Schauspielhaus Graz: „Merlin oder das wüste Land“ zeugt von der Unbelehrbarkeit der...

Schauspielhaus Graz: „Merlin oder das wüste Land“ zeugt von der Unbelehrbarkeit der Menschen

"MERLIN oder das wüste Land" ist ein düsteres Spektakel über die Unbelehrbarkeit der Menschen. Foto: Lupi Spuma

Eben erst das düstere Licht der Welt erblickt, soll der Zauberer Merlin dem frisch gekrönten Artus beistehen, um die Vision einer neuen, besseren Welt zu etablieren und eine Tafelrunde zu installieren, an der jeder Stimme Gehör geschenkt wird. Doch Merlin ist vom Teufel gezeugt und dessen Werkzeug, um die Menschheit zum Bösen zu verführen. Selbst König Artus` Gattin Ginevra betrügt ihn mit seinem „getreuen“ Kompagnon Lanzelot, dem wiederum mit List Sohn Galahad angehängt wurde. Als auch noch des Königs Sohn Mordred in Machtgier die Welt in den Untergang reißt, kehren die heidnischen Götter zurück in das wüste Land.

Foto: Lupi Spuma
Foto: Lupi Spuma

Tankred Dorsts Stück ist ein monumentales Drama, verwebt verschiedene mittelalterliche Mythen und berichtet von Anfang und Ende einer Zivilisation, die scheitert und deren Götter abgelöst werden von einer Religion, die sich nirgendwo manifestiert. Die Schauspieler liefern einen theatralen Marathon über vier Stunden, der das Unvermögen und die Unbelehrbarkeit der Menschen vom Mittelalter bis in die Neuzeit nachzeichnet, und dem in keinem Akt die Luft ausgeht. So humoresk das Antikriegsstück phasenweise ist, so klar hält es dem Publikum vor Augen, wie dringend die Gegenwart neue Werte und Orientierungen braucht.

Michael Pietsch bedient seine Marionetten phänomenal. Foto: Lupi Spuma
Michael Pietsch bedient seine Marionetten phänomenal.
Foto: Lupi Spuma

Das Ensemble glänzt quasi ausnahmslos vor grandiosem Bühnenbild, dessen Herzstück der Stamm eines Mammutbaumes ist, welcher der Handlung mal als Hintergrund, mal als Schauplatz dient und damit die fiktive Wurzel des Stücks bildet, die über die volle Distanz vor der Gefahr des Abrutschens in die Langeweile bewahrt. Inszeniert von Regisseur Jan-Christoph Gockel sind es aber nicht nur Plot und Schauspieler, sondern allen voran die von Michael Pietsch gefertigten Marionetten, deren Fäden der Schauspieler selbst grandios bedient und der zu Recht den längsten Applaus eines nicht zu jubeln müde werdenden Publikums einheimste.

Zu sehen noch bis Ende Dezember im HAUS EINS des Schauspielhaus Graz.

 

WP; 28. 10. 2015

 

TEILEN