Gregor Traversa: Ein Meister des magischen Strichs

Gregor Traversa: Ein Meister des magischen Strichs

Vor zehn Jahren verlor Graz den genialen Zeichner, Maler und Grafiker Gregor Traversa. Eine Erinnerung an einen Meister des magischen Strichs.

Text: Stefan Zavernik

Seine Arbeiten haben mich schon von klein auf magisch angezogen. Egal wie oft ich sie in der Wohnung meiner Eltern betrachtet habe, immer wieder wurde ich aufs Neue von ihnen in ihren Bann gezogen. Es schien mir, als würden die geheimnisvollen Landschaften mit ihren orakelhaften Gebäuden versuchen, mich in ihre Welt zu locken. So wurde ich schon als kleines Kind zu einem Fan des Malers und bin es bis heute geblieben. Es genügt mir ein einziger Blick, um seine Kunst als solche zu erkennen. Was mit den Jahren gewachsen ist, ist meine Faszination für das  handwerkliche Können des Zeichners Gregor Traversa. Welches sagenhafte Talent ist nötig, um einen derart genialen Strich zu beherrschen? Ohne jemals an einer Kunstschule oder einer Akademie gewesen zu sein?

„Frierender Himmel“ Mischtechnik, 1996, 85×120

Traversa war Autodidakt. Als Zeichner, Maler und Grafiker. Doch auch als Gelehrter. Er beschäftigte sich nicht mit den großen Themen seines Lebens, er studierte sie: Architektur und ägyptische Mythologie. Vergänglichkeit und Tod. Seine Erkenntnisse transformierte er mit dem Zeichenstift aufs Papier und entführte so seine Betrachter an Orte der Vieldeutigkeit. Seine Bilder erklären sich als Zeugen einer Zeit, in der die menschliche Zivilisation bereits verschwunden ist. Was bleibt, sind Ruinen und Steine, aber auch immer die Aussicht auf einen Neubeginn. Einen Neubeginn, in der sich die Natur wieder ihren verlorenen Platz zurückholt. Einen Neubeginn ohne Menschen.

Gregor Traversa in seinem Grazer Atelier

Eines seiner großen Meisterwerke stammt aus der dunklen Phase, einem Schaffenszyklus, in dem Traversa ausschließlich mit schwarzer Tusche malte. Es trägt den Titel Dunkelland und ist eine Tusche-Federzeichnung. Würde man nicht darauf hingewiesen werden, würde man nur schwerlich selbst auf die Idee kommen, wie der dunkle, schwarze Himmel aufs Papier kam. Er ist das Ergebnis monumentalen Zeichnens und besteht aus Millionen von einzelnen, filigranen Strichen. Stundenlanges, tagelanges, monatelanges Zeichnen. Keine Ablenkung. Nur etwas klassische Musik als Begleiter. Als Antrieb diente wohl eine unverkennbare Neigung zur Perfektion. Nahezu 6 Monate soll Traversa an diesem Bild zugebracht haben.

„Dunkelland“

Ich stelle mir seine Arbeit im Atelier als eine melancholische-meditative Tätigkeit vor, während der er einen hauchdünnen Strich nach dem anderen zog, um schlussendlich jenes Schwarz zu erreichen, das seinen Ansprüchen gerecht werden konnte. Ein Glück für Traversa-Fans ist wohl der Umstand, dass auch diese Neigung Grenzen hatte. Wäre jedes Bild mit einem solch epochalen Zeitaufwand entstanden, hätten wir auf viele weitere Arbeiten wohl verzichten müssen. Dennoch ist die Perfektion des Details in all seinen Arbeiten omnipräsent. Auch in den Arbeiten der „Blauen Phase“, in der die Steine das Sagen haben. Oder in seinem letzten Schaffenszyklus, der sich ganz der ägyptischen Mythologie verschrieben hatte. Alle seine Entwicklungsphasen begleitet seine Begeisterung für die Architektur. Wie ein Baumeister plante er seine Kunstwerke mit architektonischer Genauigkeit.

„Denkmal für einen Wald“

Es heißt, Traversas Wurzeln finden sich im Phantastischen Realismus. Daraus entstanden ist jedoch ein eigener Stil, den er selbst als „Phantastische Malerei“ betitelte. Er zeichnete mit Bleistift und Tusche. Er entwickelte eine geniale Mischtechnik. Er radierte und schuf grandiose Druckgrafiken. Allen seinen Werken gemein ist die Magie des genialen Strichs. Er hatte zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Darunter eine große Personale im Grazer Künstlerhaus, bei der man aufgrund des großen Besucheransturms an die Grenzen der baulichen Belastungsmöglichkeit stieß.

Selbstportrait

Ihn persönlich kennengelernt habe ich im Zuge eines Interviews für eine der ersten Ausgaben unserer Kulturzeitung. Wir führten das Interview in seinem damaligen Atelier am Grazer Burgring. Er präsentierte sich auch selbst wie ein Traversa-Kunstwerk: geheimnisvoll, ruhig und tiefgründig. Im Nachhinein steht fest: Er war ein stiller Meister, auf der Suche nach Erkenntnis. Sein Werk bleibt lebendig, auch wenn es die Vergänglichkeit war, die ihn zeit seines Lebens fasziniert hatte. Zu seinem 10. Todestag Anfang Februar finden nun dank der Bemühungen von Ingrid Traversa, seiner hinterbliebenen Frau, zwei Ausstellungen in Graz statt. Eine Retrospektive im Bildungshaus St. Martin sowie eine Architekturausstellung in der Galerie Schafschetzy. Es wird für Sammler wohl eine der letzten Möglichkeiten sein, um an einige seiner verbliebenen Original-Werke zu kommen. Und ein Fingerzeig an das Land Steiermark, diesen großartigen Künstler museal entsprechend zu würdigen.

„Gregor Traversa – Retrospektive“
Zu sehen ab 15.2.2017, 19.30 Uhr
Bildungshaus St. Martin,
Kehlbergstraße 35, 8054 Graz

„Architektur und Metamorphose“
Zu sehen ab 16.2. 2017, 19 Uhr
Galerie Schafschetzy,
Färbergasse 2, 8010 Graz

 

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