MAK: Stefan Sagmeisters „The Happy Show“

MAK: Stefan Sagmeisters „The Happy Show“

©Aslan Kudrnofsky

Stefan Sagmeister, Großmeister des Grafikdesigns, geht in seiner „Happy Show“ im Wiener MAK der Frage nach, was uns glücklich oder zumindest glücklicher macht. Meditation, kognitive Therapie, stimmungsaufhellende Medikamente – Sagmeister testete alles Glückversprechende am eigenen Körper und verarbeitete seine Experimente zur einer Schau, die nun nach Stationen in Nordamerika und Paris auch in Wien angekommen ist.

 Ein interaktives Fahrrad treibt die Neon-Leuchtschriften Seek Discomfort und Actually Doing Things I Set Out to Do Increases My Overall Level of STEFAN SAGMEISTER: The Happy Show Seite 3 Satisfaction an. Sobald die Trittkraft endet, erlischt die Schrift. © Aslan Kudrnofsky
Ein interaktives Fahrrad treibt die Neon-Leuchtschriften Seek Discomfort und Actually Doing Things I Set Out to Do Increases My Overall Level of Satisfaction an. Sobald die Trittkraft endet, erlischt die Schrift. © Aslan Kudrnofsky

In der teils interaktiven Ausstellung lotet Sagmeister die Grenzen zwischen Kunst und Design aus, wobei es der Querdenker mit Grenzen nicht so genau nimmt, und diese eher zieht, um sie zu überschreiten. Die Ausstellung dokumentiert seine zehn Jahre andauernde Untersuchung des Glücks anhand von Videos, Drucken, Infografiken, Skulpturen und interaktiven Installationen. Sie führt die BesucherInnen auf eine Reise durch die Gedankenwelt des Designers und seine Versuche, das eigene Glück zu steigern, indem er seinen Geist trainiert wie andere ihren Körper. Die Schau, die sich so erfrischend präsentiert, wie man sich einen Museumsbesuch zum Thema „Glück“ nur wünschen kann, ist nach 2002 Sagmeisters bereits zweite Show im Wiener MAK. In handschriftlichen Kommentaren an Wänden, Geländern und in den Toilettenräumen des Museums erläutert Sagmeister seine Gedanken und Beweggründe zu den gezeigten Projekten. Diese persönlichen Notizen ergänzt er durch sozialwissenschaftliche Daten der Psychologen Daniel Gilbert, Steven Pinker und Jonathan Haidt, des Anthropologen Donald Symons und bedeutender HistorikerInnen, um seine Experimente mit Psyche und Typografie in einen größeren Kontext setzen.

© Aslan Kudrnofsky
© Aslan Kudrnofsky

„The Happy Show“ ist Kunst mit Spaßfaktor, lässt aber aufgrund der behandelten Thematik nicht an Tiefgang missen. Getaucht in ein symbolträchtiges Smiley-Gelb eröffnen Interventionen in der MAK-Säulenhalle, der MAK-Schausammlung Gegenwartskunst, dem MAK DESIGN LABOR, der MAK GALERIE und auch weniger prominenten Bereichen des MAK wie in den Stiegenhäusern, Gängen und Aufzügen Einblicke in Sagmeisters Gedankenwelt und Glückserfahrungen. Die Suche nach dem Symbol für Glück wird zur kollektiven Angelegenheit: Die BesucherInnen können Knöpfe drücken, auf kleinen Papierstreifen Glückssymbole zeichnen, Karten mit Aufgaben ziehen und werden aufgefordert, Geld aus einem Automaten zu nehmen und gleichzeitig 20 Cent zu spenden. Ein Display mit silbernen Tellern offeriert den BesucherInnen Sagmeisters bevorzugte Süßigkeiten. Bei der Installation How happy are you? kann die Frage nach dem eigenen „Glücksgrad“ an einer Skala von 1 bis 10 beantwortet werden, indem man dementsprechend einen Kaugummi zieht. Gleichzeitig wird so der kollektive Glücksgrad aller AusstellungsbesucherInnen visualisiert.

Stefan Sagmeister Foto: Sagmeister & Walsh
Stefan Sagmeister
Foto: Sagmeister & Walsh

Mit seinem charakteristischen Design, das Typografie und Bildsprache auf verblüffende, erfrischende, anspruchsvolle und verstörende Weise mischt, hat Sagmeister die Designkultur der vergangenen Jahrzehnte maßgeblich beeinflusst. Nach dem Abschluss seines Studiums an der Universität für angewandte Kunst Wien ging Sagmeister nach Amerika, wo er sein eigenes Studio Sagmeister Inc. in Manhattan gründete. Zu Sagmeisters bekanntesten Arbeiten zählen seine Cover für Alben der Talking Heads, von Lou Reed, OK Go oder The Rolling Stones sowie Kampagnen für Unternehmen wie HBO und Levi’s, die sich ins öffentliche Bewusstsein eingebrannt haben.

Zu sehen noch bis 23. 3. 2016 im Museum für angewandte Kunst (MAK), Stubenring 5, 1010 Wien; www.mak.at

Text: Wolfgang Pauker

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