Jörg Ehtreiber: Die Kraft der Neugier im Kindermuseum FRida & freD

    Jörg Ehtreiber: Die Kraft der Neugier im Kindermuseum FRida & freD

    Jörg Ehtreiber - Intendant des Kindermuseums FRida freD

    Mit seinem interaktiven und das junge Publikum stets zum Nachdenken animierenden Ausstellungsprogramm ist das Kindermuseum FRida & freD am Rande des Grazer Augartens das bestbesuchte Museum der Steiermark. Doch das ist für Intendant Jörg Ehtreiber gar nicht vorrangig, wie er im Interview erklärt. Vielmehr will man Kinder mit den Ausstellungen nicht nur Spaß bereiten, sondern für aktuelle Themen sensibilisieren und zum Diskurs mit den Eltern anregen.

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    Aktuell beschäftigt sich das Kindermuseum mit dem Thema „Klima“. Wie kann man das Klima in der Gesellschaft mittels durchdachter Ausstellungen beeinflussen?

    Wenn man bei Kindern ansetzt und relevante, gesellschaftspolitische Themen verankert, dann ist natürlich der allererste Gedanke, dass es die Kinder sind, die später unser Leben gestalten werden. Unsere Ausstellungen sollen etwas hinterlassen an Informationen, Ideen und Wissen. All das wird im Idealfall in die Gestaltung ihres späteren Lebens einfließen. Es geht schlichtweg um Sensibilisierung. Darum, die Kinder spielerisch in interaktive, informelle Lernprozesse einzubeziehen und sie zum Nachdenken zu animieren.

    Inwieweit sensibilisiert man auch die Eltern?

    Sehr stark. Wir regen in unseren Ausstellungen auch immer zur Reflexion an. Die Eltern sind immer Teil des Ausstellungsbesuches und werden schon durch die Interaktion mit den Kindern sensibilisiert.IMG_4830 (Medium)

    Was ist 2016 geplant?

    Es wird definitiv ein naturwissenschaftliches Jahr. Was auch damit zu tun hat, dass wir gemeinsam mit dem Universalmuseum Joanneum und dem ScienceCenter-Netzwerk Austragungsort der größten europäischen Wissenschaftskonferenz – namens ECSITE – sein werden und dafür mit unseren Partnern die Häuser auch unter einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt stellen. Hier werden wir uns ganz zentral dem Thema Erfindungen widmen. Wobei wir auch an dieses Thema nicht monistisch herangehen, sondern es breit beleuchten werden.

    Die ECSITE-Konferenz in Graz ist eine wahre Sensation…

    Aus meiner Zeit im Technischen Museum in Wien bin ich mit der Institution, die diese jährlich in Europa stattfindende Konferenz organisiert, tief verbunden. Mein Traum war immer, sie erstmalig nach Österreich zu holen. Wolfgang Muchitsch (Anm. Red. Geschäftsführer des Universalmuseum Joanneum) und ich haben uns dann gemeinsam beworben und mit dem Science Center Österreich den Zuschlag bekommen. Rund 1.100 Fachleute aus dem Museums- und Wissenschaftskommunikationsbereich werden 2016 in Graz eine Woche darüber diskutieren, wie man Naturwissenschaft und Technik an junge Menschen weitergeben und Interesse wecken kann.

    P1040790 (Medium)Das Kindermuseum FRida & freD ist das meistbesuchte Grazer Museum…

    Es geht letztendlich nicht um die Frage nach Besucherzahlen. Es ist prinzipiell natürlich schön, dass das Haus so gut angenommen wird. Ob es das meistbesuchte ist, steht für mich aber nicht im Vordergrund. Wichtig ist, guten Zuspruch von den BesucherInnen zu haben, kritisches Feedback zu bekommen und dieses auch laufend im Sinne unserer Arbeit zu hinterfragen. Die Gesellschaft, die Medien verändern sich laufend. Da muss man ständig die eigene Position hinterfragen; aber nicht, um gefällig zu sein, sondern um Themen zu behandeln, die kontroversiell und kritisch diskutiert werden müssen und die manchmal schwer konsumierbar sind.

    Wie ist das Standing im internationalen Vergleich?

    Sehr gut. Was sich auch darin wiederspiegelt, dass wir unsere Ausstellungen laufend im Ausland zeigen; momentan in Mannheim, Zagreb und Neu-Ulm. Das zeigt ganz einfach, wie gut wir innerhalb Europas positioniert sind. Das zeigt auch – im Sinn einer Nachnutzung – den wirtschaftlich wichtigen Aspekt als natürlich auch jenen angesichts des interkulturellen Austauschs, der sehr intensiv funktioniert.

    Seit diesem Jahr hat man mit der Märchenbahn eine Grazer Institution wiederbelebt. Eine erste Bilanz?

    Die Bahn wird hervorragend angenommen. Wir hatten im Juli und August sogar noch mehr Besucher als in der Weihnachtszeit. Die Idee, dass die Bahn in den Sommermonaten auch touristisch wirkt, ist voll aufgegangen. Natürlich gibt es noch ein paar „Kinderkrankheiten“, aber wir haben uns dieser Herausforderung gestellt und sind, auch dank des Feedbacks, sehr zufrieden.

     

    Die aktuellen Ausstellungen

    La Le Luftschloss20061_laleluftschloss01 (Medium)

    In einem atmosphärischen Rahmen, eingebettet in ein fantastisches Luftschloss, wird das junge Publikum bei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zum Forschen animiert. So gelingt es, das elementare Medium Luft in einer sinnlichen Umgebung zu verstehen. Für Kinder zwischen 3 und 7 Jahren.

    Klimaversum20069_laleluftschloss05 (Medium)

    Spielerich erfahren Kinder vom Einfluss des Klimas auf die Bevölkerung, werfen einen erkenntnisreichen Blick zurück in die Klimageschichte und schließen daraus, wie es sich in Zukunft verändern kann und wie sehr sie mit ihrem eigenen Verhalten den Klima- und Umweltschutz beeinflussen können. Für Kinder ab 8 Jahren.image7 (Medium)

    www.fridaundfred.at

    Text: Wolfgang Pauker

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