Neue Galerie zeigt Porträt-Ausstellung: Anwesenheit des Abwesenden

Neue Galerie zeigt Porträt-Ausstellung: Anwesenheit des Abwesenden

Andy Warhol, Untitled from Marilyn Monroe, 1967 Foto: UMJ/N. Lackner © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Bildrecht, Wien, 2017hol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Bildrecht, Wien, 2017

In klugen Gegenüberstellungen von Porträts sucht die aktuelle Ausstellung nach Spannungen und Erkenntnisgewinn.

Text: Natalie Resch

Ohne das Porträt gäbe es weder die Malerei noch die Skulptur, heißt es. Alles soll mit dem Nachzeichnen und -formen eigener und fremder Schatten begonnen haben. In der Ausstellung „Wer bist du? Porträts aus 200 Jahren“ zeigt sich, dass sich die stellvertretende sowie erinnernde Funktion des Porträts bis heute erhalten hat. Es vergegenwärtigt Abwesenheit. Indem die Schau den Bogen vom 19. Jahrhundert über die Zwischenkriegszeit und die Vorboten der „Massenkultur“ in der Pop-Art bis hin zum Selfie-Hype spannt, kommt die kunsthistorisch äußerst spannende und mannigfaltige Ausdruckswelt des Porträts zum Vorschein. Gegenwärtige Phänomene stehen historischen gegenüber, werfen neue Fragen und Erkenntnisse auf: Kann Warhols Red Lenin (1987) dem Bildnis des Grafen Saurau von Heinrich Füger (1797) neue Aussagen entlocken? Oder welche Gemeinsamkeiten und Gegensätze gibt es zwischen Kriehubers Porträtlithographien der österreichischen Gesellschaft um 1850 und Warhols Siebdruckserie „Ladies and Gentlemen“ von 1975? Wie versuchten Künstler der Romantik und des Expressionismus in die Seele der Porträtierten vorzudringen, was hatte im Realismus repräsentative Kraft und was bedeutet eine Überpräsenz des eigenen Ichs im Zeitalter der sozialen Medien? Die Besucher finden in den rund fünfzehn Sälen und dem Stiegenhaus des gründerzeitlichen Museums nicht nur Porträts von Herrschern, Künstlern und den mit diesen in Verbindung stehenden Territorien, sondern auch eine Auseinandersetzung mit Masken- und Rollenspiel, der Auflösung des Bildes in Schrift, Sprache und digitale Daten, medialen und interaktiven Porträts. Die Namen der Künstler reichen von Friedrich Aduatz über Egon Schiele, Otto Mühl bis Cindy Sherman. Erstmals zu sehen sind die großformatigen Gemälde und Druckgrafiken der amerikanischen Pop-Art, die 2016 als Schenkungen der Sammlung Suschnigg ins Haus kamen.

Ausstellung: Wer bist du? Porträts aus 200 Jahren

Von 25. Mai bis 3. September 2017

Neue Galerie Graz, Joanneumsviertel, 8010 Graz

www.neuegaleriergraz.at

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