„Resonant Complex“ oder die digitale Falle.

„Resonant Complex“ oder die digitale Falle.

Yumiko Yoshioka, Ikone des Butoh, beeindruckte Ende Juni mit „Resonant Complex“ einmal mehr das Grazer Publikum in einer skurril-verstörenden und zum Nachdenken anregenden Ausnahme-Performance. Gemeimsam mit Protagonisten des Grazer „Theater Feuerblau“ und internationalen Gästen ging sie in der Produktion der „Steirischen Kulturinitiative“ der Frage nach, wie weit unsere analoge Welt seit dem Eindringen des Internets von einer digitalen Schicht überlagert ist. Horizonterweiternd!

Ikone des Butoh: Yumiko Yoshioka
Ikone des Butoh: Yumiko Yoshioka

Trotz prächtigem Weiß war es ein bedrohliches Szenario, das Bühnenbildnerin Lisa Horvath für die Studiobühne des Opernhauses Graz konzipierte und in welchem sich die Tänzerinnen und Tänzer rund um Klaus Seewald geschmeidig bewegten. Christoph Ressi steuerte die passenden Frequenzen bei, die für die Protagonisten, über weite Strecken in idente Ganzkörperanzüge gehüllt und maskiert, die passende Stimmung kreierten. Arian Andiels Videodesign und Christina Webers Licht komplettierten die analoge Welt, in deren Epizentrum die Performance Yumiko Yoshiokas – verrenkt und mit schaurig-schöner und oft fratzenhafter Miene – stand. So begab sie sich auf die Suche nach Antworten, deren Fragen die überbordende Digitalisierung aufwirft.

_O6A5799 (Large)Je mehr, desto besser?

„Mit dem Informationsüberfluss wird unsere Wahrnehmung zunehmend oberflächlicher, und wir haben die Dankbarkeit für den Wert des Lebens verloren. Je mehr desto besser … Aber wollen wir das wirklich?“, so Yumiko Yoshioka, die auf der Bühne in eindrucksvoller Weise die Möglichkeiten, Herausforderungen und Gefahren eines von der digitalen Welt durchdrungenen Alltags sichtbar machte. Mittels Raum, Bewegung und Musik schaffte es die japanische Startänzerin, ernsthafte und abstrakte Fragestellungen mit konkret erfahrbaren Erlebnissen zu verschmelzen.

20150626_203705_resized (Large)Butoh in Graz

Seit 1994 widmet sich die Steirische Kulturinitiative diesem im Japan der 1960er-Jahre ausgegangenen Tanztheater ohne feste Form und untersucht mittels dieser nonverbalen Ausdrucksform die interaktiven Räume zwischen Tanz, Raum und bildender Kunst. Butoh setzt sich – stets kritisch – mit den relevanten Themen unserer Zeit auseinander. Steirische Tänzer erhalten so die einzigartige Chance, sich mit weltweit bekannten ChoreographInnen in formal wie thematisch konkreten Projekten künstlerisch zu entwickeln. Hierfür arbeitete man auch mit dem unlängst verstorbenen Ko Murobushi zusammen; neben Yumiko Yoshioka einem der weltweit bekanntesten und gefeiertsten Butoh-Künstler.

Text: Wolfgang Pauker

Pressestimmen:

Die internationale Produktion „Resonant Complex“ ist eine Art Abrechnung mit der digitalen Flut. Deren Auswüchse scheinen durch Gehirnwindungen zu kriechen, besetzen Körper, formen sie, quälen sie, verfremden sie – und erinnern an sie.

Julia Schafferhofer, Kleine Zeitung

Mit der ihr eigenen Verquickung von Raum, Bewegung und Installativem sucht sie nach dem Inhalt gerecht werdenden, künstlerischen Ausdrucksformen, nach den ihrer Formsynthese innewohnenden, neuen Perspektiven & Aspekten.

Eveline Koberg, tanz.at

 

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