Start Kunst & Kultur Al Di Meola an der KUG: Surrounded by sound

Al Di Meola an der KUG: Surrounded by sound

Al Di Meola im MUMUTH Foto: Alexander Wenzel

ForscherInnen des Instituts für Elektronische Musik und Akustik der Kunstuniversität Graz setzen neue Maßstäbe in der Technologie „Ambisonics“. Ausnahmegitarrist Al Di Meola trat nun im MUMUTH den Beweis an, dass diese Technologie auch im feinsten und virtuosesten Segment der Musik bestehen kann und klanglich besticht.

Häuslichen Genießern von gutem Klang und Kino-Besuchern ist die Surround-Sound Technologie (5.1) längst wohlbekannt. Sie schenkt dem Klangerlebnis Umhüllung und dadurch zusätzliche Lebendigkeit. Echte Kenner hören aber deutlich, dass der Surround-Sound andere, wichtige Bestandteile eines natürlichen Raumklanges noch großzügig ausspart. Anders die 3D-Audio-Beschallungstechnik. In der Entwicklung dieses neuen Sounds sind Europäische Hochschulen – allen voran die Grazer Kunstuniversität – schon seit Jahren sehr weit voran. Mit der „Ambisonics“-Technologie ist es nun möglich, mittels rund um das Publikum positionierter Lautsprecher, viel tiefer in das Klangfeld vorzudringen und etwa Background-Instrumente deutlicher von den Solostimmen zu unterscheiden. Das Institut für Elektronische Musik und Akustik an der KUG unter der Leitung von DI Dr. Alois Sontacchi zeigte nun mit Weltklassegitarrist Al Di Meola in einem wahrlich außergewöhnlichen Konzertereignis, dass die Technologie bereits weit fortgeschritten ist und es nur mehr kleine Schritte sind, um sie auch in die Wohnzimmer soundaffiner Menschen zu bringen. „Wir versuchen hier zu zeigen, dass es machbar ist, sich mit dieser Technologie am End-User und nicht an der Venue – also dem Veranstaltungsort – zu orientieren“, so Sontacchi. „Musik ist immer schon ein bisschen für den Ort, an dem sie stattfinden soll, komponiert worden, aber wir wollen davon weggehen und den Hörer in das Zentrum stellen und ihm die Möglichkeit geben, wo immer er will und in absoluter Top-Qualität Audio hören zu können und dabei die 3D-Information im Schallfeld bestmöglich zu nutzen. Mit ,Ambisonics’ gelingt es nun, Raumeindrücke wesentlich umfangreicher und vollständiger zu rekonstruieren“, so Sontacchi, der seit dem Jahr 2000 an dieser Technologie forscht.

Alois Sontacchi und Al Di Meola. Foto: Wenzel
Alois Sontacchi und Al Di Meola.
Foto: Wenzel

3D-Audio-Sound an der KUG

Um die Wissenschaft auf die Probe zu stellen kooperiert die KUG mit dem High-End-Produzenten Sennheiser. Doch auch die beste Technik ist nichts ohne den Künstler, der sie nutzt. Im Zuge eines speziellen Konzerts trat man nun den Beweis an, dass diese Technologie auch im feinsten und virtuosesten Segment der Musik bestehen kann und klanglich besticht. Hierfür lud man den Gitarren-Virtuosen und Weltstar Al Di Meola in das Grazer MUMUTH, mit dem erklärten Ziel, in der komplexen Musik von Di Meola auch in einem großen Saal Solostimme von Begleitstimme deutlicher und leichter getrennt voneinander hörbar zu machen. „Diese Technologie eröffnet völlig neue Möglichkeiten und ich bin begeistert über den Klang, den die Techniker hier ermöglichen. Normalerweise stehen wir Musiker auf der Bühne und können nur hoffen, dass der Klang, wie wir ihn uns vorstellen, beim Publikum ankommt. Aber hier sind wir mittendrin im Klangerlebnis und es hört sich fantastisch an!“ zeigte sich Di Meola begeistert.

Ein Klangerlebnis der Sonderklasse

Für dieses einzigartige Konzert setzten die Veranstalter – Sennheiser und die Kunstuniversität Graz – 29 Lautsprecher rund um und über dem Publikum ein, über die sie dem Klanggeschehen Räumlichkeit hinzufügten. 200 weltweit geladene Gäste durften sich im Györgi-Ligeti-Saal im MUMUTH diesem Klangerlebnis hingeben, weitere begeisterte HörerInnen lauschten der Video- und 3D-Audio-Übertragung im Theater im Palais, denn die „Ambisonics“-Technologie erlaubt auch eine Übertragung des Sounds ohne Qualitätsverlust. Neben den weniger deutlichen Klangeffekten wie effektvollem, langem Nachhall oder frei in der Richtung positionierbaren Instrumentalklängen, sind die Veranstalter besonders stolz auf klanglich unauffällige und natürlich wirkende Effekte.

20160720-DSCF0017_Foto_Alexander_Wenzel (Medium)Neben den geschulten ZuhörerInnen der Branche, die eine Veränderung in der räumlichen Aufstellung der MusikerInnen empfanden, wurde der Einsatz der neuen Technik auch von jenen Menschen im Publikum geschätzt, die ganz einfach nur ein intensiveres musikalisches Erlebnis suchten, indem die Musik besser wahrnehmbar wurde. „Das Besondere ist, dass wir versuchen, diese örtlichen, zeitlichen und spektralen Muster, die im Raum passieren, richtig aufzunehmen und auch richtig wiederzugeben. Die Wissenschaft hilft hier der Technik, um die Klangqualität zu optimieren. Das Ohr ist ein unglaubliches Organ, hat aber Millionen Jahre Evolutionsarbeit hinter sich. Mikrofone gibt es erst seit hundert Jahren. Wir versuchen ganz einfach, die Technik im Rahmen der physikalischen Grenzen weiterzuentwickeln und dem Hörer ein unvergleichliches Klangerlebnis zu eröffnen“, so Alois Sontacchi.

Wir versuchen ganz einfach, die Technik im Rahmen der physikalischen Grenzen weiterzuentwickeln und dem Hörer ein unvergleichliches Klangerlebnis zu eröffnen“, so Alois Sontacchi.
Wir versuchen ganz einfach, die Technik im Rahmen der physikalischen Grenzen weiterzuentwickeln und dem Hörer ein unvergleichliches Klangerlebnis zu eröffnen“, so Alois Sontacchi.

 

Al Di Meola im Interview

Ihr Gitarrenspiel ist bekannt für seinen klaren, sauberen Ton. Wie wichtig ist der richtige Sound bei dem hohen Level, auf dem Sie spielen?

Am Anfang war Sound für mich alles. Mit fortschreitendem Alter erkennt man aber, dass Sound ganz einfach in deiner Hand liegt. Je nachdem, wie du spielst. In anderen Worten – du kannst zwei Musikern den exakt selben Sound aus der gleichen Quelle zur Verfügung stellen, aber sie werden sich anders anhören. Je nachdem, mit welcher Intensität, wie sensibel sie spielen. Um ihre Frage zu beantworten: Der Sound ist dennoch sehr wichtig, er wird immer unglaublich wichtig sein!

Muss man bei Live-Konzerten große Abstriche machen?

Wenn ich live spiele, möchte ich meinen Sound überall im Raum hören, nicht nur aus einer kleinen, vor mir stehenden Box. Das ist bei Live-Konzerten oft schrecklich für mich, denn ich kann nicht dasselbe hören wie das Publikum. In dieser Situation hingegen, wie ich sie im MUMUTH vorfinde, kann ich genau dasselbe hören wie das Publikum. Das ist sehr außergewöhnlich und großartig. Das ist ein tolles Sound-Experiment.

P1060864 (Medium)Diese neue Technologie wird es ermöglichen, ein Konzert in 3D-Qualität an jeden Ort der Welt zu liefern. Glauben Sie, dass eine „echte“ Live-Erfahrung bald überflüssig wird?

Das glaube ich nicht, nein. Ein Live-Konzert, dass man sich mit diesem großartigen, neuen Sound zu Hause anhört, wird nun sicherlich besser erfahrbar sein und man muss jetzt nicht mehr zwangsläufig etwa nach San Francisco, um „The Who“ dort spielen zu sehen, weil sie auch in einer verblüffenden Qualität mit dem richtigen Equipment zu Hause genossen werden können. Aber eine echte Live-Experience wird es nicht ersetzen. Da spielen auch noch andere Faktoren mit.

Sie haben mit dem originalen Beatles-Equipment in den Abbey Road Studios aufgenommen. Nun spielen Sie hier mit der „Ambisonics“ Technologie. Ein Meilenstein?

Viele Musiker mögen noch immer die analoge Aufnahme, auch wenn die digitalen Möglichkeiten immer besser werden. Ich bin ein großer Freund neuer Technologien, und meine Arbeit in den Abbey Road Studios hatte andere Beweggründe. Ich wollte ganz einfach mit denselben Mitteln arbeiten, mit denen es die Beatles taten. Die 4-Spur- oder 8-Spur-Aufnahmen sind einfach richtig groß und mächtig. Wenn das Cello einsetzt, dann hört sich das unglaublich an. Das digital zu machen wäre einfach eine andere Erfahrung gewesen. Das hier ist etwas ganz anderes. Das ist die Zukunft.

P1060897 (Medium)Welche Musik läuft bei Ihnen im Auto?

Die Beatles. Ob zu Hause oder im Auto – momentan immer die Beatles. Ich gehe gerade irgendwie zurück zu dem, was ich immer schon mochte. Was mir ein gutes Gefühl gab und was mich zurück bringt zu meinen Jugendtagen. Ich habe davon einfach nichts verloren und diese Musik gibt mir immer noch sehr viel. Ich höre auch viele Outtakes von Kompositionen der Beatles, um die Entwicklung der Songs zu verfolgen. Die Produktion von vielen der Alben wie „Sgt. Pepper’s“ oder „Magical Mystery Tour“ waren sehr einflussreich für mich und meine Arbeit. Sonst höre ich viel von der Musik, an der ich gerade arbeite, um sie zu verbessern.

Sie sind einer der schnellsten Gitarristen. Sind ihre Finger eigentlich versichert?

(lacht) Nein, nicht versichert, aber vielleicht sollten sie das wirklich sein …

Sie sind gerade 62 Jahre alt geworden – was man Ihnen keineswegs ansieht. Haben Sie den „Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll“-Lifestyle ausgelassen oder hat er einfach keine Spuren hinterlassen?

(lacht) Ich hab einfach nie geraucht, sagen wir mal so. Nein, ernsthaft, ich habe nie die wirklich harten Drogen genommen. Und ich habe eine junge Frau, das hilft sicherlich auch. Aber hätte ich viel geraucht oder harte Drogen genommen, hätte das meinen Körper sicher ermüdet. Ich denke, man altert viel schneller, wenn man so etwas tut. Ich habe also ganz gut auf mich aufgepasst. Ich versuche auch, mich im Schlaf zu regenerieren, nehme hierfür Melatonin (ein aus Serotonin produziertes Hormon; Anm. d. Red.) und habe auch eine Geheimwaffe zum Relaxen. Aber die verrate ich nicht. Bei mir funktioniert sie jedenfalls.

Sie haben italienische Wurzeln. Haben Sie noch Bezug zu Europa?

Sehr großen sogar. Ich habe kürzlich eine Münchnerin geheiratet und wir haben seit Jänner eine gemeinsame Tochter. Wir kommen zwar gerade aus New Jersey, wo ich neben Miami ein Haus habe, aber wenn ich in Europa toure oder aufnehme, leben wir in München. Europa steht mir also sehr nahe …

20160719-DSC_7833_Foto_Alexander_Wenzel (Medium)Al Di Meola, 1954 in New Jersey geboren, ist ein italo-amerikanischer Fusion- und Jazz-Gitarrist, der zu den besten der Welt zählt. 1972 – mit nur 17 Jahren – spielte er im Quintett des Keyboarders Barry Miles. Zwei Jahre später wurde er vom Pianisten Chick Corea entdeckt und in dessen Musikgruppe „Return to Forever“ aufgenommen. Mit ihnen erhielt er 1975 den Grammy für die „beste Jazz-Performance einer Gruppe“. Vom renommierten Magazin „Guitar Player“ wurde er als „Best Jazz Guitarist“ und sein zweites Album als „Best Guitar LP“ ausgezeichnet. Damit war er der jüngste Gitarrist, der diese Auszeichnungen jemals bekam – insgesamt wurde ihm dieses Prädikat viermal verliehen. Guitar Player machte ihn auch dreimal zum „besten Akustik-Gitarristen“ und nahm ihn 1981 in seine „Gallery of Greats“ auf. 1981 hatte er einen Gastauftritt beim legendären Konzert von Frank Zappa im New Yorker „Ritz“. In den 1970er Jahren galt Di Meola auch als „schnellster Gitarrist der Welt“. Auf seinem aktuellen Album „Elysium“ bringt er sein Können auf den Punkt – und nimmt den Hörer mit in sein Gitarren-Paradies.