gallery lendnine: Soshana’s work

gallery lendnine: Soshana’s work

In einer Personale widmet sich die gallery lendnine von 17. Oktober bis 28. November dem Lebenswerk einer Künstlerin, deren Streben nach Selbstbestimmtheit sie immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik gerieten ließ: Soshana. Eine Künstlerin. Eine Kämpferin. Eine Jüdin. Eine Frau und eine Mutter, an der die gesellschaftlichen Konventionen des letzten Jahrhunderts abzuperlen schienen, wie frische Tautropfen an den Blättern einer Lilie.

„All life to me is like a voyage“

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Soshana: Künstlerin, Weltreisende und ewig Suchende

Soshana – mit bürgerlichem Namen Susanne Schüller – wurde am 1. September 1927 als Tochter eines Manschettenknopffabrikanten und einer Bildhauerin geboren. Schon in ihrer Kindheit verspürte sie den Drang zu malen und fand in ihre Mutter eine kreative Unterstützerin. Mit dem Einmarsch von Hitlers Truppen in Österreich, fand ihre unbeschwerte Kindheit ein abruptes Ende. Mit Mutter und Bruder floh sie über die Schweiz, nach Paris und England, bevor es dem Vater 1941 gelang, die Familie nach New York zu holen. Dort lernte sie Beys Afroyim, ihren künstlerischen Mentor und späteren Liebhaber kennen, mit dem sie bereits im Alter von 17 Jahren gegen den Willen der Eltern durch ganz Amerika reiste. 1946, ein Jahr nach ihrer Hochzeit, wurde Amos, ihr erstes und einziges Kind, geboren. Aufgrund der kommunistischen Gesinnung von Afroyim musste die junge Familie Amerika verlassen und flüchtete nach Kuba. Dort feierte Soshana 1948 ihre erste große Ausstellungseröffnung. Nach einem kurzen Zwischenstopp in den USA reisten die Afroyims 1949 nach Europa, wo sie von Holland, über Österreich, England, Polen und Tschechien schließlich nach Israel zogen. Doch von einer Ankunft konnte nicht die Rede sein. Denn schon 1951 kehrte Soshana nach der Scheidung mit ihrem Sohn zurück nach Wien. Amos in der Obhut ihres eigenen Vaters wissend, widmete sie sich ihrer künstlerischen Weiterentwicklung. Sie begann ein Kunststudium an der Hochschule für angewandte Kunst und wechselte später an die Akademie der bildenden Künste. Weniger als zwei Jahre dauerte es, bis Soshana ihr Studium und mit diesem die Zelte in Österreich abbrach, um nach Paris, dem „Mekka der Kunst“, zu pilgern. Über zwanzig Jahre hinweg bildete die Stadt an der Seine ihren Lebensmittelpunkt, inspirierte sie und gab ihr Raum zur kreativen Entfaltung.

Soshana und ihr Freund Pablo Picasso.
Mit Pablo Picasso verband Soshana eine innige Freundschaft. Sie verbrachten gemeinsame Zeiten im südfranzösischen Anwesen des weltberühmten Malers.

In jenen Jahren entwickelten sich tiefe Freundschaften zwischen der Künstlerin und Kollegen wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso oder Max Ernst. Um nur einige der intensiven Bekanntschaften zu nennen, welche die Weltbürgerin auf ihrem außergewöhnlichen Lebensweg begleiteten. Während ihres langjährigen Aufenthaltes in Paris entfloh Soshana dem Alltag mit Reisen in den Fernen Osten, nach Afrika und Südamerika. Nach ihrer zweiten Weltreise 1968 landete Soshana wie Jahre zuvor in Israel und lebte für zwei Jahre in Jerusalem, bevor sie von 1974 bis 1985 nach New York zog. Nach vielen Jahren im Ausland verlegte sich ihr Lebensmittelpunkt ab Mitte der 80er-Jahre endgültig nach Wien, wo sie heute noch lebt und arbeitet.

„To me painting is like writing a diary“

„Soshana, diese junge, schöne und nachdenkliche Frau nützt die Malerei als Mittel zum Selbstausdruck, ähnlich wie Musiker, die sich hierfür der Musik bedienen. Ihre Farben und Bildkompositionen spiegeln die Tiefe ihrer Seele wider und jeder kann in ihren Bildern seine eignen Träume und Tragödien wiederfinden. Soshanas Kunst versucht nicht gefällig zu sein und scheut nicht die Probleme unserer Zeit“, schrieb Kunstkritiker Edwig Bouttier bereits im Jahre 1958 über eine Künstlerin, die es bis heute verschmäht, gefällig zu sein und ihren Werken genau auf diese Weise eine Authentizität verleiht, die ihresgleichen sucht. Von 17. Oktober bis 28. November 2015 können sich Besucher der gallery lendnine in Graz davon überzeugen, welcher unschätzbare Wert den Arbeiten der gebürtigen Österreicherin innewohnt.

Galerist Helmi Mubarak
Galerist Helmi Mubarak
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Eine ihrer Arbeiten in der aktuellen Ausstellung in der gallery lendnine.

Ein Wert, den Galerist Helmi Mubarak folgendermaßen beschreibt: „Soshana ist eine Künstlerin, die ihre Malerei nicht nur als direkten Ausdruck ihres Gefühlslebens sieht, sondern auch als ihren Lebensinhalt. Sie malt heute noch täglich, hat ihr Leben auf der ganzen Welt verbracht und mit zahlreichen weltbekannten Künstlerinnen und Künstlern gearbeitet. All diese Einflüsse lassen sich in ihren Arbeiten erkennen und machen sie damit zu einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen Österreichs.“ Mubarak war Soshana schon lange ein Begriff. Eine preisgekrönte Dokumentation über ihr Leben und der direkte Kontakt mit ihren Arbeiten bei einer Ressler-Auktion festigten den Entschluss des Galeristen, die Künstlerin nach Graz einzuladen. Ab Mitte Oktober in der gallery lendnine zu sehen sein, werden rund 120 Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensepochen von Soshana. „Mir war wichtig, Arbeiten aus allen Epochen zu zeigen, aus ihrer frühen Zeit in New York, aus ihrer Zeit in Frankreich, wo sie unter anderem mit Giacometti und Picasso arbeitete, bis hin zu den heutigen Bildern.“

Soshana im Interview

Haben Sie eine Vorstellung, wie die Welt die Künstlerin Soshana sieht?

Keine Ahnung!

Wie sieht Soshana die Welt?

Die Welt ist ein großer Misthaufen, alles ist durcheinander. Eine Wüste!

Welche Erfahrungen hat Sie am tiefsten geprägt?

Hitler! Ich sah ihn als 11-Jährige von unserem Fenster und mir lief ein kaltes Schaudern über den Rücken, ohne zu wissen warum.

An welcher Weggabelung Ihres Lebens würden Sie im Nachhinein anders entscheiden, wenn Sie noch einmal die Wahl hätten?

Ich hätte einen anderen Mann geheiratet.

Was macht Sie glücklich und was macht Sie traurig?

Glücklich: Malen. Traurig: Ein Leben ohne Schmerzen nicht mehr zu kennen.

Was haben Sie immer gesucht, aber niemals gefunden?

Die große Liebe.

00210 (Medium)Ihre Bilder sind wie Tagebucheinträge – wie war es diese Intimitäten das erste Mal öffentlich auszustellen?

Das war kein Problem für mich. Ich wollte immer meine Werke mit der Welt teilen. Kunst war immer schon meine Therapie. Ich konnte gar nicht anders als zu malen.

Fällte es Ihnen schwer sich von Bildern zu trennen?

Manchmal ja, sie sind ja ein Teil von mir.

Welche Rolle spielt die Familie in Ihrem Leben?

Eine sehr große. Ich liebe meine Familie.

 

Text: Barbara Jerney

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