Kreative Satire und politisches Fiasko erobern das Theater im Keller

Kreative Satire und politisches Fiasko erobern das Theater im Keller

Autor Martin G. Wanko

Mit Martin G. Wankos „Schiller – ein Lustspiel“ wird im Theater im Keller ein neues Stück der „Classics in the basement“-Reihe aufgeführt. Es ermöglicht einen heiteren Blick in die Seele mancher Staatsmänner.

Text: Martin Stoff

Der Autor Martin G. Wanko ist nach Stückaufträgen der am häufigsten im TiK zu sehende Autor des letzten Jahrzehnts. Seit 2001 ist er Regionaldelegierter der Grazer Autorenversammlung, zudem schreibt er die Literaturkolumne „Lesbar“ in den Vorarlberger Nachrichten, Rezensionen für das österreichische Nachrichtenmagazin „Profil“, für die Austria Presse Agentur in der Steiermark, für das österreichische Popmagazin „The Gap“ sowie für das Magazin „Sport Aktiv“. Er verfasste viele Theaterstücke, von denen bisher insgesamt acht im Theater im Keller aufgeführt wurden. Das Mitglied des TiK-Leitungsgremiums, das seine Karriere mit Brachialtheaterstücken wie „Who killed Arnie“ begann, hat nun mit Schiller – ein Lustspiel eine ganz besondere Politsatire beigesteuert. Er erarbeitete das Stück basierend auf Schillers Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. Handlung und dramaturgischer Aufbau bleiben in etwa gleich, sonst wurde aber kein Stein auf dem anderen gelassen. Die berühmte Tragödie wurde zum Lustspiel umgearbeitet.

Dem Idealismus seinen Tod

Schillers Protagonist strotzt vor wahrhaft großem Charakter. Mit den Worten „Ein Diadem erkämpfen ist groß. Es wegzuwerfen ist göttlich“ zerbricht er hier das Zepter der Alleinherrschaft und ruft die Freiheit Genuas aus.

Wanko misstraute diesem Idealismus Fiescos, der die Macht über Genua erobert, um sie in die Hände der Republik zu legen. Nicht daran glaubend, dass es den rein altruistisch handelnden Politiker gibt, verlegte er die Handlung daher in ein kenntlich entstelltes Comic-Wien. Hier wettstreiten „HC Fiesco“ und der Herzog von Vienna, Michele Doria, sowie dessen rechte Hand Sebastiano Verrina, „die junge Hoffnung“, um die Macht. Jeder von ihnen versteht die von ihm angestrebte Staatsform als Möglichkeit, den Staat in seinem Sinne zu formen und beabsichtigt sich selbst ein möglichst großes Stück vom Kuchen der Herrschaft zu gönnen. Der Satz „Der Staat braucht eine neue Form“ von Sebastiano Verrina kann daher nur als gefährliche Drohung verstanden werden. Und HC Fiesco meint nicht ganz zu Unrecht: „Ich muss gar nix tun. So schlecht wie ihr regiert, läuft mir das Volk in Scharen zu.“

Satire mit Köpfchen

Wanko versteht seine Schiller-Zertrümmerung als Möglichkeit, die Selbstzentriertheit und die Inhaltsleere österreichischer Politik satirisch zu beleuchten. Dass selbst ein Vollidiot demokratisch an die Spitze gelangen kann, gilt schließlich als erwiesen. Der zusätzliche Aspekt eines Kommentars an die Klassik rückt dabei nahezu in den Hintergrund. Um die Regie und Bühne kümmert sich diesmal Alfred Haidacher. Schauspieler sind Katrin Ebner, Laura Koch, Matthias Dielacher, Christian Krall und Alexander Kropsch. Die Kostüme stammen von Eva Weutz, Technik von Peter Spall. Martin G. Wankos Bühnenhamburger riecht gut, droht süchtig zu machen und ist mit einem Biss verspeist. Mit voller Absicht hinterlässt er ein Gefühl der Leere, das der im Stück angeprangerten Politik zwanghaft folgt.

Schiller – ein Lustspiel

Vorstellungen: 5., 6., 7., 8., 20., 21., 22., 27., 28., 29. April, jeweils 20 Uhr

Theater im Keller / Münzgrabenstraße 35, 8010 Graz

www.tik-graz.at

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