Dem Himmel nahe – Kunst des Mittelalters im Stift Admont

Dem Himmel nahe – Kunst des Mittelalters im Stift Admont

Foto: Marcel Peda

Die im Museum des Stift Admont gebotene, bereits legendäre Vielfalt wird ab 2. Mai dauerhaft um eine imposante Dimension erweitert. Erstmals werden ausgesuchte mittelalterliche Skulpturen, Tafelbilder und Glas­malerei aus der Sammlung Mayer gezeigt.

Text: Wolfgang Pauker

Mit der neuen und weitgehend auf einer Schenkung von Kuno Erich Mayer beruhenden Gotik-Ausstellung reagiert man im Museum des Stiftes Admont auf ein neu erwachtes Interesse an sakralen Skulpturen des späten Mittelalters, welche ihre Wirkung über Konfessions- und Religionsgrenzen hinaus entfalten. Die neue Ausstellung Dem Himmel nahe – Sammlung Mayer vereint deshalb ab 2. Mai eine Auswahl von Meisterwerken der Spätgotik und gibt einen Überblick über eine Epoche, die zu den reichsten und fruchtbarsten unserer kunsthistorischen Vergangenheit gehört. Gottesnähe und Weltenglanz, Kunst und Kultur werden zu einer Einheit verschmolzen und werden die Seele des Besuchers erfassen. „Skulpturen der Gotik faszinieren den Betrachter immer wieder. Sie sprechen ihn meist in der Tiefe der Seele an und nehmen ihn mit hinein in das dargestellte Mysterium. Dies geschieht vor allem, wenn der Betrachtende sich auch emotional ansprechen lässt und gleichsam mit dem Kunstwerk in einen Dialog tritt. Gerade in den Werken der Gotik bilden Form und religiöser Inhalt eine großartige Symbiose. Wenn nun der Betrachter die Empfindungen des Künstlers erahnen kann, wird auch die Skulptur mit ihrer Botschaft auf besondere Weise einsichtig“, so Alt-Abt Bruno Hubl zu den Werken dieser epochalen Schenkung.

„Der von unserem Alt-Abt Bruno Hubl wiederholt formulierte Auftrag kann mit dieser Sammlung noch besser erfüllt werden: Über die Kulturschiene können wir die christliche Glaubensbotschaft und den benediktinischen Geist transportieren. Das ist jetzt mit dieser gotischen sakralen Schenkung besser zu erfüllen als je zuvor“, so Michael Braunsteiner, Künstlerischer Leiter, hier im Gespräch mit Silvia Mitter, Leitung Tourismus.

Zwischen Ökonomie und Mäzenatentum

Die gezeigten Exponate der Sammlung Kuno Erich Mayer sind ein sichtbarer Erfolg jahrelanger Tätigkeit im spezialisierten Kunsthandel und ein Beispiel dafür, dass eine hochqualitative Sammlung als Kulturobjekt auch aus privatem Enthusiasmus heraus entstehen kann. Hierfür verfolgte Mayer über Jahrzehnte den gemeinnützigen Zweck, das Interesse an der Kunst des Mittelalters einer breiten Bevölkerungsschicht zu wecken. Die Kunstwerke sind „bewahrtes Kulturerbe“ und werden dank dieser beispiellosen Schenkung fortan nationale wie internationale Bewunderer in die Obersteiermark locken.

Foto: Marcel Peda

Kuno Erich Mayer zu seiner Sammlertätigkeit: „Eine Kunstsammlung ist geprägt von Leidenschaft und Freude, von dem Bedürfnis nach Besitzen und Ordnen. Kunstsammeln ist eine Tätigkeit zwischen Enthusiasmus und Kenntnis, im Spannungsbogen der Ökonomie und des Mäzenatentums, sie ist Entdecker und Wegbereiter für vieles, das später museale Weihen erhält.” Über mehrere Jahre sondierte der Gotik-Spezialist und Sammler, der mit seiner Frau in Götzis in Vorarlberg lebt, die Lage in Österreich und suchte nach einer geeigneten Heimat für den Hauptteil seiner imposanten Sammlung. Im vorigen Jahr wurde die Schenkung an das Stift Admont vertraglich besiegelt und die Kunstwerke bleiben für die Mitmenschen und nächsten Generationen erhalten. „Und vielleicht ist es gerade diese Erfüllung, die zuerst das Sammeln und zuletzt das Weitergeben von Kunst so interessant macht“, so Mayer.

H. Anna selbdritt, Tirol, um 1410 – 1420
Zirbelholz, aus zwei Teilen zusammengefügt, das Jesuskind fehlt.

Gotik, inszeniert in gotischer Atmosphäre

Mit der Schenkung einher ging nun eine völlige Neugestaltung der barocken Säulenhalle im Erdgeschoß des Stift Admont. Gotik wird damit inszeniert in gotischer Atmosphäre – durchwebt vom leidenschaftlichen Sammlergeist von DI Kuno Erich Mayer in Kooperation mit dem Kurator und Künstlerischen Leiter Dr. ­Michael Braunsteiner. Einige Exponate waren bereits in wichtigen Ausstellungen zum Thema Mittelalter zu sehen, viele werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich sein. Das Verbindende aller dieser Werke ist die schöne, harmonisch in sich ausgewogene Form und das Liebliche und Zarte im Ausdruck der Gesichter und Gesten. Kleine Feinabstimmungen im Ausstellungsaufbau sind derzeit noch in Arbeit, der umfangreiche Katalog zur Schau ist druckfrisch und die neuen Audio-Guides sind mit einem 6-Sprachen-Angebot ebenfalls kurz vor der Vollendung. Mit der feierlichen Eröffnung ist somit das ohnehin schon riesige Besucher-Angebot um ein neues Museums-Modul erweitert. Nicht nur neue Gäste werden begeistert sein, auch Admont-Kenner werden staunen und das Gesamtgefüge des Museums neu entdecken. Neben der größten Klosterbibliothek der Welt, einem der wichtigsten Gesamtkunstwerke des europäischen Spätbarocks, umfasst das Museum Stift Admont nun das Kunsthistorische Museum, das Naturhistorische Museum (welches inspiriert von der Gotik-Ausstellung in der Saison 2017 einige spezielle Raritäten zeigen wird), das Museum Gegenwartskunst sowie das Gotik-Museum. Und natürlich die multimediale Stiftspräsentation.

Die gotische Daueraustellung ist ab 2. Mai zu sehen.
Foto: Marcel Peda

20 Jahre Sammlung Gegenwartskunst

2017 gibt es in Admont noch einen Grund zu feiern, nämlich das 20-jährige Bestehen der Sammlung Gegenwartskunst. Anlässlich dieses Jubiläums ist die Sonderausstellung OPEN THE LINK, kuratiert von Dr. Michael Braunsteiner, bis 5. November zu sehen. Seit 1997 baut das Stift Admont kontinuierlich eine Gegenwartskunst-Sammlung auf, die derzeit über 1.500 Einzelwerke von über 160 in Österreich geborenen oder dort tätigen Künstlerinnen und Künstlern umfasst. Die Sonderausstellung bietet lebendige Einblicke in die Sammlungstätigkeit der Kunst unserer Zeit und spannt einen Bogen von den ersten bis zu den aktuellsten Erwerbungen, von den MADE FOR ADMONT-Werken bis zur Spezialsammlung „JENSEITS DES SEHENS – Kunst verbindet Blinde und Sehende“.

Foto: Marcel Peda

Sammlung Mayer – Kunst des Mittelalters ab 2. Mai 2017, täglich von 10 – 17 Uhr im Benediktinerstift Admont, 8911 Admont 1

www.stiftadmont.at

 


 

Sammler Kuno Erich Mayer zur ­Gotik-Ausstellung im Stift Admont

Warum haben Sie gerade das Museum im Stift Admont für Ihre Gotik-Sammlung ausgewählt?

Für mich war es wichtig, dass die Sammlung geschlossen zusammenbleiben kann und in repräsentativen Räumen gezeigt wird. Stets war es mein Anliegen, das Kulturerbe der Gotik zu bewahren und zugleich auch anderen Menschen in verschiedenen Ausstellungen zugänglich zu machen. Das wird nun in Admont gemacht. Mein Sammler-Enthusiasmus und vor allem auch die Botschaft der Skulpturen mögen auf viele Betrachter entsprechend nachhaltig wirken.

Was soll in den nächsten Jahren mit der Gotik im Stift Admont passieren?

Ich habe immer gesagt, ich will nie ein Mausoleum haben. Ich will ein lebendiges Gebilde, es müssen Impulse gesetzt werden, nach innen und außen. Zwei Drittel der Werke sind derzeit noch Dauerleih­gaben, die in meinem Eigentum verbleiben. Mein Bestreben ist, dass diese alle in Admont bleiben. Im Schenkungsvertrag ist klar festgelegt, dass sich ­Admont verpflichtet, den eingeschlagenen gotischen Weg weiterzuführen, mittelalterliche sakrale Kunst zu pflegen und zu vervollständigen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt in der Fortführung der Gotik: Erweiterung durch Neuerwerbungen, dokumentieren, forschen, regelmäßige Wechselausstellungen etc. Admont ist meiner Ansicht nach auf dem besten Weg, kürzlich wurden zwei Skulpturen angekauft.

Was sagen Sie zur bereits fertigen Ausstellung?

Großartig. Für mich ist die Ausstellung zu einem Spiegelbild meiner Sammlung geworden. Die Kunstwerke bleiben für die Mitmenschen und nächsten Generationen zu deren Freude und Erbauung erhalten. Und vielleicht ist gerade dies die Erfüllung, die zuerst das Sammeln und zuletzt das Weitergeben von Kunst so interessant macht.

TEILEN