1003 Nächte in Marrakesch

1003 Nächte in Marrakesch

Um Marokko zur Gänze kennenzulernen, braucht es vermutlich Wochen. Seinem Charme erliegt man jedoch mühelos an einem Wochenende.

Eine Eigenschaft, die Marrakesch für ein verlängertes Wochenende prädestiniert: Die Zeit, in Ruhe anzukommen und sich zu akklimatisieren, lässt einem die Stadt ohnehin nicht. Vor allem dann, wenn man zu den Glücklichen zählt, die als Unterkunft ein Riad in der historischen Altstadt wählen. Diese verschlingt ihre Besucher regelrecht. Auch die mittlerweile unkomplizierte Anreise ist ein Glücksfall für Kurzentschlossene. Gerade einmal vier Stunden Flugzeit sind es von Wien aus, um in eine orientalische Märchenwelt einzutauchen, die so urtypisch ist, als wäre sie eine kunstvoll gestaltete Filmkulisse. Ausgehend vom Djemma el Fna, jenem legendären Platz, an dem Schlangenbeschwörer und Affenhalter ihre Kunststücke präsentieren und Geschichtenerzähler ihre Zuhörer in den Bann ziehen, erschließt sich die Medina auf Spaziergängen schneller, als man es für möglich halten möchte. Angst, sich in den engen Gassen mit ihrem geschäftigen Treiben zu verlaufen, braucht kein ständiger Begleiter zu sein. Sich zu verirren gehört einfach mit zum Abenteuer und endet für Verlorengegangene in der Regel damit, irgendwann zurück zum „großen Platz“ getrieben zu werden. Dieser ist übrigens zu jeder Tageszeit einen Besuch wert. DSC_4891 (Medium)Ob für eine köstliche Erfrischung in Form eines frischgepressten Orangensaftes an einem der typischen Saft-Stände. Ob für einen Minztee auf der Terrasse eines der Cafés, während dem man meditativ den Geräuschen des Platzes lauscht und das bunte Treiben verfolgt. Oder in den Abendstunden, in denen sich der Platz in ein riesiges Open-Air Dinner mit unzähligen Essensständen verwandelt.

Was sollte man in Marrakesch auf keinen Fall verpassen?

Marrakesch hat viele Sehenswürdigkeiten. Wer alle an einem Wochenende sehen möchte, ist zum Scheitern verurteilt. Um die Stadt richtig auszukosten, ist ein Sight-Seeing-Marathon glücklicherweise auch nicht notwendig. Einen sogenannten Pflichtbesuch außerhalb der Medina gibt es dennoch, den Jardin Majorelle. Jenen Garten des verstorbenen Mode-Stars Yves Saint Laurent, der zum Sinnbild einer innerstädtischen Oase geworden ist. Wie in einem Märchentraum bewegt man sich auf kleinen, verschlungenen Pfaden durch eine Welt aus riesigen Kakteen, Palmen und exotischen Pflanzen. Einst war es das private Domizil des Modeschöpfers und seines Lebensgefährten Pierre Bergé, heute ist es eine Sehenswürdigkeit der Stadt mit Berber-Museum.

Yves Saint Laurents Haus im Jardin Majorelle.
Yves Saint Laurents Haus im Jardin Majorelle.

Pflicht ist auch der Einkaufsbummel in den Souks der Altstadt. Ein wahrlich lehrreiches Erlebnis, bei dem die Zeit leider wie im Flug vergeht. Fixpreise sind ein Fremdwort und ein guter Deal immer Verhandlungssache. Zu erstehen gibt es einiges. Handgefertigte Schuhe, bunte Schals, Stoffe, Mützen, Teppiche, versilberte Badewannen, Lampen, unterschiedlichste Einrichtungsgegenstände, Schmuck und natürlich jede Menge zu essen, allen voran die zu Kunstwerken aufgeschüttete Gewürze in den allerschönsten Farben. Jedes Produkt hat seinen eigenen Souk, in dem sich die einzelnen kleinen Geschäfte dicht aneinander reihen und deren Betreiber mit einem Lächeln verkünden, sie hätten schon den ganzen Tag auf uns gewartet. Marrakech 2011_Street Scene 1 © Niels Bitsch (Medium)Besonders lauschig ist der Place des Epices, ein Eldorado voller Gewürze und Wunderheilmittel. Ideal für eine Verschnaufpause ist das Café des Epices, von dem aus man bei einem Glas Minztee die stattlichen Marktfrauen beobachten kann, wie sie ihre Wollhauben penibel aufstapeln und ihren Kunden diese gefühlvoll auf den Kopf setzen, zurechtdrücken und zum Verkaufsgespräch ansetzen. Auch das Nomade, ein Restaurant mit moderner Küche, liegt am Platz, die Aussicht von seiner Terrasse auf den Markt ist sensationell und das Essen ein Gedicht.

Wohnen im Riad, im Herzen der Stadt

Marrakesch ist eine Stadt der Gegensätze. So laut und hektisch es auf den Gassen und Plätzen der Medina zugeht, so ruhig ist es in den Innenhöfen der altehrwürdigen Riads. Julia Bartels führt eines der wohl schönsten dieser Häuser, das Riyad El Cadi, als exklusives Hotel.

Die Hausherrin im Riad El Cadi.
Die Hausherrin im Riyad El Cadi.

Das nur einen Steinwurf vom Djemma el Fna entfernte 450 Jahre alte Gebäude gleicht einer Oase der Ruhe und versprüht den Geist einer längst vergangenen Zeit. Gerade in den Sommermonaten sind seine uralten Mauern ein wahrer Segen und verschaffen Abkühlung, ebenso der schmucke Pool in einem der von Palmen geschmückten Innenhöfe. Insgesamt 15 Zimmer und Suiten verteilen sich in einem Labyrinth aus fünf Innenhöfen mit kleinen Balkons und lauschigen Ecken. Jedes von ihnen ist einzigartig eingerichtet. unter anderem mit antiken Teppichen, Holzreliefs, asiatischen Möbel und typisch marokkanischer Keramik. Suite Palmier-Salon (c) Keohane (Medium)Frühstück, Lunch und Dinner finden bei gutem Wetter auf den Dächern des Riads statt. Der Blick über die Stadt ist ein Erlebnis für sich, ebenso der Anblick des mächtigen Atlas-Gebirges, das hinter Marrakesch thront. Genial auch für einen Sundowner: Die Dachlandschaft Marrakeschs präsentiert das Leben der Wüstenstadt auf besonders intime Weise. Man lehnt sich gemütlich zurück und lässt sich verzaubern. Von den sanften Tönen der Abendsonne, die sich über die roten Dächer der Häuser legen. Von den in den Hintergrund gedrängten Geräuschen der Gassen und dem dafür umso lauter werdenden Vogelgezwitscher. Und schlussendlich von den Rufen der Muezzins. Eindrücke, die Marrakesch so nahe an uns heranbringen, als wäre man eins mit ihr geworden. In gerade einmal 3 Tagen.

Yves Saint Laurent, 1976
Yves Saint Laurent, 1976

 

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