Der neue Spielplan 2017.2018 am Schauspielhaus Graz

Der neue Spielplan 2017.2018 am Schauspielhaus Graz

Das Ensemble der Spielzeit 2017.2018 Foto: Lupi Spuma

Heute präsentierten die Geschäftsführende Intendantin des Schauspielhaus Graz, Iris Laufenberg, und ihr Team den Spielplan der Saison 2017.2018. Waren es in den vergangenen Spielzeiten die unterschiedlichen Perspektiven auf Grenzen (15.16) sowie Tradition und Revolutionen (16.17), so ist 2017.2018 der thematische Schlusspunkt dieses Dreijahreszyklus erreicht, der schließlich bei der Frage nach dem Glauben ankommt.

Woran glauben wir eigentlich? Wofür brauchen wir Religion und wofür benutzen wir sie? Kann uns der Glaube Sicherheit geben? Oder müssten wir mehr nach Wissen als nach Glauben streben? Diesen Fragen gehen insgesamt 22 Premieren, darunter vier Uraufführungen und drei Österreichische Erstaufführungen auf drei Bühnen und außerhalb des Schauspielhauses nach, die das Publikum in der aktuellen Spielzeit erwarten. Wiederaufnahmen, Gastspiele, die dritte Auflage des Dramatiker|innenfestivals, das von 6. bis 10. 6.2018 unter dem Titel „Rede!“ stattfinden wird, sowie weitere Kooperationen mit dem Festival steirischer herbst, dem Theater im Bahnhof und dem Studiengang Schauspiel der Kunstuniversität Graz runden das Programm ab.

Foto: Lupi Spuma

Schwerpunkt auf österreichischen Autoren 

Die neue Spielzeit beginnt mit Werner Schwabs „Faust :: Mein Brustkorb : Mein Helm“ am 29. 9. 2017 in HAUS EINS. Das 1994 posthum uraufgeführte Stück bedient sich Goethes Faust-Motiven, doch in Schwabs sprachgewaltiger Paraphrase beklagt Faust nicht – wie bei Goethe – das Versagen allen Wissens, sondern gänzlich allen Sinns. Inszenieren wird Claudia Bauer, die dem Grazer Publikum bereits durch ihren „Volpone“ bekannt ist.

Ein weiterer Grazer Autor eröffnet HAUS ZWEI: Clemens J. Setz‘ erstes abendfüllendes Stück „Vereinte Nationen“ bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen elterlicher Manipulation und Fürsorge. Mathias Schönsee (u.a. „Johnny Breitwieser“) inszeniert das für den Mülheimer Dramatikerpreis 2017 nominierte Stück. (Österreichische Erstaufführung: 30. 9. 2017)

Karla Mäder und Iris Laufenberg präsentieren das Programm der neuen Spielzeit.
Foto: Lupi Spuma

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“

Alte Meister der Sprache, die sich in ihren Werken mit der Frage nach dem Glauben auseinandersetzen und deren Romanfiguren und Schicksale pralles Leben für die Bühne versprechen, sind Joseph Roth und Thomas Mann. Die dem Grazer Publikum bereits bekannten Regisseure András Dömötör (zuletzt „der thermale widerstand“) und Alexander Eisenach („Frequenzen“ nach Clemens J. Setz) denken und entwickeln „Hiob“ (Premiere: 17. 11. 2017, HAUS EINS) und „Der Zauberberg“ (Premiere: 12. 1. 2018, HAUS EINS) weiter. Die Britin Lily Sykes („Romeo und Julia“) hat für Lessings Klassiker „Nathan der Weise“ Feuer gefangen (Premiere: 20.10.2017, HAUS EINS). Wie ist Nathans berühmte Ringparabel heute zu lesen? Wie können wir uns verständigen, wie gegenseitig verstehen?

Gott und die Götter

Große Texte verlangen große Ideen und so bringt das Ende der Spielzeit die ZuschauerInnen an den Anfang unserer Kultur. Regiemeister Volker Hesse („Geächtet“), der bekannt ist für seine Großprojekte, holt mit der Bibelbearbeitung „Das Alte Testament“ das monumentale Werk auf die Bühne von HAUS EINS, die dafür umgebaut wird und eine neue Perspektive auf die alten Texte ermöglicht. (Premiere: 12. 5. 2018). Das „Buch der Bücher“ wird er mit SchauspielerInnen und Laien umsetzen.

Maeder, Weiss, Schmieding, Laufenberg, Geyer (v.l.) Foto: Lupi Spuma

Direkt oder metaphorisch begegnen uns Gott und Götter auch in folgenden weiteren Stücken: In der Kooperation mit dem Festival steirischer herbst, „Bacchae – Prelude to a Purge“, schafft Choreografin Marlene Monteiro Freitas mit viel Humor eine performativ-tänzerische Klassikerbearbeitung von Euripides‘ antiker Tragödie „Die Bakchen“ (Aufführungen: 6. und 7. 10. 2017, HAUS EINS). In „Bernarda Albas Haus“ schafft die Witwe Bernarda Alba aufgrund eines archaischen Trauerrituals ein faschistoides Frauenregime, in dem der tote Gott-Vater über das Leben ihrer Töchter und aller anderen Bewohnerinnen des Hauses bestimmt. Regisseur Stephan Rottkamp (u.a. „Der Sturm“) inszeniert Federico García Lorcas „Frauentragödie in spanischen Dörfern“ in HAUS EINS (Premiere: 2. 2. 2018). Nestroypreisträger Nikolaus Habjan beschäftigt sich zusammen mit dem Wiener Autor Paulus Hochgatterer, der dem Puppenspieler und dessen Puppen ein Stück auf den Leib schneidern wird, mit einem berühmten Sohn der Stadt Graz: Karl Böhm. Das Stück um einen der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts, der sich mit dem Nationalsozialismus gemein machte, wird von Habjan inszeniert und als Solo gespielt. „Böhm“, Uraufführung: 22. 3. 2018, HAUS EINS.

Weitere Premieren und Wiederaufnahmen in HAUS EINS

„Jedem das Seine“ von Peter Turrini und Silke Hassler erzählt von der vereinigenden Kraft des Theaters in den finstersten Momenten der Geschichte und darüber, wie die Musik für einen Moment die Realität aufheben kann – Regisseur und Musiker Sandy Lopičić wird nach „Trümmerfrauen, Bombenstimmung“ und „Redaktionsschluss!“ seinen dritten Abend in HAUS EINS inszenieren (Premiere: 2. 3. 2018). Schonungslos entblößte Molière schon in seinem 1664 uraufgeführten „Tartuffe“ religiöse Frömmelei und die Verblendung der bürgerlichen Gesellschaft; der Text liest sich noch heute als Kommentar auf die Richtungslosigkeit und Überforderungen des modernen Menschen. Inszenieren wird Markus Bothe („Struwwelpeter“ und „Cyrano de Bergerac“); Premiere: 7. 12. 2017 in HAUS EINS. Die Wiederaufnahmen der Publikumserfolge „Der Talisman“ von Johann Nestroy, „Die Wunderübung“ von Daniel Glattauer und „Struwwelpeter“ nach McDermott, Crouch und Jacques runden den Spielplan von HAUS EINS ab.

Foto: Lupi Spuma

HAUS ZWEI – im Zeichen der Gegenwartsdramatik

Der Spielplan von HAUS ZWEI präsentiert in diesem Jahr nach Clemens J. Setz‘ „Vereinten Nationen“ die Uraufführung eines neuen Werks von Autor Oliver Kluck, das den Titel „Antigone GmbH“ tragen wird. Premiere: 2. 12. 2017; Regie: Dominic Friedel (u.a. „Kasimir und Karoline“, „Du (Norma)“).

Darauf folgt im Jänner eine weitere Uraufführung: Nicoleta Esinencu wird das aktuelle Europa vermessen und zwei Stücke schreiben, die beide jeweils mit einem aus moldawischen und österreichischen Mitwirkenden gemischten Ensemble unabhängig voneinander produziert und aufgeführt werden; eines am Schauspielhaus Graz („Rest of Europe“ (Arbeitstitel)), das andere am Teatru-spălătorie in Chişinău. (Uraufführung im Jänner 2018, Regie: Nina Gühlstorff)

Foto: Lupi Spuma

HAUS DREI – persönliche Experimentierbühne

Weiterhin soll auf der dritten Bühne des Schauspielhauses ein kleines Repertoire gepflegt werden: Franz-Xaver Mayr wird „Am Boden“ von George Brant, einen poetischen Monolog über die inneren Widersprüche einer Frau, die als amerikanische Kriegspilotin zwischen militärischem Eifer und familiärer Fürsorge steht, als seine erste Arbeit am Schauspielhaus inszenieren (Österreichische Erstaufführung: November 2017). Elena Bakirova (zuletzt „Einfach kompliziert“) inszeniert „Welche Droge passt zu mir?“ von Kai Hensel: Ensemblemitglied Henriette Blumenau schlüpft in die Rolle einer jungen Mutter, Hausfrau und selbstbewussten Drogenkonsumentin. Doch trotz ihrer Versuche, mit ihrem Vortrag die guten Seiten des Drogenkonsums aufzuzeigen, blickt man zunehmend hinter die bröckelnde Fassade. (Premiere: Frühjahr 2018)

Foto: Lupi Spuma

Theaterpädagogik, Ensemble, Abosystem

Die 1991 in Aachen geborene Maximiliane Haß kommt mit der Spielzeit 2017.2018 neu ins Ensemble des Schauspielhaus Graz. In Graz gibt sie ihr Debüt als „Recha“ in „Nathan der Weise“. Unter dem Label „Schauspielhaus aktiv“ findet sich eine Fülle von Angeboten für alle, die sich nach, vor oder auch ohne einen Vorstellungsbesuch weiterführend mit Themen und Stoffen unseres Spielplans beschäftigen möchten. Mit Anfang September 2017 werden zwei weitere Stellen in der Theaterpädagogik des Schauspielhauses besetzt sein. So kann das umfangreiche Programm noch ausgeweitet und zusätzliche Formate geschaffen werden. Das Abonnementsystem des Schauspielhauses bleibt im Bereich der Fixplatzabonnements, die den AbonnentInnen die meisten Vorteile bieten, in derselben Weise bestehen wie bisher; eine Änderung und Vereinheitlichung des Scheckabonnement-Systems hingegen soll vor allem jenen Besucher*innen entgegenkommen, die Flexibilität schätzen und 20% ermäßigte Theaterfreude in Serie genießen möchten: Zusammengefasst werden die Scheckabos neu unter dem Begriff der 10er-Blöcke, die es in unterschiedlichen Varianten gibt. Neu ist darüber hinaus das Angebot eines „Supertages“, an dem etwa monatlich eine Vorstellung in HAUS EINS mit 30 % Ermäßigung besucht werden kann.

Foto: Lupi Spuma

www.schauspielhaus-graz.com

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