellen Kaffeehauses zu verlieren“, erklärt Geschäftsführer Simon Possegger im Gespräch mit der unabhängigen Kulturzeitung. „Stammgäste des alten Promenade und Freunde des traditionellen Kaffeehauses sollten sich ebenso bei uns zu Hause fühlen, wie Gäste aus den anderen Aiola-Betrieben. Vor allem aber wollten wir ein Kaffeehaus realisieren, das zu jeder Tages- und Abendzeit einen Besuch wert ist.“ Dieses Vorhaben ist gelungen. Gerade in den Sommermonaten gibt es wohl kaum eine schönere Terrasse in der Grazer Altstadt, um zu frühstücken oder zu brunchen. Mit der Mittagszeit startet die Küchenlinie des Hauses: Kleine, feine Tapas werden von einem täglich neuen Mittagteller ergänzt.10828130_742575032505294_2221735433293748867_o (Large) Und am Abend ist das Promenade eine coole Bar, in der jeden Freitag und Samstag DJs für Stimmung sorgen. Einen Steinwurf vom Grazer Schauspielhaus entfernt, möchte Possegger sein Café auch als Treffpunkt für ein kunst- und kulturinteressiertes Publikum etablieren.dNqxYeYf2vyvPnUjyZ5VOgmLkroJbQRGhpbgLuuC164 (Large)

Kaiser Franz Josef soll einst gesagt haben „Sie haben’s gut. Sie können im Kaffeehaus sitzen.“ Wer einen Blick in den sommerlichen Gastgarten des Café Promenade wirft, wird sich ihm anschließen.

Text: Stefan Zavernik

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