Walter Köstenbauer: „Meine Stärke ist die Vielfalt“

Walter Köstenbauer: „Meine Stärke ist die Vielfalt“

Walter Köstenbauer in seinem Grazer Atelier. Fotografiert von Branko Lenart.

Seit 30 Jahren schafft der Künstler Walter Köstenbauer unablässig Kunst. Und das in beinahe konkurrenzloser Vielfalt. Was, wie er ironisch bemerkt, „wiederum der Selbstmord für den Kunstmarkt ist.“ Anlässlich seines 60. Geburtstags stellt er nun in einer Ausstellungs-TRILOGIE in Graz, Weiz und Gleisdorf aus.

„Man erwartet von Künstlern eine gewisse Unverkennbarkeit, und die Galeristen schlachten diese Formensprache ja regelrecht aus“, so der Künstler zu seiner kunstmarkttechnischen Selbstmordtheorie. „Man muss sich ja nur meinen Professor an der Angewandten in Wien, Wolfgang Hollegha, ansehen, der quasi sein Leben lang ein und dasselbe Bild gemalt hat. Ich möchte mich in meiner Arbeit aber in erster Linie immer wieder selbst überraschen.“ Und das tut der vielseitige Künstler nun seit über 30 Jahren. „Ein Prinzip meiner Arbeit ist, sie nicht bis zum letzten Strich zu beherrschen, sondern mich stetig weiterzuentwickeln. Ein kleiner Anteil von für mich nicht Kontrollierbarem soll vorhanden bleiben. Denn wenn die Dinge dann gelingen, sind sie unvorstellbar befriedigend, weil sie dann auch unwiederholbar sind“, wie Köstenbauer in seinem Grazer Atelier erklärt. Seine Arbeit umfasst ein sehr breites Spektrum, weil er sich im Laufe der Jahre immer wieder Dingen zuwandte, die ihn zu Neuem drängten, ihn herausforderten und deren Bewältigung erst die Kunst des Walter Köstenbauer ausmacht. „Die Vielfalt ist auch ein Problem, denn ich arbeite auf unterschiedlichen Ebenen, simultan beinahe, von fotografischen Bearbeitungen bis hin zu Kunst im öffentlichen Raum und natürlich der abstrakten Malerei.“ Die abstrakte Malerei alleine ist dem Künstler aber zu wenig, weil „man gesellschaftlich überhaupt keine Verantwortung mehr übernehmen kann. Man ist quasi in seinem Elfenbeinturm und malt, aber wenn man hinausschaut in die Welt, spiegelt sich in der abstrakten Kunst eigentlich nichts.“ Deshalb arbeitet er stets auch an gesellschaftsrelevanter Kritik durch Aktionen und anderen Projekten.DSC_4756 (Medium)

Affinität zu Steinen

Dabei war er nach Beendigung seines Studiums an der Akademie der bildenen Künste Wien kurz davor, den Pinsel aus der Hand zu legen. „Nach vier Jahren Akademie hab ich beinahe gar nicht mehr gemalt. Aber 1983 ist mir sozusagen der Knopf aufgegangen, als ich mit meinen hervorgekramten Malsachen in den Schwarzwald und das Elsass gefahren bin, mich in der Natur bewegt habe und Landschaftsmotive skizzierte und aquarellierte.“ An einem Wallfahrtsort für Blinde und Sehbehinderte kam es dann zu einem einschneidenden Erlebnis und Köstenbauer erblickte SEIN Motiv. „Ich war total fasziniert von den Steingruppen, auf denen das Kloster am Odilienberg errichtet wurde.“ Ab diesem Moment begann er Felsmotive zu suchen und in seinen Werken zu verarbeiten. „Ich habe bei Hollegha auf die Farbe verzichtet und zwei Jahre ausschließlich mit dem Grafitstift gearbeitet, mich auf lineare Kompositionen spezialisiert und genau das – diese Risse, Spalten und Kanten – hab ich in den Felsen gefunden. Ich bin einfach fasziniert von Steinen, auch heute noch, aber nach über 10 Jahren habe ich mir dann ein Ende der Steinzeit verordnet und mir ab diesem Zeitpunkt quasi alles erlaubt, was ich mir bis dahin verboten hatte.“ Nach einer Australienreise 1996 begann eine Vertiefung und Konzentration auf eine neue Art der Malerei. Viele Projekte, wie etwa die Tafelbilder oder die Tiercollagen, an denen er auch heute noch arbeitet, gehen auf diese Zeit zurück.

Ausstellungstrilogie

Anlässlich seines 60. Geburtstags steht nun eine Ausstellungs-Trilogie bevor. Diese besteht aus drei voneinander völlig unterschiedlich konzipierten Ausstellungen in Graz, Weiz und Gleisdorf. Der Katalog, der die drei Ausstellungen begleitet, widmet sich den Jahren 1985 – 2015 und bildet einen breiten Querschnitt über das vielfältige Schaffen bis zu den Aktionen im öffentlichen Raum ab. Anlässlich der Ausstellungs-TRILOGIE erscheint auch ein umfangreicher Katalog mit dem Titel „Rough guide to 30 years of artwork“, in welchem Köstenbauers vielfältige Stationen der letzten 30 Jahre nachgezeichnet werden.

Parallel zur Ausstellungs-Trilogie erscheint ein umfangreicher Katalog.
Parallel zur Ausstellungs-Trilogie erscheint ein umfangreicher Katalog.

Die Hofgalerie im Steiermarkhof zeigt einen Querschnitt durch Köstenbauers aktuelle Malerei. In erster Linie Ölbilder auf Leinen und Karton, die erstmals in Graz gezeigt werden. Trotz hohem Abstraktionsgrad lassen die Arbeiten die intensive Auseinandersetzung mit Stein und Fels erahnen, die seine frühen Schaffensphasen geprägt hat.

„Nachhall der Steine“ / Vernissage 31.3., 19.30 Uhr / Ausstellungsdauer: 1.4. – 28.4.

 

Das Kunsthaus Weiz bietet einen retrospektiven Blick auf die Veränderungen während der letzten zweieinhalb Jahrzehnte. Der Bogen spannt sich von den Steinbildern der 90er-Jahre über verschiedene Werkgruppen und Projektdokumentationen aus den letzten 15 Jahren bis hin zum aktuellen Schaffen.

„retro.spektiv“/ Vernissage 1.4., 19.30 Uhr / Ausstellungsdauer: 2.4. – 23.4.

 

Im MiR – Museum im Rathaus in Gleisdorf sind bislang noch nie gezeigte Arbeiten zu sehen, die eine konsequente Fortsetzung des Langzeitprojekts „Errettung des Tafelbildes“ darstellen. Historische Lithographien werden dabei hauptsächlich in Collage-Technik sorgsam überarbeitet, wodurch neue, oft sehr humorige Bildinhalte entstehen.

„Profane Animalismen und andere Viechereien“ / Vernissage 8.4., 19.30 Uhr / Ausstellungsdauer: 9.4. – 1.5.

 

Walter Köstenbauer, geboren in Weiz, studierte 1974−1979 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Wolfgang Hollegha. Er lebt und arbeitet seit 1981 in Graz. In zahlreichen Ausstellungen wurden seine Arbeiten in Österreich, Italien, Slowenien, Serbien und in den USA gezeigt. Neben Malerei und Grafik finden sich im Werk des Künstlers engagierte Projekte, Konzepte und Aktionen im öffentlichen Raum. Diese unterschiedlichen Handlungsebenen machen es einem schwer, den Künstler einzuordnen, was durchaus seiner Intention entspricht. Zitat Köstenbauer: „Das Zusammenführen von Gegensätzen ergibt das große Gemeinsame.“

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