„Help me if you can“: Wenn Rassismus Mitgefühl erstickt

„Help me if you can“: Wenn Rassismus Mitgefühl erstickt

Das muslimische Fischerdorf Maradana und sein buddhistischer Nachbarort Paranakady – beide liegen an der südwestlichen Küste Sri Lankas – erlitten durch den Tsunami 2004 große Zerstörungen und menschliches Leid. Die beiden Österreicher Helmut Voitl und Elisabeth Guggenberger haben die Katastrophe in der Nähe dieser Dörfer erlebt und beschlossen, den Bewohnern zu helfen. Ihr Film „Help me if you can“ dokumentiert auf eindrucksvolle Weise die Anstrengungen, das Wiederaufbau-Hilfsprojekt „Give Hope“ auf die Beine zu stellen.

Voitl und Guggenberger sind „Legenden“ der verblichenen ORF-Fernsehdokumentation. Verschieden lange TV-Versionen von Help me if you can wurden bereits von Arte, WDR und anderen Anstalten ausgestrahlt. Für die deutlich längere Kinoversion (1 h 58 min) hat nun die Steirische Gesellschaft für Kulturpolitik das Recht zur österreichischen Erstaufführung bekommen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie in einem frühen, finanziell noch nicht voll abgesicherten Produktionsstadium einen Beitrag für Übersetzungsarbeit beitragen konnte.

Bizarre Facetten des Helfens

Für ihren Film quartierten sich die beiden österreichischen Autoren im Dorf Maradana ein und besprachen mit den betroffenen Menschen die Art der Hilfe und wie diese mit dem vorhandenen Geld zu realisieren sei. Im Laufe der Zeit erlebten die Helfer bizarre und widersprüchliche Facetten des Helfens. Die Gefahr, dass „gut Gemeintes“ sich leicht in sein Gegenteil verwandelt, ist beim Helfen ebenso latent, wie das Faktum, dass angebotene Hilfe missbraucht wird. Um an das nach Sri Lanka fließende Spendengeld heranzukommen, stand von der kleinen Lüge bis zum Betrug und politischer Agitation alles an der Tagesordnung. Zu allem Überfluss sah sich das Hilfsprojekt Give Hope auch mit dem Fanatismus einer rassistisch agierenden buddhistischen Mönchspartei konfrontiert, die verhindern wollte, dass auch für muslimische Tsunamiopfer neue Häuser gebaut werden. „Wer Muslimen hilft, macht sie stärker. Das muss verhindert werden“, war ihre Parole.

Der Film zeigt, wie es funktionieren kann

Was können Helfer tun, um solchen Realitäten nicht hilflos ausgeliefert zu sein? Sie zur Kenntnis nehmen und resignieren? Dagegen kämpfen, auch wenn man dabei mit dem Kopf an die Wand rennt und nicht weiterkommt? Mit offenen Karten spielen oder ebenfalls trickreich sein? Rezepte gibt es nicht, beispielgebende Erfahrungen schon. Nach dem zwei Jahre dauernden Hilfsprojekt wissen die Helfer: Nur wenn es gelingt, zwischen Gebenden und Nehmenden eine ebenbürtige Beziehung aufzubauen, kann sich gegenseitiges Vertrauen und Respekt entwickeln. Auf dieser Vertrauensbasis kann alles gelingen. Sogar die Überwindung politischer, ethnischer und rassistischer Konflikte.

Helmut Voitl, Jahrgang 1939, ist seit 1965 als Filmregisseur tätig. Elisabeth Guggenberger, geb. 1946, studierte Jus in Wien und Politikwissenschaft in Italien. Als Dokumentarfilm-Duo arbeiten sie seit 1973. Gesellschaftspolitische Themen werden von ihnen aufgegriffen und langfristig begleitet.

Text: Wolfgang Pauker

 

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