Anderwald & Grond im Kunsthaus: Taumel als Prozess

Anderwald & Grond im Kunsthaus: Taumel als Prozess

Anna Jermolaewa, "Good Times, Bad Times", 2007, Foto: Anna Jermolaewa, Courtesy der Künstlerin © Bildrecht, Wien, 2016

Die Ausstellung widmet sich dem Taumel als Ergebnis physischer, neuronaler oder emotionaler Belastung und Ausgangspunkt kreativer Prozesse.

Text: Natalie Resch

Krisennachrichten. Im globalen Netzwerk verbreiten sie sich wie ein Lauffeuer. Sie erzeugen reale oder imaginierte Bilder einer taumelnden Welt, Gefühle von Kontrollverlust und Instabilität. Die Ausstellung ist das Ergebnis des zweijährigen Forschungsprojektes On Dizziness der Künstler Ruth Anderwald und Leonhard Grond an der Akademie der bildenden Künste Wien. Auf der Basis von künstlerischer, kunsthistorischer, philosophischer und naturwissenschaftlicher Forschung widmen sich Anderwald und Grond gemeinsam mit Kuratorin Katrin Bucher Trantow dem Taumel als Ergebnis von physischer, neuronaler oder emotionaler Be- und Überlastung. Das Navigieren im Unbekannten wird dabei zum Ausgangspunkt kreativer Schaffensprozesse, Entwicklung und Neuverortung. Anstelle von Kontrollmechanismen werden flexible Systeme und Handlungsvorgänge als alternative Lösungsansätze in einer krisengeschüttelten Welt angesehen.Die künstlerische Forschung Anderwalds und Gronds zog sich ausgehend vom Medium Film durch verschiedene Gattungen der Architektur, der Philosophie, der Psychologie und Kreativitätsforschung.

Joachim Koester, Tarantism, 2007, Filmstill
Foto: Joachim Koester, Courtesy des Künstlers und Galerie Nicolai Wallner, Kopenhagen

Künstlerische Positionen von Helga Philipp, Henri Michaux und Bruce Nauman über Trevor Paglen bis Anne Veronica Janssens und Esther Stocker versammeln sich zu einem sich verwebenden Stück über den Taumel als Muse und Sirene, als ein destruktiv-produktiver Prozess, in dem Illusion, Rausch und die Krise notwendige Instrumente für das Navigieren in einer sich rasend schnell bewegenden Entwicklung sind – künstlerisch ebenso wie gesellschaftlich. Ausgangspunkt ist Lukrez’ Text De Rerum Naturae, in dem er drei Bewegungsarten rund um das Entstehen von Neuem beschreibt: Fallen, Zusammenstoßen, Taumeln. Ein anderer Teil der Schau widmet sich einem elastischen Raum-Zeit-Verhältnis, wo – wie bei Joachim Koester – das Fallen ein möglicher Ausgang eines rauschhaften Prozesses ist.

Tipp: Ausstellungsauftakt in Kooperation mit Megaphon: Filmscreening von „Gangster Backstage“ und „Initiation“ in Anwesenheit des Regisseurs Teboho
Edkins (8.2., 19 Uhr); Symposium (10.2.)

Ausstellung Taumel. Navigieren im Unbekannten
9. Februar bis 21. Mai 2017
Kunsthaus Graz, Lendkai 1, 8020 Graz
www.kunsthausgraz.at

 

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