Hamburg: Kosmopolitismus & hanseatische Eleganz

Hamburg: Kosmopolitismus & hanseatische Eleganz

Hinter der alten Speicherstadt erhebt sich das neue Wahrzeichen Hamburgs: die Elbphilharmonie. Foto: Jorg Modrow

Einst Deutschlands Tor zur Welt, empfängt Hamburg heute die Welt mit offenen Armen. Der Hafen ist kosmopolitisches Symbol und wirtschaftlicher Motor einer Stadt, die längst auch Ankerpunkt für Kunst und Kultur ist.

Text: Wolfgang Pauker

Von Hamburgs Hafen aus brachen im 19. Jahrhundert rund fünf Millionen Menschen auf in eine Zukunft in Amerika und machten die Perle an der Elbe damit zum Tor zur Welt. Transportiert wurden sie mit den Schiffen der damals weltgrößten Schifffahrtsgesellschaft HAPAG, deren Generaldirektor Albert Ballin mit dem Wahlspruch „Mein Feld ist die Welt“ einst die Globalisierung vorwegnahm. Heute kommt die Welt nach Hamburg. Insbesondere kunstaffines Publikum, denn mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Hansestadt ging immer auch die Förderung von Kunst und Kultur einher, die für die Wirtschaftskapitäne im hohen Norden immer eine Selbstverständlichkeit war. Und auch heute noch investieren Stadt und großzügige Mäzene kräftig und schufen mit der Elbphilharmonie eines der imposantesten Konzerthäuser des Planeten.

Weltwunder der Postmoderne

Seit 2016 steht sie nun, die „Elphi“, wie sie von den Einheimischen genannt wird. Ihren Platz in deren Herzen musste sie sich erst erobern. Denn der Eröffnung ging nicht nur eine erhebliche Verlängerung der ursprünglich geplanten Bauzeit voraus, sondern eine Kostenexplosion auf rund 866 Millionen Euro. Immerhin rund das 10-fache der ursprünglich veranschlagten Budgets.

Foto: Thies Raetzke

Doch nun steht sie, weithin sichtbar in der neuen HafenCity, nahe der Mündung der Alster in die Elbe zwischen Industriehafen und alter Speicherstadt, als kultureller Leuchtturm und ist mittlerweile das neue Wahrzeichen Hamburgs. Über eine 80 Meter lange Rolltreppe, die „Tube“, fährt man hinauf zur „Plaza“, einer riesigen Aussichtsplattform, die man auch ohne eines der begehrten Tickets für ein Konzert besuchen kann und von der man einen gigantischen Ausblick über Stadt und Hafen genießt. Von hier gelangt man über ein ohnehin schon imposantes Foyer, ausgelegt mit Eichenparkett, in das Herzstück des Hauses: den großen Saal. Ein 2.100 Personen fassendes Wunderwerk der modernen Architektur, in dessen Mitte die Bühne thront. Rund um sie steigen weinbergartig die Tribünen auf. Die dreidimensionale Oberfläche des Saals besteht aus einem sich nicht wiederholenden Muster von Vertiefungen, die, mittels mathematischer Algorithmen am Computer erstellt, eine einzigartige Akustik gewährleisten. Neben dem großen Saal steht auch ein kleiner Saal mit 500 Plätzen für Kammermusik und Jazzkonzerte zur Verfügung, dessen Wände aus gefrästen und gewölbten Eichenhölzern aus dem Loire-Tal bestehen. Man könnte die Superlative endlos fortsetzen.

The Chicago Symphony Orchestra mit Riccardo Muti.
Foto: Todd Rosenberg

Tor zur Unterwelt

Spätestens mit der Elbphilharmonie wandelte sich auch das Bild Hamburgs. Dominierten einst die Reeperbahn, Hamburgs Tor zur Unterwelt, und Seemannsromantik das Image der Stadt, so lösen die Lichter der großen Musicalproduktionen in St. Pauli mittlerweile das Rotlicht ab. Ein Besuch am Kiez sollte dennoch keinesfalls ausbleiben. Im Viertel rund um Deutschlands sündigste Meile finden sich hippe Kaffees und Bars, die keineswegs zwielichtigen Charme versprühen. Dieser wird hier eher geschickt vermarktet und so kann man den Boxring im Keller der legendären Bar „Die Ritze“ etwa nur nach angemeldeter Führung besichtigen. Langweilig. Deshalb lieber gleich in aktuell angesagte Schuppen wie die Prinzenbar, wo unter Stuckdecke und Luster gefeiert wird. Auch die Große Freiheit, eine Seitenstraße zur Reeperbahn, besticht heute durch zahlreiche Live-Musikclubs anstelle der Etablissements, die einst zu ihrer Berühmtheit beitrugen.

Die Prinzenbar

Weltmännisch wohnen im Louis C. Jacob

Zeitgemäße hanseatische Gelassenheit auf höchstem Niveau findet man im Hotel Louis C. Jacob, dem sicherlich privatesten und persönlichsten der Hamburger Spitzenhotels. Dieses 5* Superior Haus direkt an der Elbe ist eigentlich eine Sehenswürdigkeit an sich, liegt in bester Lage an der Elbchaussee, Hamburgs Prachtmeile, und damit nah genug am Zentrum, aber weit weg vom hektischen Treiben der Großstadt.

Hotel Louis C. Jacob

In der Atmosphäre eines Kaufmannshauses findet sich neben 85 Zimmern und Suiten auch das Restaurant Jacob, mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet und eines der besten Restaurants Deutschlands. Ein weiteres Highlight des Hauses ist seine bereits 1791 errichtete Lindenterrasse. Von hier, hoch über der Elbe, lässt sich im Sommer unvergleichlich erleben, was Hamburg groß und berühmt gemacht hat: Hafen, Schiffe und der breite Elbstrom. Weltberühmt verewigt wurde sie von Max Liebermann, einem der bedeutendsten Vertreter des deutschen Impressionismus, in seinem Ölgemälde Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten an der Elbe aus dem Jahr 1902.

Max Liebermann (1847-1935), Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten an der Elbe, 1902.
Foto: Elke Walford

Zu bewundern ist das Original in der Hamburger Kunsthalle. Ein weiteres Original Liebermanns hängt in der Wohnhalle des Hotels. Überhaupt steht das Haus für die Fortführung der großen hanseatischen Traditionen der Förderung von Kunst und Kultur. Die Inhaberfamilie hat eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen Norddeutschlands zusammengetragen, deren über 500 Arbeiten hier zu bewundern sind. Eine enge Zusammenarbeit besteht auch mit der Elbphilharmonie: So verfügt man über ein Kontingent der begehrten Tickets und schippert seine Gäste sogar mit der eigenen Barkasse MS JACOB zum Anleger des Konzerthauses.

Im Restaurant Jacob schreibt Chefkoch Thomas Martin die ursprüngliche französische Hoch-Küche weiter.
Foto: Ydo Sol Images

 


 

Tipps für Lunch und Dinner

 

TrüffelSchwein – Zeitgemäße, moderne Küche auf Top-Niveau

Restaurant Trüffelschwein
Mühlenkamp 54
www.trueffelschwein-restaurant.de

Am Mühlenkamp, im noblen Bezirk Winterhude an der Außenalster, tischt Kirill Kinfelt französisch-internationale Küche, begleitet von einer großen Auswahl an exzellenten deutschen und internationalen Weinen, auf. Purer Geschmack steht dabei im Mittelpunkt, wenn er seine zeitgemäßen, modernen Kreationen auf die Teller zaubert. Ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern zählt es zu den besten Restaurants der Stadt. Das Service ist kompetent, bemüht und das Menü wird im gediegenen Ambiente regelrecht zelebriert. Unbedingt probieren: Das Iberico-Schwein mit schwarzer Trüffel. Ein Hochgenuss.

 

Le Canard Nouveau – Geradlinige Küche, moderne Architektur


Restaurant Le Canard Nouveau
Elbchaussee 139
www.lecanard-hamburg.de
Foto: Tim Oehler

Mit Florian Pöschl hat ein junger Spitzenkoch das Zepter des Le Canard Nouveau in der Hand. Gelegen in großartiger Architektur mit lichtdurchfluteten Räumen und Blick über die Elbe auf das geschäftige Treiben des Hafens, serviert man hier im eleganten Rahmen fabelhafte, geradlinige und schnörkellose Kreationen, die ähnlich puristisch sind wie das Gebäude, in dem man diniert. Reduktion auf das Wesentliche gilt sowohl für die Atmosphäre als auch für den Geschmack. Treffsichere Gerichte, hergestellt aus hervorragenden Produkten, sind garantiert. Ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern.

 

Heldenplatz – Casual Fine Dining bei der Speicherstadt

Restaurant Heldenplatz
Brandstwiete 46
www.heldenplatz-restaurant.de

Das Team rund um Koch Markus Hampp, Sommelier André Jean-Marie Nini und Julia Stevens kreiert französisch geprägte, saisonale Gerichte auf Höchstniveau und serviert diese bis 2 Uhr (!) morgens. Am Rande der Speicherstadt, ganz in der Nähe der Elbphilharmonie, perfekt, um nach kulturellem Hochgenuss nicht auf Gourmetküche verzichten zu müssen. Die Weinkarte erfüllt sämtliche Ansprüche und das Konzept folgt dem Grundsatz Casual Fine Dining: also Spitzenküche, aber in wunderbar entspanntem Ambiente. Mittlerweile kein Geheimtipp mehr – man sollte hier unbedingt vorbeischauen.

 

Restaurant Atlantic – Klassisch, maritim & regional

Restaurant Atlantic
An der Alster 72-79
www.kempinski.com

Seit über 100 Jahren steht die Grand-Dame der Hamburger Spitzenhotels und Heimat von Udo Lindenberg für hanseatische Tradition – auch kulinarisch. Neben Klassikern wie der weltberühmten Hummersuppe oder stilecht am Tisch zubereiteten Crêpes Suzette gelingt es dem jungen Küchenchef Alexander Djolai mit raffinierten Kreationen, das Erbe legendärer Atlantic-Gerichte zu bewahren und es mit Neuinterpretationen, internationalen Einflüssen sowie kreativen Innovationen zu bereichern. Der vielfältige Geschmack des Nordens wird hier direkt an der Alster zum ganzheitlichen Erlebnis. In der Zigarrenlounge trifft man mit etwas Glück Udo.

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