Legendäre Hotels: Mandarin Oriental, Bangkok

Legendäre Hotels: Mandarin Oriental, Bangkok

Das Hotel liegt direkt am Chao Phraya

Es heißt, dass Mandarin Oriental in Bangkok sei das beste Hotel der Welt. Hinter der Legende verbirgt sich jedoch weit mehr als eine der üblichen Nobelherbergen. Es ist eine Mischung aus dezentem Perfektionismus und unaufdringlichem Luxus, der dem Haus seinen schillernden Ruf eingebracht hat. Und wer einmal im Oriental gewohnt hat, kann auch nachvollziehen, warum Menschen allein wegen einem Aufenthalt in diesem Hotel nach Thailand reisen.

Ein Luxushotel als Treffpunkt berühmter Schriftsteller

MOBKK AUTHOR'S WING COUPLE 05 (Medium)Das Haus wüsste viele Geschichten aus der Welt der Reichen und Berühmten zu erzählen. Zum Beispiel könnte man über Aufenthalte von Lady Di, Michael Jackson, Liz Taylor, Robert de Niro, Mick Jagger oder Michael Caine berichten – oder über jenen von Roger Moore alias James Bond beim Dreh von „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Im „Mandarin Oriental“ in Bangkok aber hat man derlei Society-Renommee nicht nötig, und das, obwohl die Liste an internationalen Berühmtheiten um ein Vielfaches länger wäre. An den Wänden finden sich auch keine gerahmten Fotos von Stars und Prominenten. Das Hotel ist eben nicht einfach schick, teuer und oberflächlich, es ist eine Legende und ist sich und seinem Ruf etwas schuldig – Bescheidenheit wird groß geschrieben. Die Tatsache, dass das Oriental seit jeher Treffpunkt für berühmte Schriftsteller aller Kontinente ist, wird hingegen nicht geheim gehalten. Das hat auch mit der Geschichte der Institution zu tun, die im Jahre 1876 beginnt. Zwei dänische Kapitäne errichten am Chao Phraya, jenem Fluss, der durch die Millionenmetropole fließt und so etwas wie ein Wahrzeichen der Stadt ist, ein einfaches Gasthaus für Seeleute. Das Gebäude wurde bei einem Brand zerstört und 1884 von einem anderen dänischen Kapitän neu aufgebaut. Dieser Bau steht noch heute und trägt den Namen Author‘s Wing (dt. Schriftsteller-Flügel), weil dort früher mehrere bekannte Schriftsteller logierten. Der erste war Joseph Conrad im Jahr 1888. Das Hotel gewann bald an Ansehen und wurde eine der „ersten Adressen“ in Bangkok. 1891 stieg hier zum Beispiel der spätere Zar Nikolaus II. ab. Weitere Schriftsteller, die sich in die Gästeliste eintrugen waren Graham Greene, James Michener, John le Carré oder Somerset Maugham.

Der Author’s Wing und die Geburt einer Legende

MOBKK AUTHORS TERRACE 01Auch heute noch ist der Author´s Wing mit seiner Lounge und der Joseph Conrad Suite so etwas wie das Herz des Hotels. Das kleine zweistöckige, weiße Gebäude mit den Balkongittern und den grünhölzernen Jalousien versetzt seine Besucher schlagartig in eine andere Welt. Alles strahlt in Weiß – Rattanmöbel, siamesischen Schirme und elegante Bambuspflanzen und Palmen erzeugen ein einzigartig koloniales Flair. Die Lounge gilt als Institution für traditionellen englischen Afternoon-Tea mit Scones, Sandwich-Happen und Torteletts und den besten Teesorten der Welt. Einmal die Woche findet die Cocktail-Hour statt, in der es auch kulinarische Köstlichkeiten gibt.

Atemberaubend: Die Lobby
Atemberaubend: Die Lobby

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel beschädigt, diente danach für einige Zeit als Quartier der Alliierten und wurde 1945 von mehreren Investoren übernommen und saniert. 1958 wurde es um den Garden Wing erweitert. Bis in die 1960er Jahre hinein jedoch konnte es nicht an seine frühere Glanzzeit anknüpfen. Erst 1967, als der Deutsche Kurt Wachtveitl das Hotel übernahm und es 41 Jahre lang als Geschäftsführer leitete, wurde es wieder zu einem Luxushotel der Spitzenklasse. 1974 wurde die Hotelgruppe Mandarin gegründet, die wenig später einen Anteil von 49 Prozent an dem Hotel erwarb und es weiter ausbaute. Der heutige River Wing entstand. 1991 ernannte das US-Magazin Institutional Investor das Oriental offiziell zum besten Hotel der Welt und erneuerte sein Urteil in den folgenden zehn Jahren – eine Legende war geboren. 2001 wurden rund 30 Millionen Dollar in die Sanierung des Hauses investiert.

Eine mondäne Oase der Ruhe im Großstadtdschungel

Infinity Pool
Infinity Pool

Woraus besteht es aber nun, jenes Gefühl, das einen als Gast des Oriental´s während seines Aufenthaltes begleitet und diesen um so vieles einzigartiger werden lässt, als in üblichen Luxusherbergen? Worin liegt der Unterschied? Klar, wer hier absteigt sucht Luxus. Betritt man das Hotel durch den Haupteingang, steht man in der gläsernen, lichterfüllten Hotellobby mit seiner opulenten Ausstattung, dem aufwendigen Blumenschmuck, der beinahe kaiserliche Ausmaße annimmt. Allabendlich gibt in ihr ein Streichquartett unter anderem Haydn oder Vivaldi zum Besten. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als beeindruckt von all diesen malerischen Eindrücken erstmals den typischen Orientalduft, einen würzigen und kühlen Hauch von Zitronengras, zu schnuppern, der alle Flügel mit ihren gut 390 Zimmern und Suiten dezent durchweht. Ebenso selbstverständlich suchen Gäste im besten Hotel der Welt nach Ruhe, die im lauten Großstadtdschungel von Bangkok eigentlich kaum vorstellbar ist. Der tropisch angelegte Garten mit seinem traumhaften Pool lässt das Oriental auch in dieser Hinsicht seinem Ruf gerecht werden.

The Oriental Spa
The Oriental Spa

Das hauseigene Spa, das mit dem Hotelboot an der anderen Flussseite zu erreichen ist, soll, wie auch nicht anders zu erwarten, das beste Bangkoks sein. Für den Gast genauso ausschlaggebend ist das gastronomische Angebot, das dem üblichen Anspruch gerecht werden muss. Schon das Frühstück muss außerordentlich sein – im Oriental wird diese Pflicht zur Kür. Es gibt so gut wie alles in perfekter Qualität, und das an einer traumhaften Location, direkt am Fluss. Für Mittags und Abends stehen insgesamt 7 Restaurants zu Verfügung, alle unter der Leitung des legendären österreichischen Küchenchefs Norbert Kostner. Jedes zählt zum Spitzenangebot der ganzen Stadt. Ob thailändisch, chinesisch, französisch oder italienisch – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Das Seefood-Restaurant „Lord Jim´s“ wurde nach einer Romanfigur von Joseph Conrad – dem Seefahrer Lord Jim – benannt, und seine hervorragend zubereiteten Fischgerichte und Meeresfrüchte-Spezialitäten sind fast ebenso berühmt wie sein Namensgeber. 37 Riverside Terrace (PM) (Large) (Medium)Das Restaurant bietet eine fantastische Aussicht auf den Fluss und serviert eines der beliebtesten Mittagsbuffets in Bangkok mit einer großen Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten und internationalen Spezialitäten.

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Zum Abendessen besteht die Auswahl zwischen Gerichten à la carte oder einem festen Menü. Für einen gemütlichen Drink nach dem Abendessen findet sich die Bamboo-Lounge oder die Terasse am Fluss.

Perfektionismus als Markenzeichen

Und dennoch. Es wäre zu wenig das Haus als luxuriöse Ruhe-Oase zu definieren, in der es sich feinst speisen und feiern lässt, und damit den Grund für seinen famosen Ruf zu begründen. Denn genauso wichtig und mitbestimmend für das „Legendäre“ am Hotel ist der bis ins kleinste Detail inszenierte Perfektionismus (sogar das am Zimmer bereitliegende Briefpapier ist mit dem Namen des Gastes geprägt) und der im wahrsten Sinne des Wortes weltweit typische Service. Wo sonst lehnt der Butler von außen ein Streichholz an die Zimmertür – steht es aufrecht, weiß er, der Gast ist noch in seinem Zimmer. Wo sonst wird jede individuelle Vorliebe nach der ersten Nächtigung so von den Mitarbeitern im Gedächtnis abgespeichert als wäre man jahrelanger Stammgast? Eigentlich nirgends mehr, außer vermutlich im Mandarin Oriental Bangkok. mandarin-gross (Medium)   

www.mandarinoriental.de/bangkok

 

Text: Stefan Zavernik

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