Big in Japan

Big in Japan

Sie ticken irgendwie anders, die Uhren im „Land der aufgehenden Sonne“ (= Nippon). Betrachtet man die Infrastruktur, hat man das Gefühl, die Zeiger bewegten sich ein wenig schleppend, seitdem sich das Land in den 80ern zur einst zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufgeschwungen hat. Und doch wird einem beim Durchstreifen der Metropole Tokyo bewusst, dass gerade diese Stadt ein gehöriges Tempo vorlegt. Zur Ruhe kommt man dann am besten erst in einem Zen-Tempel in Kyoto, wo man das alte, traditionelle Japan vorfindet. Bis dorthin sollte man die Zeit nutzen, so viel als möglich der facettenreichen Kultur dieses Landes aufzusaugen – because time is ticking…

Blick auf die Rainbow Bridge aus dem Conrad Tokio
Blick auf die Rainbow Bridge aus dem Conrad Tokio

Zugegeben, Japan liegt nicht gerade ums Eck und doch ist es sogar in nur einer Woche möglich, ein wahrhaft faszinierendes Land kennenzulernen. Da man das am besten abseits ausgetrampelter Touristenpfade tut, hier ein kleiner Guide durch Tokyo und Kyoto.

Japan is what`s going on…

Shibuya
Shibuya

Zum ersten Kulturschock ab nach Shibuya. An der bekanntesten Kreuzung drängen sich zu Stoßzeiten hunderte Menschen – enorm zuvorkommend und zivilisiert, wie es die Japaner nunmal sind – über die Zebrastreifen. Unbedingt sollte man sich auch in Richtung Harajuku orientieren. Unzählige kleine Gassen, prall gefüllt mit verkleideten Freaks und sonderbaren Geschäften drängen die Frage auf: „What is going on here?“. Etwas tiefer in diesem Viertel findet sich die weniger verrückte Harajuku-street. Hier haben sich kleine Designerläden, Kaffee´s und Galerien angesiedelt und hier spürt man auch, wieso Tokyo eine der führenden Modemetropolen ist.

Harajuku Street
Harajuku Street

Unweit davon liegt Aoyama, eine kleines Viertel mit Läden der gängigen weltbekannten Luxus-Marken, wie man sie auch anderorts in Tokyo und generell in jeder Großstadt des Planeten findet. Der Unterschied: Aoyama ist ein exklusives Wohnviertel mit Einfamilienhäusern, beheimatet stylische Cafe´s und hinter jeder Ecke verbirgt sich ein modernes, architektonisch atemberaubendes Bauwerk eines Luxuslabels. Hier befindet sich auch das Nezu-Museum, ein Privatmuseum mit einer Sammlung von mehr als 7400 asiatischen und japanischen Kunstschätzen der Vormoderne.

Aperitif mit Blick über die Skyline

Außergewöhnliche Bars gibt es viele in Tokyo, aber zwei seien an dieser Stelle empfohlen: Die „Two rooms“ grill/bar, mit Blick über Aoyama und weit darüber hinaus, bietet erstklassige Cocktails und internationales Publikum. Im selben Gebäude befindet sich übrigens auch eine Dependance des Cafe Landtmann – falls das Heimweh plagt… Wer bis dahin noch nicht genug „Lost in Translation“ ist, der kann auf Bill Murray’s Spuren wandeln und sich einen japanischen Suntory Whisky an der New York Bar des Park Hyatt Hotels genehmigen.

Cocktail über den Dächern der Stadt - im Two Rooms
Cocktail über den Dächern der Stadt – im Two Rooms

A night to remember

Zu späterer Stunde unbedingt zu besuchen ist ein vergleichsweise kleines Areal im Businessdistrikt Shinjuku, das Golden Gai, wo sich auf 6 parallelen Gässchen über 200 teils winzige Lokale aneinanderreihen und deren Bars dem Wirt gerade mal so viel Platz lassen, sich umzudrehen. Dass es Goldan Gai überhaupt noch gibt, verdankt es einer Bürgerwehr, welche die Häuser in den 1960ern davor bewahrte, von Yakuzas (Mafia) niedergebrannt und in weiterer Folge neu bebaut zu werden. Was sich hier auf kleinstem Raum an Wochenenden abspielt, ist unbeschreiblich. Wer danach noch Luft hat, der sollte ins „Womb“ schauen, einem Nachtklub der Extraklasse nähe Shibuja Station. Der Dancefloor ist ein dreistockhoher Raum mit einer überdimensionalen Discokugel an der Decke. Internationale Top DJ´s sowie Local Heros der elektronischen Tanzmusik legen hier vor einem entfesselten Publikum auf.

Golden Gai, an Wochenenden ein absolutes Night-Life-Highlight
Golden Gai, an Wochenenden ein absolutes Night-Life-Highlight

A little bit of sleep

ChinaBlue
Eines der Restaurants im Conrad Tokyo

Eines der absoluten Top-Business-Hotels Tokyos ist das Conrad, gelegen in der Shiodome Area und mit einem sagenhaften Blick – je nach Zimmerausrichtung – über die Skyline oder die Bay. Das Haus verfügt mit dem Mizuki-Spa über das größte Spa der Stadt und einen Pool mit Blick über die Dächer Shiodomes. Mehrere Top-Restaurants (natürlich mit Michelin-Sternen ausgezeichnet) und ein Weinkeller, wie man ihn in Tokyo kein zweites Mal findet und den man dem weinaffinen Hoteldirektor – einem Österreicher – verdankt,  machen das Haus auch kulinarisch zu einem Hot-Spot der Stadt. Das Conrad liegt ganz in der Nähe des glitzernden Stadtteils Ginza, welcher so etwas wie die 5th Avenue Tokyos beheimatet. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch der weltgrößte Fischmarkt, von welchem aus der frische Fang Japans ins restliche Land und die Welt verkauft wird. Dass man dort den Küchenchef des japanischen Restaurants „Kazahana“ bestens kennt, spürt der Gast spätestens an der außergewöhnlichen Qualität des im Conrad servierten Fischs. Wenn man sich die allmorgendliche Tuna-Auktion ansehen möchte, heißt es früh aufstehen – wer  nach 4.30 Uhr kommt, wird nicht mehr eingelassen und sich auf Diskussionen mit japanischen Wachmännern einzulassen, ist absolut verschwendete Zeit.

Kyoto – das traditionelle Japan

Nach Kyoto fährt man am gemütlichsten mit dem legendären, alle zehn Minuten und mit präziser Pünktlichkeit abfahrenden Schnellzug Shinkansen. In rund 2 1/2 Stunden und vorbei an Mount Fuji erreicht man die Stadt, die wie keine andere das ursprüngliche, traditionelle Japan mit all den antiken Tempeln, weitläufigen Gärten und den sagenumwobenen Teehäusern samt Geishas repräsentiert. Einst Kaiserstadt, verfügt Kyoto über eine Vielzahl prächtiger Schreine, Burgen und Tempelanlagen, doch reicht es aus, sich auf die Highlights – Golden- (Foto oben) sowie Zen-Tempel mit herrlichem Park und japanischen Gärten – zu beschränken. Kyoto ist aber, verglichen mit Tokyo, nicht nur ein Ruhepol, sondern vor allem auch kulinarisch ein Hochgenuss – ist es doch die Stadt mit der höchsten Dichte an mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants der Welt. Um sicher einen Tisch in einem der traditionellen Restaurants im alten Zentrum zu bekommen, sollte man unbedingt den Concierge bemühen – denn nur allzuoft heißt es sonst: Japanese only!

Kyoto
Kyoto

Puristischer Luxus eines Ryokan

Um das Flair des „alten Japan“ so richtig aufzusaugen, sollte man sich im Ryokan, einem traditionell eingerichteten Hotel, einquartieren. Die Zimmer sind typisch japanisch gestaltet: Die Böden mit Tatami-Matten ausgelegt, die Schiebetüren mit Washi bespannt und ein Gemeinschaftsbadehaus (Onsen) dient zur täglichen Hygiene. Die Schuhe werden beim betreten des Hauses ausgezogen und ein Yukata, das traditionelle japanische Kleidungsstück, liegt für die Gäste bereit. Gelegen in Gion, einem der ältesten und schönsten Viertel Kyotos, liegt das Gion Hatanaka, ein Ryokan, welches puristischen Luxus auf höchstem Niveau mit einer Michelin-Stern Küche verbindet.

Puristischer Luxus im Ryokan Gion Hatanaka
Puristischer Luxus im Ryokan Gion Hatanaka
離れ客室(1)
Tief eintauchen in die jahrhunderte alte Kultur Japans…

Ein Steinweg führt hinauf in das Haupthaus, von welchem kleine Gänge in die Zimmer führen, welche einen herrlichen Blick in die Wälder gewähren. Geschlafen wird am Boden, auf den aus Reisstroh geflochtenen Tatamimatten, über welche eine Futonmatratze gelegt wird. Das traditionelle japanische Frühstück, welches etwas gewöhnungsbedürftig ist, sowie der Begrüßungs- und Morgen-Tee wird von einer Dame im traditionellen, aufwendig gebundenen Kimono serviert und im Zimmer am Boden sitzend eingenommen. Hier herrscht vor allem eines: Ruhe. Absolute Ruhe. Der Luxus besteht nicht in Opulenz oder irgendwelchem Schnick-Schnack, sondern im Reduzieren auf das Wesentlichste. Wer es ein wenig „westlicher“ und dennoch klassisch japanisch haben möchte, der kann ein paar Straßen weiter im Ishibe-kouji Ryugin absteigen, einem für bis zu sechs Personen beziehbaren Appartement, welches westlichen Komfort (geräumige Dusche, Whirlpool, TV und herkömmliche Betten) mit einem klassischen Ryokan verbindet.

Text: Wolfgang Pauker

 

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