Dramatiker*innenfestival in Graz

Dramatiker*innenfestival in Graz

Szene aus "Coltan Fieber" Foto: Nicholas Meisel

Anfang Juni lädt ein besonderes Festival an unterschiedliche Orte der Stadt. Im Rahmen der zwei Programmlinien „Grenzgänge“ und „Interpretationssache16“ treffen sich DramatikerInnen aus unterschiedlichen Welten und sind Sprachrohr für die brennenden Fragen der Gegenwart, das in vielfältigen Idiomen und Sprachen klingt.

AutorInnen, internationale Gastspiele, Arbeitsateliers, performative Installationen, szenische Lesungen, Publikumsgespräche und vieles mehr – all das bringt das erste Dramatiker*innenfestival vom 2. bis 5. Juni in die „heimliche Literaturhauptstadt“ Graz. Veranstaltet von SCHAUSPIELHAUS GRAZ und DRAMA FORUM von uniT mit Unterstützung des Deutschen Literaturfonds e. V. treffen sich im Rahmen der zwei Programmlinien „Grenzgänge“ (Schauspielhaus Graz) und „Interpretationssache16“ (uniT) DramatikerInnen an den unterschiedlichsten Orten der Stadt und bieten dem Publikum einzigartige Möglichkeiten, ihnen und ihren Texten zu begegnen.

mitter-maeder-draxl-Projektleiterin von uniT Bettina Mitter, Schauspielhaus Graz-Chefdramaturgin Karla Mäder, Künstlerische Leiterin Edith Draxl, Schauspielhaus Graz-Intendantin Iris Laufenberg, Peter Faßhuber vom Theaterland Steiermark und Dramaturgie-Assistentin Jennifer Weiss vom Schauspielhaus Graz. Foto: Lupi Spuma
mitter-maeder-draxl-Projektleiterin von uniT Bettina Mitter, Schauspielhaus Graz-Chefdramaturgin Karla Mäder, Künstlerische Leiterin Edith Draxl, Schauspielhaus Graz-Intendantin Iris Laufenberg, Peter Faßhuber vom Theaterland Steiermark und Dramaturgie-Assistentin Jennifer Weiss vom Schauspielhaus Graz. Foto: Lupi Spuma

Grenzgänge

Mit dem Titel „Grenzgänge“ spannt das Schauspielhaus Graz nicht nur einen Bogen über die gesamte Spielzeit, sondern blickt neben dem großen politischen Themenfeld, das mit diesem Begriff assoziiert werden kann, auch auf die individuellen Grenzen im Zusammenleben. Gezeigt werden im Rahmen des Festivals erfolgreiche Inszenierungen u. a. von Henriette Dushe, Ferdinand Schmalz, Kurzstücke aus dem Eröffnungsparcours und das Ergebnis eines Schreibworkshops des syrischen Dramatikers Mudar Alhaggi mit Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan und Graz. Außerdem bringt man Gastspiele wie „The Spectator Sentenced to Death“, „Killed by Friendly Fire“ aus Rumänien und „Coltan-Fieber“ aus dem Kongo und aus Deutschland ebenso nach Graz, wie das dokumentarische Theaterprojekt „Jeder … Niemand / Graz und die Menschenrechte“ von Clemens Bechtel, das im öffentlichen Raum und im Oberlandesgericht und Landesgericht für Zivilrechtssachen die Grenzen von Menschenrechten thematisiert. Begleitet wird das Programm von Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Gesprächen mit KünstlerInnen.

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Interpretationssache16

Die zweite Programmschiene macht zeitgenössische, dramatische Texte hörbar, sichtbar und erfahrbar – eine Aufgabe, der sich die Autor*innenförderung des DRAMA FORUM von uniT verschrieben hat. AutorInnen sind das Sprachrohr der Kunst, das in vielfältigen Idiomen und Sprachen klingt. Auch in der kleinen Gruppe FORUM Text, dem Förderprogramm für szenisches Schreiben, finden sich stellvertretend für die Wirklichkeit DramatikerInnen aus verschiedenen sprachlichen und gesellschaftlichen Kontexten. Sie wandern zwischen den Klängen, zwischen dem Deutschen und einem afrikanischen Französisch, denken in Farsi oder suchen Laute im Tschechischen. Sie beschäftigen sich mit dem Urösterreichischen oder loten die Grenzen des sächsischen Dialekts aus …

Intendantin Iris Laufenberg:

Iris Laufenberg, Intendantin Schauspielhaus Graz Foto: Lupi Spuma
Iris Laufenberg, Intendantin Schauspielhaus Graz
Foto: Lupi Spuma

Mit ‚Grenzgänge‘ spannt das Schauspielhaus Graz nicht nur einen Bogen über die gesamte Spielzeit, sondern bezieht sich auch auf politische und individuelle Grenzen im Zusammenleben. Wir zeigen die Stimmen der kommenden Generationen durch zeitgenössische DramatikerInnen und internationale Gastspiele auf.

 

Gastspiele

The Spectator Sentenced to Death

The Spactator Sentenced to Death Foto: Nico Cherciu
The Spactator Sentenced to Death
Foto: Nico Cherciu

Matéï Visniec schrieb das Stück „Todesurteil für den Zuschauer“ in Rumänien unter dem Regime Nicolae Ceausescus. Eine bittere Parabel auf einen totalitären Staat, in dem ein Unschuldiger falscher Verbrechen bezichtigt wird und sich daraufhin von der Todesstrafe bedroht sieht, ist in deutscher Sprache noch nicht aufgeführt worden und kommt in einer Inszenierung des Nationaltheaters Cluj-Napoca ins HAUS ZWEI. In rumänischer Sprache mit englischen Übertiteln.

Donnerstag, 2. Juni, 19 Uhr, HAUS ZWEI

Killed by Friendly Fire

„Friendly fire“ ist der militärische Begriff für den irrtümlichen Beschuss eigener oder befreundeter Truppen. Ähnlich geht es derzeit in Rumänien zu, wo quasi „aus Versehen“ wertvoller Besitz veräußert wird. „Killed by Friendly Fire“, von Stefana und Ioan Pop-Curseu ist eine Independent-Produktion und erzählt die Geschichte eines Handwerkers, der zu seiner Familie zurückkehrt und seinen Platz in einer instabilen, jedoch wirtschaftlich wachsenden Gesellschaft sucht und dabei manch fatale Fehlentscheidung trifft. In rumänischer Sprache mit englischen Übertiteln.

Freitag, 3. Juni, 17 und 20.30 Uhr, HAUS DREI

Coltan-Fieber

Coltan Fieber Foto: Nicholas Meisel
Coltan Fieber
Foto: Nicholas Meisel

Das internationale Theaterprojekt, das Jan-Christoph Gockel mit vier Schauspielern aus Deutschland, Belgien, dem Kongo und Haiti entwickelte und dort bei einem Theaterfestival uraufführte, streift die Geschichte der Ausbeutung von Ressourcen im Kongo. Aktuelle Geschichten von Kinder- und Minenarbeit kreisen um das Erz Coltan, das in jedem uns vertrauten elektronischen Gerät steckt. Erschreckende Tatsachen werden in Improvisationen aus biografischen Erfahrungen und spielerischem Rollentausch mit Puppenspiel aufgedeckt.

Samstag, 4. Juni, 17 und 20 Uhr, HAUS ZWEI

 

Premiere

Jeder … Niemand / Graz und die Menschenrechte

Zum Anlass des 15-jährigen Jubiläums von Graz als erster europäischer Menschenrechtsstadt überprüft der Regisseur Clemens Bechtel für das Schauspielhaus den Titel „Stadt der Menschenrechte“ und seine Bedeutung in der Praxis anhand von drei Fallbeispielen, die spielerisch innerhalb eines Parcours im Gerichtsgebäude umgesetzt werden.

PREMIERE am Freitag, 3. Juni, 18.30 Uhr, Treffpunkt im Schauspielhaus Graz / Szenischer Parcours im Oberlandesgericht und Landesgericht für Zivilrechtssachen

Monolith – Ein begehbarer Ausstellungscontainer

Die Geschichten aus dem szenischen Parcours von „Jeder … Niemand / Graz und die Menschenrechte“ fließen hier in die Form einer Installation auf einem öffentlichen Platz ein. Der Monolith soll zwei Wochen lang als Störobjekt in der Innenstadt Graz für Aufmerksamkeit sorgen. An vier Terminen im Juni finden öffentliche Podiumsgespräche mit ExpertInnen zum Thema Menschenrechte statt.

ERÖFFNUNG am Freitag, 3. Juni, 14 Uhr, KAPISTRAN PIELLER PLATZ, geöffnet von 3. bis 16. Juni, jeweils 10 bis 18 Uhr

 

Gespräch

Die Hoffnung ist keine Lüge

Mudar Alhaggi
Mudar Alhaggi

Der syrische Dramatiker und Dramaturg Mudar Alhaggi lebt seit einem Dreivierteljahr in Berlin. Wiewohl auch zuvor schon oft zu Gast in Europa, ist er nun mit einer ganz neuen Lebenssituation konfrontiert, einer neuen Sprache und Kultur, die er sich aneignen soll. In einem Gespräch mit dem Schweizer Dramaturgen und Regisseur Erik Altorfer, mit dem ihn seit Jahren eine Arbeitsfreundschaft verbindet, spricht er über seine aktuelle Danton-Lektüre vor der Folie der jüngsten Ereignisse in seinem Heimatland und schildert, was ihn aktuell bewegt und umtreibt. In englischer sowie arabischer Sprache mit deutscher Übersetzung.

Samstag, 4. Juni, 13 Uhr, SALON, 1. Rang, Eintritt frei

 

Dramatiker*innenfestival von 2.–5. Juni 2016

Vorstellungen, Performative Installationen, Szenische Lesungen und Gastspiele

Eröffnung am 2. Juni, 17 Uhr – SALON, 1. RANG im Schauspielhaus

Abschlussmatinee am 5. Juni, 12 Uhr – SALON, 1. RANG im Schauspielhaus

Spielorte: Schauspielhaus Graz, Interpretationszentrum Leonhardstraße 71 (aufgelassene Hafnerei), Theater am Lend, Oberlandesgericht und Landesgericht für Zivilrechtssachen, an den Grazer Universitäten und im öffentlichen Raum.

 

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