Hereinspaziert in die neuen Ausstellungen im Grazer Kindermuseum

Hereinspaziert in die neuen Ausstellungen im Grazer Kindermuseum

Foto: Hannes Loske

Mit den Mitmach-Ausstellungen „Meine Familie“ und „Zirkus FRidanella & freDissimo“ startet das Kindermuseum in die neue Saison. Im Vordergrund steht dabei wieder das spielerische Begreifen.

Text: Wolfgang Pauker

Seit seiner Eröffnung im Jahr 2003 zählt das Grazer Kindermuseum FRida & freD zu den beliebtesten Museen der Steiermark. Gelegen im Grazer Augarten und beheimatet in futuristischer Architektur, ist es ein Haus für alle Kinder, denen in den jährlich wechselnden Ausstellungen die Möglichkeit gegeben wird, die Welt in ihrer Vielfalt kennenzulernen und in ihrer Komplexität besser zu verstehen. Die aufwendig konzipierten Schauen folgen ausgehend von der wissenschaftlichen Inhaltserarbeitung stets der Devise „Hands On – Minds On“, was so viel bedeutet wie die kleinen Gäste und natürlich ihre Begleiter zum Kontakt mit den Objekten zu animieren, dadurch die Sinne und die Phantasie anzuregen und die Kreativität zu fördern.

Foto: Hannes Loske

Zirkusfamilie – Familienzirkus

Seit Anfang April heißt es im Grazer Kindermuseum „Manege frei!“ und hereinspaziert in das neue Programm Zirkus FRidanelle & freDissimo und Meine Familie. Für Kinder von 3 bis 7 Jahren dreht sich fortan alles um die lange Tradition des Zirkus, der bis heute nichts von seiner Attraktivität und Faszination verloren hat. Denn egal, ob es große Familienunternehmen oder kleine Zirkusse sind, in der Manege wird Unmögliches möglich und die aufregenden Eindrücke bleiben lange in Erinnerung. Den Bogen zum Thema spannt dabei eine Zirkusfamilie, der man durch die Ausstellung folgt und deren Künste die kleinen Artisten nachahmen können.

Foto: Hannes Loske

Für Kinder ab 8 Jahren wurde mit Meine Familie eine Schau konzipiert, die all das beleuchtet, was Familie heute sein kann. Denn was wir unter Familie verstehen und wen wir dazuzählen, kann von Mensch zu Mensch variieren. Wir sehen Familie als Ort, wo Menschen zusammenhalten und Verantwortung für sich und andere übernehmen. Wirft man aber einen zweiten Blick auf das Thema, wird es schon etwas komplexer, denn eine einzige gültige Vorstellung davon, was Familie ist, gibt es nicht mehr.

Die Mitmach-Ausstellung „Meine Familie“ lädt ein zum Kontakt mit den Exponaten. Foto: Hannes Loske

Vorhang auf!

Im ersten Stock des Kindermuseums hat nun ein Zirkus seine Zelte aufgeschlagen. Kaum ein Ort regt so zum Staunen und zum Lachen an wie die Manege, in der tollpatschige Clowns die Lachmuskeln strapazieren, durchtrainierte Artistinnen und Artisten in glitzernden Kostümen durch die Luft wirbeln, Jongleure den Eindruck erwecken, mehrere Arme zu haben, und scheinbar schwerelose Seiltänzer und kühne Seiltänzerinnen beim Betrachter nasse Hände hervorrufen. Neben Lustigem und Unglaublichem ist der Zirkus aber auch ein Ort, der zum Mitmachen anregt und die Lust an der Bewegung weckt. Beobachten Kinder die Zirkusleute, sind sie motiviert, diese Künste auch selbst zu beherrschen. Genau hier setzt die aktuelle Schau an und stellt die Köperwahrnehmung der Kinder in den Mittelpunkt. Sie probieren verschiedene Zirkusnummern aus, lernen Zaubertricks, stellen sich witzigen und attraktiven Herausforderungen, erleben dabei sich selbst und testen ihre Grenzen aus. Motorische Fähigkeiten werden gefördert und ein Blick hinter die Kulissen geworfen. Aus der Rolle des Publikums kennen die Kinder den Zirkus, im „Zirkus FRidanella & freDissimo“ sind sie selbst die Zirkusleute!

Foto: Hannes Loske

„Zusammene“ Momente

In Meine Familie gehen die Kids der Frage nach, ob es die klassische Familie wie aus dem Bilderbuch überhaupt noch gibt. Auch wenn jeder Mensch einer entspringt, so ist sie doch immer verschieden. Bei manchen vor Ort, bei anderen ganz weit weg. Einmal klein, dann wieder riesengroß. Sie kann laut oder leise sein, chaotisch oder ordentlich. Meistens mag man sie sehr, aber hin und wieder gibt es Streit und es fliegen die Fetzen. Die Ausstellung möchte das Thema Familie positiv besetzen und versucht, Antworten zu geben auf unterschiedliche Fragen: Wie viele Menschen braucht eine Familie? Sind Familie die Menschen, die wir am liebsten haben? Die, die uns am besten kennen, also vielleicht auch enge Freunde? Den Kindern wird in der Mitmach-Ausstellung Toleranz vermittelt und sie werden anhand eines Regenbogens, der die Buntheit der Gesellschaft symbolisiert, durch mehrere Stationen geführt, die die Diversität des heutigen Zusammenlebens widerspiegeln. Denn eines ist klar: Das Familienbild hat sich gewandelt, ist beweglicher, vielschichtiger, aber auch zerbrechlicher geworden.

Foto: Hannes Loske

Zirkus FRidanella & freDissimo: Hereinspaziert in die Mitmach-Ausstellung!

Bereits Kindergartenkinder leiden oft an grundlegenden Schwierigkeiten im Bereich der Körperwahrnehmung, dem Empfinden der eigenen Position im Raum, ihnen fehlt das Gefühl für Gleichgewicht oder ihre Bewegungskoordination ist unausgereift. Daher ist es wichtig, ihnen Spaß an Bewegung zu vermitteln und ihre motorische Entwicklung zu fördern. Die Ausstellung nutzt die magische Anziehungskraft, die Zirkus auf Kinder ausübt, und macht Lust auf spielerische Bewegung durch einfache Zirkustechniken. Das Team des Kindermuseums nimmt die Rolle der ZirkusdirektorInnen ein, die die Kompetenzen jedes einzelnen Kindes erkennen, Mut machen und Tipps geben. Die Fertigkeiten und Fähigkeiten der Zirkusleute vor Augen, probieren die Kinder verschiedene Bewegungsabläufe aus und entscheiden selbst, mit welchen Kunststücken sie in der ­Manege auftreten.

Ideal für Kinder von 3 bis 7 Jahren

Foto: Hannes Loske

Meine Familie: Eine Ausstellung über die „zusammenen“ Momente!

Beim Thema Familie spielen idealisierte Vorstellungen aus der Vergangenheit noch immer eine große Rolle. Die Kernfamilie ist zwar noch die häufigste Familienform, aber die Zahl sogenannter nicht konventioneller Lebensformen wird immer größer. Dazu gehören unter anderem Alleinerziehende, nichteheliche Lebensgemeinschaften, Fernbeziehungen, Patchworkfamilien oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. In der Ausstellung stehen acht unterschiedliche Familienkonstellationen gleichwertig nebeneinander und bieten die Gelegenheit, die Idee der Familie in ihrer Vielfalt kennenzulernen, über die Bedeutung der eigenen Familie nachzudenken und Verständnis und Toleranz für unterschiedliche Lebensformen zu entwickeln. Die thematischen interaktiven Stationen befinden sich auf einer regenbogenartigen, weichen Wohnlandschaft.

Ideal für Kinder ab 8 Jahren / Powered by Steiermärkische Sparkasse

Foto: Hannes Loske

Ich-GENial: Thema DNA im Labor

Im Labor, das auch Bibliothek und Atelier ist, dreht sich diesmal alles um die DNA des Menschen. Sie macht uns einzigartig, ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen, birgt aber viele Informationen in sich, die einen Menschen zu dem machen, was er ist. Im Labor kann man sich bei spannenden Experimenten selbst entdecken und seine Einzigartigkeit künstlerisch umsetzen.

Foto: Hannes Loske

FRida & freD – Das Grazer Kindermuseum

Kinder ab drei Jahren, Familien, Kindergärten und Schulen sind eingeladen, im Rahmen der Ausstellungen und Workshops und in den zahlreichen Rahmenprogrammen über das Jahr verteilt ihren Horizont zu erweitern. Auf rund 600 m2 Ausstellungsfläche auf zwei Geschoßen sowie Cafeteriabereich, Labor, Theater und Garten können sich die Kinder austoben und ihren unbändigen Wissensdurst stillen.

Fotos: Hannes Loske

Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Donnerstag: 9–17 Uhr; Freitag: 9–19 Uhr / Samstag, Sonn- und Feiertage: 10–17 Uhr / Dienstag: immer geschlossen, auch wenn der Dienstag auf einen Feiertag fällt!

Friedrichgasse 34, 8010 Graz

www.fridaundfred.at

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