KUG: Faszination Carmina Burana

    KUG: Faszination Carmina Burana

    Franz Jochum

    Lebendig, prall, humorvoll, sinnlich, bildstark und archaisch: Carl Orffs berühmtestes Werk ist ein besonderes Erlebnis – für Ausführende wie Zuhörende. Am 27. April wird es der Chor der Kunstuniversität Graz in 150 Mann/Frau starker Besetzung gemeinsam mit dem großen Orchester zum Besten geben. Wir sprachen mit Chorleiter Franz Jochum.

    Welcher der KUG-Chöre wird bei Carmina Burana zu hören sein?

    Wir bieten an der Kunstuniversität ein sehr breites Chor-Spektrum an: wir führen den Kammerchor, den Studiochor, den Chor der Musikpädagogik, den Chor der Kirchenmusik und eben auch den „Chor der Kunstuniversität Graz“, der nun bei Carmina Burana mitwirkt.

    Was ist das Besondere an diesem Chor?

    Es ist ein sehr international besetzter Chor mit meist ca. 30 vertretenen Nationen, der quasi jedes Semester neu gegründet wird, weil es sich um eine Pflichtlehrveranstaltung für Instrumental-, Dirigier- und Gesangsstudierende handelt. Damit wechselt zumindest jedes zweite Semester die Besetzung komplett. Der Chor ist mit etwa 150 SängerInnen sehr groß besetzt. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass viele Studierende ihn nicht nur als „Pflichtchor“ sehen, sondern letztendlich animiert werden können, Spaß am Chorgesang zu finden – und manche SängerInnen bleiben uns sogar über weitere Semester treu.

    Wie schwierig ist es für einen Chorleiter, jedes Jahr aufs Neue mit „Laien“ zu arbeiten?

    DSC_0697 (Medium)Das ist sicherlich eine der schwierigsten Aufgaben eines Chorleiters, da man sich immer wieder von Neuem selbst motivieren muss, diese Aufbauarbeit zu leisten. Zudem gibt es gerade in diesem Chor ganz unterschiedliche Leistungsniveaus: Von den bestens ausgebildeten Gesangs-studierenden bis zu InstrumentalistInnen, die eventuell noch nie in einem Chor gesungen haben. Dies Zusammenzuführen ist eigentlich mehr eine pädagogische denn eine rein künstlerische Aufgabe. Übrigens mag ich mehr das Wort „Amateurchor“ als „Laienchor“ – denn im Wort „Amateur“ steckt das lateinische „amare“ – „lieben“: ein „Amateur“ ist also jemand, der etwas tut, das er liebt …

    Nun steht im Stefaniensaal das große Carmina Burana Konzert an. Ein Highlight in der Geschichte des KUG-Chors?

    Absolut! Wir haben natürlich immer wechselnde Programme, aber es war letzt-endlich auch mein Wunsch, dieses Groß-projekt zu realisieren. Carmina ist ein überaus attraktives Chorstück und es haben sich wohl aus diesem Grund in diesem Semester besonders viele Studierende angemeldet. Wir haben die Einstudierung auf zwei Semester ausgedehnt, um uns optimal auf dieses Konzert vorzubereiten. Schließlich stehen auch viele Proben mit dem großen Orchester an.

    Was macht dieses Stück so schwierig und doch so attraktiv?

    Die Schwierigkeiten sind vor allem technischer Natur. Es kommen sehr viele anspruchsvolle Stellen darin vor: Hohe, starke und nicht in klassischer sängerischer Linie, sondern fast instrumental zu singende Stellen – und das ist die Schwierigkeit gerade für AmateursängerInnen. Auf der anderen Seite ist das Stück für den Chor unglaublich faszinierend, da es so viele unterschiedliche und sehr bekannte Nummern in sich birgt. Der Eingangschor „O Fortuna“ strahlt eine fast schon archaische Kraft aus – nicht umsonst hat ein deutscher Boxweltmeister diese Nummer als Auftrittsmusik gewählt …

    NMS_4994 (Medium)Wie viele Sänger benötigt man dafür?

    Carl Orff hat zwei Fassungen autorisiert: Die große Orchesterfassung, die wir mit riesigem Orchesterapparat im Stefaniensaal unter dem holländischen Dirigenten Ed Spanjaard aufführen – und für die man auch einen sehr großen Chor benötigt, um dem Orchester gegenhalten zu können. Die Version für zwei Klaviere und Schlagwerk gibt auch Amateurchören mit kleinerer Besetzung die Möglichkeit, das Stück aufzuführen.

    Wie oft „müssen“ Sie mit untalentierten Sängern arbeiten?

    Untalentiert ist wohl das falsche Wort, da es sich in diesem Chor ja um MusikerInnen handelt. Problematisch ist es eher, wenn jemand seiner „Chorpflicht“ nachkommt, nicht will und blockiert. Dieses Sich-Sperren in der Probenarbeit ist schon ein Problem. Aber auch dafür findet sich meist eine Lösung – das ist eben die pädagogische Herausforderung an mich …

    Ist der Chor, der nun Carmina Burana aufführt, einer der Spitzenjahrgänge?

    Es ist natürlich immer wieder spannend, am Beginn eines Semesters zu sehen, mit welchen SängerInnen man arbeiten wird. Man plant solche großen Konzerte ja weit voraus, ohne zu wissen, mit welchem „Instrument“ das Projekt letztlich durchgeführt werden kann. Es ist dann schon eine Frage des Glücks, welche Studierenden sich in dem jeweiligen Semester anmelden. Wobei wir wieder bei Carmina wären: „O Fortuna“ – das Rad des Glücks – mal ist man oben und dann wieder ganz unten … Aber der aktuelle Jahrgang ist glücklicherweise ein „Grand Cru“ mit viel Potenzial, der am 27. April hoffentlich sein volles Aroma entfaltet und einen langen Abgang hat.

    Wie wurden die Solisten ausgewählt?

    Wir haben drei SolistInnen bei diesem Werk, für deren Besetzung es ein Vorsingen am Gesangsinstitut der Kunstuniversität gab.

    Was wird das nächste Projekt?

    Die Planung für das nächste Jahr ist noch nicht abgeschlossen – schön wäre es natürlich, wenn wir Carmina Burana nochmals, zum Beispiel anlässlich eines Benefizkonzerts, in der „kleinen Version“ aufführen könnten: Vielleicht ergibt sich ja eine geeignete Möglichkeit …

    Carmina Burana (lateinisch für Lieder aus Benediktbeuern) ist der Titel einer szenischen Kantate, die vom deutschen Komponisten Carl Orff (1895–1982) in den Jahren 1935–36 vertont wurde. Zur Entstehungszeit von Orffs Werk war noch kaum eine der originalen mittelalterlichen Melodien rekonstruiert, so gestaltete er die Musik nach bereits bekannten Stilmerkmalen des Mittelalters. Die Texte in mittellateinischer und mittelhochdeutscher Sprache sind den Carmina Burana entnommen, einer Sammlung von im 11. und 12. Jahrhundert entstandenen Lied- und Dramentexten.

    Carmina Burana

    Orchester der KUG & KUG-Chor / (Einstudierung: Franz Jochum), Dirigent: Ed Spanjaard

    Mittwoch, 27. April, 19.30 Uhr, Stefaniensaal Graz

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