Volbeat live in Graz: „Wir freuen uns immer auf Österreich!“

    Volbeat live in Graz: „Wir freuen uns immer auf Österreich!“

    Volbeat-Frontman Michael Poulsen im Interview.

    Die dänischen Erfolgs-Rocker Volbeat kommen am 1. September – gemeinsam mit Flogging Molly und Amorphis – nach Graz. Zum Aufwärmen für echte Metal-Fans gibt’s Frontman Michael Poulsen bereits jetzt im „Achtzig“-Interview.

    Text: Stefan Schwar

    Das aktuelle Album „Seal the Deal & Let’s Boogie“ ist ein großer Erfolg – in Österreich gab es Platin dafür. Was ist die „USP“ von Volbeat?

    Ich denke, wir haben diesen typischen Signature-Sound, den man sofort erkennt, wenn man Volbeat hört. Bei uns kommen eine ganze Menge Einflüsse zusammen und das hört man natürlich. Das reicht von Metal, Punk, Country, Rockabilly, Gospel bis zu Blues und Country – und all das zusammen ergibt Volbeat …

    Auch in Verbindung mit Ihrer einzigartigen Stimme …

    Ja, ich bin mir voll bewusst, dass die Stimme ein unverkennbarer Teil von Volbeat ist. Man kann sie lieben oder man kann sie hassen. Aber das ist halt einmal so. Sie ist mit den Gitarrensounds und den Melodien ein wichtiges Element des spezifischen Volbeat-Sounds.

    „Boogie“ – das ist nicht unbedingt ein Wort, das man in einem Rock-Kontext erwartet. Aber bei Volbeat gibt es immer viel Unerwartetes. So ist auf „Seal the Deal“ auch der Harlem Gospel Choir zu hören. Was können die Fans in Zukunft noch alles erwarten?

    Wir haben definitiv viel ausprobiert im letzten Album. Es gibt viele Songs, bei denen ich mir wünsche, ich hätte sie schon früher so schreiben können. Aber es geht immer darum, dass man die richtigen Ideen zur richtigen Zeit hat. Diesen Gospel-Song wollte ich schon vor Jahren einmal machen, aber manche Ideen ergeben eben erst zu einer gewissen Zeit Sinn. Das ist auch die Art, wie wir arbeiten. Ich komme jetzt beispielsweise grade vom Proberaum und wir haben einen ersten neuen Song geprobt, der übrigens ziemlich heavy ist. Aber es ist viel zu früh zu sagen, was die Leute noch alles erwarten können. Wir haben gerade erst mit dem Songwriting begonnen.

    Volbeat: Am 1. September live in der Grazer Stadthalle.
    Foto: Nathan Gallagher

    Ist es manchmal einschränkend, als „Metal“-Band schubladisiert zu werden?

    Das ist mir ziemlich egal. Die Leute können uns einordnen, wie sie wollen. Ich denke da nicht wirklich groß drüber nach. Ich weiß schon, unser Stil ist nicht 100 % Heavy Metal und es ist nicht 100 % Clean Rock’n’Roll oder irgendwas anderes. Es sind so viele Stile, die zusammenkommen. Es liegt also an den Musikläden, Volbeat in das richtige Regal einzuordnen …

    Bei Volbeat sind nur noch 2 Gründungsmitglieder in der Band: Drummer Jon Larsen und Sie. Wie beeinflussen neue Musiker den Stil einer Band?

    Man weiß natürlich nie genau, was passiert. Mit Rob [der frühere Anthrax-Gitarrist Rob Caggiano, Anm.] haben wir viel geprobt, alte und neue Songs gespielt, um zu sehen, wie wir zusammenarbeiten. Rob war überaus schnell beim Erlernen des Materials. Natürlich hat er seinen eigenen Stil und das kann man ja definitiv auch hören. Rob ist ein exzellenter Gitarrist, nicht nur bei den Solos, sondern auch bei den Rhythmus-Parts. Er hat sich extrem gut in unseren Stil eingebracht und klingt einfach perfekt in der Musik von Volbeat. Unseren neuen Bassisten Kaspar [Kaspar Boye Larsen] kenne ich schon viele Jahre. Er ist ein großartiger Musiker, er weiß viel über Songstrukturen und Songwriting und geht auch ziemlich ins Detail. Das Songmaterial stammt nach wie vor fast zur Gänze von mir. Neubesetzungen ändern letztlich also nicht so viel, solange die Band in sich funktioniert und gut zusammenarbeitet. Dann wird es immer wie Volbeat klingen. Ich bin sehr stolz auf unser aktuelles Line-up – da kann ich mich echt nicht beschweren.

    Bei euch hört man unterschiedlichste musikalische Einflüsse – von Death Metal bis zu Elvis oder Johnny Cash. Was macht einen guten Song aus? Was gehört dazu, um ein Universum in 4 Minuten zu erschaffen?

    Da gibt es nicht wirklich ein Rezept dafür. Wir alle haben unterschiedliche Geschmäcker. Der beste Song der Welt kann für mich ganz was anderes sein als für jemand anderen. Ich mag Songs, die starke Riffs haben und einen Refrain mit einer guten Melodie, was vielleicht ja auch ein Grund für unseren Erfolg ist. Aber natürlich hängt es immer auch davon ab, wer den Song hört.

    Michael Poulsen in Action.

    Wie ist der Songwriting-Prozess? Schnappen Sie sich einfach eine Gitarre und schauen, was passiert? Und wenn eine Idee da ist, wie geht’s dann weiter?

    Das ist eigentlich ziemlich zufällig und kommt oft aus dem Nichts. Eine Melodie oder ein einleitendes Riff kann ganz plötzlich da sein, beim Laufen zu Beispiel. Wenn ich eine Gitarre nehme, dann definitiv, um an einem Song zu arbeiten. Ich hab‘ tonnenweise Material und Ideen, auf die ich zurückgreifen kann. Ich schau‘ dann, ob ich was davon verwenden kann. Später nehme ich das mit in den Proberaum und spiele es unserem Drummer Jon vor. Ich sag‘ ihm, wie ich mir den Song vorstelle und wie ich die Drums höre. Dann kommen die anderen dazu und bringen ihre Ideen ein, was den Song auch verändern kann. So in etwa läuft das ab.

    Im Mai seid ihr mit Metallica auf Tour. Früher habt ihr auch schon mit Anthrax, mit Motörhead, mit Megadeth und vielen anderen gespielt. Wie fühlt sich das an, in einer Liga mit diesen Ikonen der Rockmusik zu sein?

    Das ist ein Traum, der wahr geworden ist. Wir waren schon oft mit Metallica auf Tour, sind mittlerweile gute Freunde geworden und auch in ständigem Kontakt miteinander … Am Ende findet man heraus, dass wir alle menschliche Wesen sind, auch unsere Idole. Aber trotzdem: Mit Metallica zu touren, ist nach wie vor ein großartiges Gefühl. Es ist eine Riesen-Inspiration, mit der größten Heavy-Rock-Band der Geschichte unterwegs zu sein! Wir sind echt sehr, sehr stolz drauf!

    Am 1. September spielt ihr in Graz. Es scheint, als wären die Leute hier ganz verrückt nach Volbeat. Gibt es da etwas Besonderes bei den österreichischen Volbeat-Fans?

    Ja, Österreich war eine Zeit lang nicht in unserem Tourplan drinnen. Wir wollten aber unbedingt wieder einmal zurückkommen. Anfangs haben wir gedacht, dass vielleicht noch die Hälfte der Fans von früher dabei ist und dass wir die andere Hälfte verloren haben. Dann haben wir gesehen, wie viele Tickets wir verkaufen, und da war klar: Das ist der reine Wahnsinn, was da abgeht! Bei den Shows waren wesentlich mehr Leute, als wir es gewohnt waren, und die Fans unterstützen uns auch nach wie vor und kaufen unsere Alben. Zu Beginn unseres Gesprächs war schon vom Platinalbum die Rede: Darauf sind wir sehr stolz! Und wir werden uns immer drauf freuen, nach Österreich zu kommen!

    Foto: Ross Haflin

    Volbeat & Special Guests / Fr. 1.9.2017, Messe Graz Freigelände; Karten unter www.oeticket.com

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