Jazz-Institut der KUG: Auf einer Bühne mit Großmeistern

    Jazz-Institut der KUG: Auf einer Bühne mit Großmeistern

    Artist in Residence: Bobby Shew Foto: Glenn Morimoto

    Am 3. Mai lädt das Jazz-Institut der Musikuni Graz zu einem besonderen Konzert: Der aktuelle Artist in Residence, Bobby Shew, wird mit dem Jazz-Orchester der KUG spielen. Institutsleiter Ed Partyka im Interview über das Artist-in-Residence-Programm, Erfolgsfaktoren und die Förderung heimischer Talente.

    Text: Stefan Zavernik

    Wie gelingt es, einen Star-Trompeter wie Bobby Shew als Artist in Residence zu gewinnen?

    Durch unsere hervorragenden Lehrenden am Jazz-Institut haben wir intensive Beziehungen zu Spitzenmusikern weltweit. So war es auch in diesem Fall. Unser Jazz-Trompeter und Professor Jim Rotondi kennt Bobby Shew bereits seit Jahrzehnten, der Kontakt kam also mühelos zustande. Wir mussten nur mehr einen passenden Termin finden, an dem uns Bobby Shew zur Verfügung steht. Aber das hat alles sehr gut geklappt. Wir freuen uns, diesen Spitzenmusiker im April/Mai in Graz präsentieren zu können.

    Was im Speziellen kann gerade er den Studierenden weitergeben?

    Unsere Studierenden werden in erster Linie von seiner Erfahrung profitieren. Bobby Shew ist ja seit den 60er Jahren ein Top-Studio- und Jazz-Trompeter. Er wird mit unseren Studierenden nicht nur gemeinsame Konzerte spielen, sondern mit ihnen auch in vielen Workshops gezielt arbeiten. Im Einzelunterricht, in unseren Masterclasses und in den Round ­Table ­Discussions.

    Institutsleiter Ed Partyka
    Foto: Daniel Knabe

    Welchen Stellenwert spielt das Artist­-in-Residence-Programm generell für das Jazz-Institut? Auf welche Weise treten die Künstler in Austausch mit den Studierenden?

    Das Programm ist eine enorme Bereicherung für uns. Es ist in dieser Form in Europa auch einzigartig. Studierende erhalten nicht nur die Möglichkeit, zusätzlich zu ihrem Unterricht ergänzende Masterclasses bei wahren Großmeistern zu belegen, sondern mit diesen auch gemeinsam in unzähligen Konzerten auf einer Bühne zu stehen. Sie machen damit Erfahrungen, die ein klassischer Universitätsbetrieb nie bieten könnte. Generell setzen wir auf umfangreiche Konzerterfahrung: In 17 vierstündigen Ensembles und zwei Big Bands, die am Institut eingerichtet sind, können die Studierenden ihre Bühnen­erfahrung sammeln. Das ist in vielen anderen Musikuniversitäten nicht der Fall.

    Auch das KUG Jazz-Orchester selbst, unter der Leitung von Ed Neumeister, spielt eine besondere Rolle in der Ausbildung?

    Es ist der Mittelpunkt im Institutsleben. Seit einiger Zeit wird das Orchester projektbezogen von verschiedenen Lehrenden wie auch Artists in Residence (AiR) geleitet. Wir hatten hier wirklich schon einige sensationelle Konzerte: 2015 ein Projekt mit Randy Brecker und dem KUG Jazz- Orchester sowie dem KUG-Orchester unter der Leitung von Sigi Feigl. 2016 das Projekt „Generations“ mit Michael Abene, das Summer-End-Projekt mit Reinhard Summerer oder ein Projekt mit AiR Haydn Chisholm. In diesem Jahr gab es bereits ein Projekt mit AiR Ray Anderson. Aktuell laufen die Arbeiten an der JAZZ COMP GRAZ, eine Studioproduktion mit international eingereichten Werken. Dieses Projekt betreue ich selbst.

    Das Jazz-Institut ist einer der bedeutendsten Jazz-Veranstalter der Stadt. Können Sie uns etwas über die eine oder andere Konzert-Reihe verraten, die das Institut besonders gut präsentieren?

    Das Institut konnte im Jahr 2016 insgesamt 177 Veranstaltungen verzeichnen. Darunter waren Konzerte der Serie KUG Jazz Live!, KUG Jazz Live @ Orpheum, Aufführungen im Rahmen der Haupt­abonnementkonzerte sowie jene der Reihe Jazz im MUMUTH. Zusätzlich gibt es weitere Konzertkooperationen mit dem Jazzclub „ZWE“ in Wien, mit dem Grazer Musikverein, dem Theatercafé, im Café Phönix sowie in Form von Gastspielen außerhalb von Graz.

    Foto: Alecander Wenzel

    Stichwort Grazer Theatercafé: Die Jazz-Late-Night-Konzerte dort zählen mittlerweile zu den Highlights des Grazer (Kultur-)Nachtlebens. Nach welchen Kriterien werden die Musiker ausgewählt, die dort auftreten?

    Diese Jam Sessions sollen den Studierenden auch die Möglichkeit bieten, die im Studienprogramm vorgeschriebenen Standards („Bandbooks“) zu erproben und umzusetzen. Das sogenannte „Bandbook“ ist ein Teil der Bachelorprüfung und beinhaltet 30 Standards, die auswendig zu spielen sind. Grundsätzlich können sich alle eingespielten Ensembles unter den Studierenden dort melden, ausgewählt werden sie schlussendlich aufgrund ihrer stilistischen Prägungen.

    Am Jazzinstitut studieren rund 120 Studierende aus bis zu 20 verschiedenen Ländern. Wie wichtig ist diese Internationalität für das Institut?

    Dem Institut ist es besonders wichtig, die Internationalität auch weiterhin zu erhalten. Doch auch heimische Talente sollen nun vermehrt gefördert werden. Das ist eines der ganz großen Ziele, neben unserem Süd-/Osteuropa-Schwerpunkt und den Kooperationen mit renommierten Universitäten in den USA und Australien. Dem Jazz-Institut ist es auch schon lange ein großes Anliegen, ein Förderungsprogramm für junge Musikerinnen und Musiker ins Leben zu rufen. Aus diesem Grund wurde im vergangenen Oktober das „­Jugend Jazz Orchester Steiermark“ gegründet. Es wird bereits eifrig geprobt, auch die ersten Konzerte wurden bereits gespielt. Die Zusammenarbeit mit den steirischen Musikdirektoren spielt dabei eine besonders große Rolle, da wir darum bemüht sind, steiermarkweit Auftrittsmöglichkeiten für das Orchester zu bekommen. Sehr erfreut sind wir darüber, dass bereits die ersten Konzerte in Bad Aussee und Deutschlandsberg fixiert werden konnten. Eine Kooperation im Rahmen dieser Jugendarbeit besteht auch mit dem Johann-Joseph-Fux Konservatorium in Graz, wo Absolventen des Jazzinstituts lehren und unterstützend mitwirken. So konnte sich im Rahmen von „KUG JazzLive!“ auf Einladung des In­stituts die „KonsPop Big Band“ unter der Leitung von Karl Rossmann in einem Konzert der Öffentlichkeit präsentieren. Wir sind zuversichtlich, dass wir es gemeinsam schaffen werden, österreichische/steirische Nachwuchstalente zu einem Studium auf höchstem Niveau zu animieren.

    Das Institut zählt zu den ältesten Ausbildungsstätten für Jazz in Europa. Dementsprechend groß ist auch der Andrang der Studierenden aus der ganzen Welt. Was ist das Erfolgsrezept?

    Wie uns von unseren Artist-in-Residence-Künstlern immer wieder bestätigt wird, ist das Niveau der Studierenden mit dem des renommierten Berklee College of Music zu vergleichen. Das ist ein großes Kompliment und bekräftigt uns in dem, was wir tun. Unsere Richtung wird also weiterhin die gleiche bleiben: Nicht Quantität, sondern Qualität ist hier oberste Prämisse. Unsere Studierenden haben auch selbst eine tolle Möglichkeit, sich international zu vergleichen, und zwar mit der seit zwei Jahren laufenden Kooperation mit der ­Indiana University of Music – Jacobs School of Music. Erst im Februar dieses Jahres konnte das „Honors Ensemble“ unter der Leitung von Michael Abene an diesem Austauschprogramm teilnehmen. Im Rahmen dieser US-Reise hatte dieses Ensemble auch die Gelegenheit, am Jazzfestival des ELMHURST College of Music, das 2017 sein 50-jähriges Bestandsjubiläum feiert, aufzutreten. Dies alles ist natürlich nur mit kräftiger Unterstützung unseres Rektorates möglich. Dafür ein herzliches Dankeschön auf dieser Seite!

    Foto: Lucija Novak

    Abschließend: Welche Chancen haben Absolventen der Ausbildung auf ein ­Leben als hauptberuflicher Musiker?

    Auf keinen Fall wollen und können wir die angespannte Lage der Jobs nach dem Studium verniedlichen. Die Problematik besteht aber nicht nur im Musikbereich, auch die Absolventen und Absolventinnen anderer Universitäten tragen dasselbe Schicksal, kaum oder wenig Chancen auf einen Wunscharbeitsplatz zu haben. Umso wichtiger ist es, nicht „Massenware“ zu produzieren, sondern, wie oben angesprochen, höchste Ausbildungsqualität anzubieten und auf Dauer zu sichern. Nur so ist es möglich, dass unsere Absolventen als Musiker hauptberuflich ihr Auskommen finden können. Das Jazz-Institut war und ist schon immer darum bemüht, einen breit gefächerten Studienplan anzubieten: Nicht nur Jazz- und jazzverwandte Fächer werden unterrichtet; die Studierenden erhalten parallel zu ihrem zentralen künstlerischen Fach auch eine klassische Ausbildung und einen sehr praxisbezogenen Unterricht. Schwerpunkt ist und bleibt das Ensemblespiel.

    Bobby Shew

    KUG Jazz Night

    Für zwei Abende wird das MUMUTH zum Jazzclub: ein Überraschungsprogramm des Instituts Jazz, featuring Artist in ­Residence Bobby Shew (trumpet).

    Am 3. und 4. Mai, jew. 19.30 Uhr im György-Ligeti-Saal, MUMUTH

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