TiK feiert 65 Jahre Jubiläum: Elektra in neuem Gewand

TiK feiert 65 Jahre Jubiläum: Elektra in neuem Gewand

Im Rahmen der TiK-Reihe „Classics in the basement“ wird am 3. November 2016 die Premiere von Lilly Jäckls Stück „Elektra“ gefeiert, das den antiken Stoff aus weiblicher Sicht neu interpretiert.

Die antike Vorlage

Elektra liebt ihren Vater. Doch der muss in den Krieg ziehen und niemand weiß, ob er wiederkommt. Während sich die griechische Prinzessin im Stillen zu trösten versucht, macht sich ihre Mutter Klytaimnestra auf die Suche nach einem würdigen Ersatz für ihren Ehemann. Immerhin handelt es sich dabei um den König von Mykene. Aigisthos heißt der Auserwählte, in dessen starken Armen die Königin Zuflucht findet. Sehr zum Leidwesen ihrer Kinder, denn der Spielgefährte ihrer Mutter ist in erster Linie für sein aggressives Verhalten bekannt. Als Elektras Vater nun aus dem Krieg zurückkommt, verschärft sich die Situation. Denn Aigisthos fühlt sich gezwungen, seinen ungerechtfertigten Status zu verteidigen, und tötet den rechtmäßigen König von Mykene. Ein Akt, der vor allem Elektra in eine tiefe Krise stürzt und sie anleitet, Rache an Aigisthos und ihrer Mutter zu üben. In ihrem Bruder Orest findet sie den geeigneten Komplizen. Orest, der zu Ausbildungszwecken sein Zuhause verlassen musste, wird im Geheimen von Elektra zurückgeholt und tötet seine Mutter und deren Geliebten.

Die neue Deutung

Anders als in den bis dato gefeierten Versionen des Stückes, in denen die Seite der klagenden Elektra in den Vordergrund der Erzählung gestellt wird, erklärt in Lilly Jäckls Version ein ungebildeter Artzhelfer den Plot. Als zusätzliche Figur wird ein Arzt eingeführt, der vor allem als nationalistisch orientierter Ratgeber von Klytaimnestras Liebhaber auftritt. Auch wenn die Handlung den szenischen Aufbau betreffend bis zum Ende Sophokles’ antiker Vorlage folgt, wird bald deutlich, auf was Jäckl in ihrer Neuinterpretation des antiken Stoffes anspielt: Denn wie bereits angedeutet, wird Elektra dabei entgegen der traditionellen Bearbeitungen nicht als enttäuschte und hilfsbedürftige Frauenfigur dargestellt, die bei Hofmannsthal am Ende sogar sterben muss. Vielmehr ist es genau diese scheinbar zarte Elektra, die den Thron besteigt und ihrem Bruder, dem als Antihelden präsentierten Orest, dabei zusehen muss, wie er während seines Freudentanzes über den Sieg seiner Schwester unter der Last seiner Schuldgefühle plötzlich tot vor ihrem Thron zusammenbricht.

Ein antiker Klassiker aus weiblicher Sicht

Lilly Jäckl wurde 1978 geboren. Sie studierte „Buch und Dramaturgie in Film und Fernsehen“ an der Filmakademie Wien und der HFF Potsdam/Babelsberg und lebt heute in Graz, Wien und Berlin. Im Zentrum ihres künstlerischen Schaffens steht neben der Auseinandersetzung mit divergierenden Wirklichkeitsbegriffen und Propagandamaterialien auch die zeitgenössische Mythenbildung. Wie bereits in „Targets“, das 2014 seine Premiere am TiK feierte, versucht Jäckl auch in ihrem aktuellen Stück, anhand der kritischen Auseinandersetzung mit einer antiken Vorlage zeitlose Gesellschaftsdynamiken vor Augen zu führen. Das Kernthema der aktuellen Auftragsarbeit für das TiK, das im Rahmen der Reihe „Classics in the basement“ entstanden ist, bildet dabei die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Konkret lebt Jäckls Bearbeitung von der kritischen Gegenüberstellung des in der Antike kolportierten Frauenbildes mit dem heute herrschenden Bild der Frau in der Gesellschaft. Mit der Inszenierung des Stückes wurde Eva Weutz betraut, die seit 1986 in unterschiedlichen Rollen am TiK tätig ist. So ist sie nicht nur als Regisseurin bekannt, sondern tritt auch regelmäßig als Schauspielerin in Erscheinung und zeichnet sich seit Jahren auch für ihr erfolgreiches Engagement bei der Leitung der „Kellerkinder“ aus. Mit Katrin Ebner in der Rolle der „Elektra“ regt das weibliche Trio auf authentische Weise zu einem Dialog über ein Thema an, das gestern wie heute von unabdingbarer gesellschaftlicher Relevanz ist.

Elektra
Premiere: 3. November
weitere Vorstellungen: 10., 11., 12., 17., 18., 19., 24., 25., 26. November und 1., 2., 3., 8., 10. Dezember
jeweils 20 Uhr

Theater im Keller
Münzgrabenstraße 35, 8010 Graz
tik-graz.at

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