Die Grazer Murinsel: Auf dem Weg zum kreativen Hotspot

Die Grazer Murinsel: Auf dem Weg zum kreativen Hotspot

Foto: Harry Schiffer

Die Insel in der Mur entwickelte sich seit 2003 zu einem der stärksten Touristenanziehungspunkte der Stadt und gilt als Wahrzeichen des modernen Graz. Nun wird sie generalsaniert und neu konzeptioniert.

Knapp 14 Jahre sind vergangen, seit die Murinsel am Anfang des Kulturhauptstadtjahres Graz 2003 eröffnet wurde und Teil der damaligen Programmatik war. Konzipiert vom New Yorker Designer Vito Acconci, war sie von Beginn an als neuer Ort des kulturellen Selbstverständnisses der Stadt angelegt – allerdings nur für das Jahr 2003 mit der möglichen Verlängerung um ein weiteres Jahr. Im Kulturhauptstadtjahr wurde die stählerne Insel in der Mur einige Wochen bespielt. Nach 2003 gab es jedoch keine programmatische Fortsetzung. Die Insel wurde ab 2004 von der 2003-Gesellschaft weiter verwaltet und nach entsprechenden Auswahlverfahren an Lokalpächter vergeben. Vor neun Jahren hat Herwig Hofstätter die Pacht übernommen und diese unter den durchaus schwierigen Rahmenbedingungen bis zum Beginn der nunmehrigen Generalsanierung geführt. Programmatische Inputs seitens des Eigentümers gab es in dieser Zeit nicht.

sanierung-10-10-cstadt-graz-11-mediumDie Murinsel ist auch heute noch ein prägnantes Bauwerk in der Mur. Sie wird von den Touristen hervorragend angenommen und ist eines der wichtigsten Fotomotive, die von Graz in die Welt hinausgehen. Sie ist vor allem in der digitalen Welt zu einem Grazer Icon geworden und transportiert so ein sowohl reales als auch emotionales Bild der Stadt Graz rund um den Globus. Allerdings haben die knapp 14 Jahre, in denen die Insel nun schon in der Mur ankert, am Stahl- und Glasbau ihre Spuren hinterlassen. Es stellte sich die Frage: „Sanieren und aufwerten oder abtragen?“ Der Gemeinderat der Stadt Graz fällte die klare Entscheidung zu einer umfangreichen Generalsanierung und stellte dafür 1,03 Mio. Euro zur Verfügung. Wolfgang Skerget wurde in seiner Funktion als City-of-Design-Koordinator mit der Erstellung eines Betriebskonzeptes beauftragt. Mit der vorgeschlagenen Programmatik wird eine sanfte, nachhaltige kulturelle Aufladung der Murinsel angestrebt. Urbanität soll in besonderer Weise sicht- und erlebbar gemacht werden. Sie soll ein begehbares städtebauliches Zeichen einer Stadt sein, die auf ihre Mitgliedschaft im UNESCO Creative Cities Network als City of Design zu Recht stolz ist. Als ein solches Zeichen kann die Insel künftig Treffpunkt der Kreativität und gleichsam „Appetizer“ für die vielen anderen kulturellen Einrichtungen und Angebote der Stadt sein.

Foto: Harry Schiffer
Foto: Harry Schiffer

Die Grazer Murinsel wird zum Kultur-Appetizer

Nach der Generalsanierung wird die Grazer Murinsel mehr denn je für Kunst- und Kulturveranstaltungen sowie für Firmenevents als Location punkten. Interessierte erhalten Informationen bei der City of Design Koordination der Stadt Graz.

Der Innenraum – Café

Das Inselcafé wird in Zukunft in neuer Ausrichtung – mit bewusst kleinem regional-gastronomischem Angebot und mit geänderter Pachtstruktur – und in enger inhaltlich-programmatischer Abstimmung mit der Gesellschaft geführt. Für das Branding von Shop und Café auf der Murinsel konnte Stefanie Schöffmann von look! design gewonnen werden.

Foto: Harry Schiffer
Foto: Harry Schiffer

Der Innenraum – Veranstaltungen

Die Insel soll in Zukunft DER Ort für die kreative Identität der Stadt Graz sein, d. h. es sollen beispielsweise Pressekonferenzen aus dem kreativwirtschaftlichen, künstlerischen und wissenschaftlichen Bereich vorrangig hier stattfinden. Zusätzlich sollen Anreize in Form neuer niederschwelliger Veranstaltungsreihen generiert werden. Den Auftakt für diese Aufbauarbeit soll die Musiklinie „monday nights“, programmiert und konzipiert von Gerhard Kosel, bilden.

Der neue Info-Bereich

Der Eingangsbereich vor dem Café wird im Zuge der Generalsanierung umgestaltet: In diesem Bereich sollen künftig über Monitore unterschiedlichste Graz-Informationen abrufbar sein. Durch diese sehr variabel nutzbaren Infoscreens kann die Murinsel ihre „Appetizer-Funktion“ für andere Einrichtungen wie Kunsthaus, GrazMuseum oder Kindermuseum usw. situationsangepasst wahrnehmen. Für dieses neue Informationskonzept gibt es einen vom renommierten Fraunhofer-Institut ausgearbeiteten Umsetzungsvorschlag; damit soll in Graz generierte technologische Kreativität auf der Murinsel sicht- und nutzbar werden.

sanierung-10-10-cstadt-graz-14-mediumDas Amphitheater

Der sanierte Außenbereich wird durch einen neu geschaffenen Lager- und Technikraum unter den Zuschauerstufen ebenso aufgewertet wie durch die Vorbereitungen für einen Sommerkinobetrieb; des Weiteren wird ein Tonsystem für einen Silent-Movie-Betrieb mit Kopfhörern vorgesehen. Das Sommerkino auf der Insel soll pro Saison von jeweils anderen Kreativen programmiert werden: für die Auftaktsaison 2017 konnten die Visual-KünstlerInnen von OchoResotto für eine Zusammenarbeit gewonnen werden.

Der Innenraum – Designshop

Im Innenraum wird es künftig auf der oberen Ebene einen Designshop geben. Dieser Shop soll vor allem Grazer und steirischen Kreativen die Möglichkeit bieten, Produkte im Verkauf zu testen.

Foto: Harry Schiffer
Foto: Harry Schiffer

Der Innenraum – Showroom

Der Innenbereich der Murinsel bleibt auch nach der Generalsanierung in Würdigung der seinerzeitigen Designleistung weitgehend unverändert. Gleichzeitig möchte der Innenraum vermitteln, dass sich das Design von 2003 nunmehr organisch mit der kreativen Szene der City of Design Graz verbindet. So wird innen weiterhin ein Kaffeehausbetrieb das Rückgrat der
täglichen „Betreuung“ der Murinsel
bilden. Gleichzeitig wird links vom
Haupteingang ein Bereich als eine Art
Showroom von wechselnden DesignerInnen und Kreativen bespielt; die GestalterInnen sollen
halbjährig wechseln, der erste „Bespieler“ wird der kreative Tischler und
Innenausstatter Raimund Gamerith
sein. Der von Gamerith gestaltete
Bereich wird ganz normal als Café genutzt werden. Gleichzeitig wird es Infos über den Designer sowie über die aufgestellten Ausstattungsmöbel geben.

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