Oper Graz: Sophia Brommer in der Rolle der Luisa Miller

    Oper Graz: Sophia Brommer in der Rolle der Luisa Miller

    Sophia Brommer

    Am 12. Dezember feierte die Oper Graz die Premiere von Giuseppe Verdis Oper „Luisa Miller“. Damit wurde das auf Schillers „Kabale und Liebe “ basierende Stück erstmals seit seiner Uraufführung vor 166 Jahren auch in Graz inszeniert. Darin zu sehen: die deutsche Sopranistin Sophia Brommer, die mit ihrer Rolle als „Luisa Miller“ ihr Debüt an der Oper Graz gegeben hat. „Achtzig“ traf die Ausnahmesängerin zum Gespräch.

    Wie haben Sie sich auf Ihre Premiere in Graz vorbereitet?                

    Ich habe mich intensiv mit vorhandenen Aufnahmen beschäftigt und mich sehr stark mit der Rolle und dem Inhalt des Stückes auseinandergesetzt. Das ist für mich immer das Spannendste.

    Ihre persönliche Quintessenz des Stückes?

    Es führt vor Augen, wie schnell sich alles ändern kann. Das Stück Luisa Miller spielt in einer immensen Geschwindigkeit. Die Geschichte umfasst lediglich einen Tag, an dem ein Missverständnis das nächste jagt und den Liebenden als einzige Lösung die Befreiung im Tod bleibt. Das macht die Faszination des Stückes in meinen Augen aus: also die immense Geschwindigkeit und den dadurch bedingten Druck.

    Die Sopranistin im Gespräch mit der Kulturzeitung 80.
    Die Sopranistin im Gespräch mit der Kulturzeitung 80.

    Welche Herausforderungen sind Ihnen bei der Arbeit begegnet?

    Das Interessante ist in meinen Augen nicht, wenn jemand weint, sondern wenn er dagegen ankämpft zu weinen. Diese Grenze auszuloten erfordert viel Übung.

    Weil Sie gerade von Übung sprechen: Sie proben täglich zwischen sechs und acht Stunden. Woher nehmen Sie die Energie dafür?

    Aus der Musik natürlich. Und aus der Arbeit insgesamt. Man begegnet sich bei der szenischen Arbeit immer ein Stück weit selber und bekommt die Möglichkeit, daran zu wachsen. Das ist oft anstrengend, aber auch erfüllend.

    Was ist Ihr größter Lohn?

    Am meisten freut und rührt es mich, wenn ich die Leute irgendwie erreichen konnte. Das muss sich nicht immer in Lobeshymnen äußern. Auch Kritik ist eine Reaktion, die ich schätze.

    Wie gelingt das in Ihren Augen am besten?

    Mir ist es manchmal wichtiger, eine Emotion zu vermitteln, als dass eine Stimme einfach nur schön klingt. Da streiten sich aber auch viele darüber.

    P1050616 (Medium)Inwiefern?

    Viele sagen, dass es beim Operngesang um den schönen Klang der Stimme geht und dass man diesem Darstellung und Regie unterordnet. Ich dagegen würde auch riskieren, etwas auch einmal hässlich klingen zu lassen, solange es der Vermittlung von Emotionen dient.

    Gibt es etwas, vor dem Sie Angst haben, wenn es um die Arbeit geht?

    Um an das anzuknüpfen, was ich gerade gesagt habe: Ich habe Angst, dass etwas flach wird. Dass man keine Message hat, die man jemandem mitgeben kann. Dann finde ich nämlich, dass Theater beliebig wird. Und das darf es schon allein deshalb nicht sein, weil Kunstvermittlung auch immer mit der Vermittlung von Werten einhergeht.

    Sie haben beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD München gleich mehrere Preise gewonnen. Was bedeutet das für die Karriere, aber auch für Sie persönlich?

    Wettbewerbe geben einem die Möglichkeit, sich mit anderen zu messen. Man sieht, wo man steht. Außerdem lernt man dabei sehr gut, mit Druck umzugehen. Und ein Gewinn verschafft einem gewisse Möglichkeiten. Trotzdem bin ich persönlich immer sehr vorsichtig, Preise überzubewerten, weil der persönliche Geschmack immer mitentscheidet.

    In der Oper Graz gibt Sie ihr Debür als Luise Miller
    In der Oper Graz gibt Sie ihr Debüt als Luise Miller

    Ihr Debüt-Soloalbum hieß „Aufbruch“, es ist eine Lieder-Hommage an Hermann Hesse. Was verbindet Sie mit ihm?

    Ich bin in derselben Stadt aufgewachsen und habe sehr viel von ihm gelesen. Das mache ich heute noch, wenn mir die Zeit dazu bleibt. Ich bin richtig vernarrt in seine Literatur. Unterm Rad, Rosshalde, Steppenwolf würde ich als meine drei Lieblingsbücher von ihm nennen.

    Wie fühlt es sich an, in Graz zu leben und zu arbeiten?

    Ich wurde sehr freundlich aufgenommen hier. Und ich finde die familiäre Atmosphäre am Opernhaus fantastisch. Über die Stadt an sich kann ich noch nicht wahnsinnig viel sagen, weil ich noch nicht viel Zeit hatte, sie zu erkunden. Außer, dass sie auf den ersten Blick wunderschön ist!

    Text: Barbara Jernej

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