Othmar Ederer zum Thema Kultursponsoring: „Man muss den Künstlern Freiraum lassen“

    Othmar Ederer zum Thema Kultursponsoring: „Man muss den Künstlern Freiraum lassen“

    GRAWE Generaldirektor Dr. Othmar Ederer Foto: Stephan Friesinger

    Die Grazer Wechselseitige Versicherung trägt durch ihr Engagement maßgeblich zur kulturellen Vielfalt in der Steiermark bei. Ein Gespräch über Sponsoring, den Werbewert von Kultur und die Freiheit der Kunst.

    Die GRAWE engagiert sich massiv im Kultursponsoring. Wieso gerade auf diesem Gebiet?

    Wir sind Teil dieses Landes und haben seit unserer Gründung unser Agieren immer als ganzheitlich gesehen. Zwar sind wir als Schwerpunkt natürlich ein Versicherer, aber ein Versicherer lebt nicht isoliert in seinem Land. Deshalb ist es unser Verständnis, sich verantwortlich zu erklären – und hier ist Kultur ein ganz wesentlicher Teil unserer Gesellschaft. Wir setzen auf diesem Gebiet gezielt Aktivitäten mit Partnerschaften, die sich seit Jahrzehnten mit uns gemeinsam entwickeln – von der Styriarte über den Musikverein, Museen, wie dem Stift Admont und dem Grazer Kindermuseum FRida & freD, einzelnen Kunstprojekten oder auch der Diagonale, dem Festival für österreichischen Film.

    Nach welchen Kriterien wählen Sie die Partnerschaften aus, und müssen steirische Bezugspunkte vorliegen?

    Nein, das müssen sie nicht. Wir sind natürlich ein steirisches Unternehmen mit den Wurzeln in Graz und haben hier auch wirtschaftlich die stärkste Position. Daher ist die Aktivität in der Steiermark eine deutlich größere als in anderen Bundesländern oder in Ländern in Südosteuropa, in denen wir tätig sind. Wir haben aber auch in diesen Ländern ganz konsequent versucht, im Rahmen unserer Möglichkeiten Kultursponsoring zu betreiben, weil wir Kultur in den verschiedensten Ausprägungen als einen ganz wesentlichen Bestandteil unseres Lebens sehen. Kunst und Kultur sind aus meiner Sicht sehr gute Transporteure unserer Werte. Wichtig bei den Partnerschaften ist, dass die gesponserte Einrichtung oder das Kulturprojekt mit den Werten unseres Hauses konform geht. Es hätte wenig Sinn, wenn wir hier gegensätzliche Zugänge hätten. Was aber nicht heißt, dass sich die Dinge im Kulturbereich so abspielen müssen wie in einem Unternehmen – ganz im Gegenteil, denn es handelt sich um ganz unterschiedliche Aufgabenstellungen und dadurch auch ganz unterschiedliche Lösungswege, die beschritten werden.

    Foto: Stephan Friesinger
    Foto: Stephan Friesinger

    In Zeiten von schrumpfenden öffentlichen Kulturbudgets wird privates Sponsoring immer wichtiger. Sehen Sie die Politik in der Pflicht, mehr für Kunst & Kultur zu tun?

    Natürlich ist die Politik in der Pflicht, für Kunst und Kultur Aufgabenstellungen zu übernehmen. Der Staat hat ja aufgrund unseres Steuersystems klar die Hoheit über die Steuern und Gebühren, die er einnimmt. Diese muss er auch effizient verteilen – und da gehören Kunst und Kultur natürlich dazu. Die Kernfrage ist aber, wie der Bedarf gewichtet ist, denn der Bedarf ist meist höher als die vorhandenen Mittel. Die Aufgabe besteht darin, für eine faire und nachhaltige Zurverfügungstellung zu sorgen. Das ist sicher eine große Herausforderung und es geht auch nicht darum, alle mit der Gießkanne zu versorgen. Man wird sicher unterschiedliche Schwerpunkte setzen müssen, um damit den Kunstschaffenden oder den im Kulturbetrieb tätigen unter die Arme zu greifen. Die öffentliche Hand hat hier Aufgabenstellungen wahrzunehmen, sie muss aber letztlich auch verantworten, wofür sie die Mittel ausgibt. Der weise Politiker sollte sicherlich nicht nur nach opportunistischen Gesichtspunkten vergeben.

    Sehen Sie es als Gefahr für die Freiheit der Kunst, wenn in Zukunft vermehrt private Unternehmen fördern und Vorgaben an die Kunstschaffenden machen?

    Die Gefahr ist heute, glaube ich, so oder so gegeben, egal von wem das Geld kommt. Die Frage ist, wie geht der, der das Geld gibt, mit den Kulturschaffenden um. Da ist es sicherlich die kurzsichtigste Variante, wenn Unternehmen sich zu sehr einmengen in das, was der Kulturschaffende anbietet. Wenn man dem Künstler nicht seinen Freiraum lässt und er sich verbiegen muss, dann wird das auf Dauer auch keine gute Kooperation sein. Es ist opportunistisch, wenn Unternehmen Kunst missbrauchen wollen, und das wird auch als nicht stimmig erlebt werden. Das ist letztlich aber sowohl die Verantwortung des Künstlers als auch des Geldgebers.

    Foto: Stephan Friesinger
    Foto: Stephan Friesinger

    Wie viel Werbewert messen Sie dem Kultursponsoring bei?

    Wir sind als Grazer Wechselseitige natürlich verpflichtet, mit dem Geld, das wir einnehmen, sorgsam umzugehen. Wenn wir Sponsoring betreiben, dann sind wir unseren Kunden, unseren Mitgliedern und unseren Eigentümern verantwortlich. Insofern muss Sponsoring natürlich auch immer in einem gewissen ökonomischen Prozess verstanden werden. Das heißt, wir geben etwas aus und müssen dafür – ob kurz-, mittel- oder langfristig – auch eine entsprechende Gegenleistung erhalten und mit der Kunst in Verbindung gebracht werden. Wenn ich als Beispiel das Grazer Kindermuseum FRida & freD nehme, dann müssen wir von den Besuchern natürlich wahrgenommen werden, aber es ist uns genauso wichtig, dass Kinder schon früh mit dieser Form des Museums in Kontakt treten können. Die Kinder sollen das Museum genießen und die Eltern auch registrieren, dass es hier ein Versicherungsunternehmen gibt, das sich dieser Aufgabenstellung annimmt.

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