TiK: Die Kellerkinder sind los!

TiK: Die Kellerkinder sind los!

Am 15. Juni feiert man am TiK die Premiere der neuesten Kellerkinder-Produktion „SUBWAY 35“. An insgesamt sechs Spieltagen kann man sich von den Fähigkeiten der jungen Schauspieltalente überzeugen, die mit ihrem Stück ein authentisches Jugendportrait geschaffen haben, das mit seinem breiten Themenspektrum besticht.

„Wer im Glashaus sitzt, sollte sich besser im Dunkeln anziehen“

Sie treffen sich in der Unterführung SUBWAY 35. Immer wieder. Die Ökoaktivistin, der Möchtegern-Schauspieler und allerhand andere bunte Gestalten. Alle haben unterschiedliche Ansichten über die Welt und Aussichten für ihr Leben. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Jeder brennt für seine Träume und ist bereit, sie zu verteidigen. Wenn es das eigene Begehren verlangt, kann dabei schon einmal aggressiv um eine Position gekämpft werden. Daneben wird aber auch herzhaft gelacht oder innig geliebt. Alles darf sein. Denn es gehört zum Leben. Zum eigenen und dem in einer Gemeinschaft. Einer Gemeinschaft, in der unterschiedliche Ansichten aufeinanderprallen dürfen und in der das Miteinander genau deshalb einen Unterschied macht. Denn bei allem Unverständnis dem anderen gegenüber wird eines nie aufgegeben: das Gegenüber verstehen zu wollen. Ein Aspekt, der nicht nur gesellschaftlich immer zentraler wird, sondern sich auch im Miteinander der Kellerkinder spiegelt. Denn auch die jungen Schauspieltalente aus Afghanistan, Italien, Österreich und dem Sudan scheuen sich nicht davor, für ihre Ansichten einzutreten. Sie diskutieren, weil sie nicht blind tolerieren wollen, und erleben damit in einem kleinen Kreis, was eine mündige Gesellschaft ausmacht: Viele persönliche Meinungen, die sich dadurch bilden, dass man sich mit anderen auseinandersetzt.

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 „I have a dream“

Daneben regt SUBWAY 35 aber noch zu einem anderen Gedanken an: „Ich habe einen Traum“ hat Martin Luther King einmal gesagt. Genauer, im Rahmen seiner Rede zum Marsch auf Washington am 28. August 1963. Die Massendemonstration für ein Ende der Rassendiskriminierung ging in die Geschichte ein. Das Eingangszitat von Kings Rede wirkt dagegen bis heute fort. „Ich habe einen Traum“. Ein Satz, dessen Wirkmacht nicht in seiner Einzigartigkeit besteht, sondern gerade darin, dass es keinen gibt, der sich nicht damit identifizieren kann. Jeder Mensch hat Träume. Oder braucht sie. Denn sie verändern die Welt. Ob im Kleinen oder in Kings Größenordnung ist unerheblich. Wichtig ist nur, dass man niemals aufhört zu träumen. Denn wahr werden kann nur, was man denken kann. Etwas, was aus dunkler Stille kommt und langsam ans Licht drängt. Dabei ist das Träumen keine Frage des Alters. Auch wenn es gerne der Jugend zugeschrieben wird. „Als ich jung war, hatte ich noch Träume, aber dann …“ Jugend lässt sich nicht an Zahlen festmachen oder an Erinnerungen. Jugend ist ein Gefühl, das Auftrieb verleiht. Nach vorne gerichtet. Augen zu und durch. Wenn es weh tut, dann muss man es das nächste Mal eben anders machen. Aber aufgeben ist keine Option. Das Leben ist ein Experimentierfeld. Genauso wie die TiK-Bühne eine Spielwiese für junge Schauspieltalente ist, die in SUBWAY 35 zeigen, was möglich wird, wenn man sich traut.

Wer sind die Kellerkinder?

Seit 2006 gibt das TiK Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren die Möglichkeit, ihr schauspielerisches Talent zu entdecken und sich am Theater auszuprobieren. Den Initiatoren geht es dabei nicht darum, die besten Jungschauspieler des Landes zu „casten“, sondern aufzuzeigen, welches darstellerische Potenzial in jungen, interessierten Menschen steckt. Es gibt keine Talentprobe im eigentlichen Sinne, bei der sich die Jugendlichen behaupten müssen. Ihre Talentprobe ist die Bühne! Die Leiterin des Projektes ist Eva Weutz, die seit 25 Jahren als Schauspielerin, Regisseurin und – im Falle der Kellerkinder – auch als Textbuchautorin tätig ist. Ihr Ziel ist es, die Jugendlichen dabei zu unterstützen, an ihrem schauspielerischen Können zu feilen und sie durch alle Höhen und Tiefen eines Inszenierungsprozesses zu begleiten.

 

Vorstellungen: 15.,16., 21.,22., 23., und 24. Juni 2016

TiK – Theater im Keller

Münzgrabenstraße 35, 8010 Graz; www.tik-graz.at

Text: Barabra Jernej

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