Kulturstadtrat Günter Riegler über Kunst, Politik und Subventionen

    Kulturstadtrat Günter Riegler über Kunst, Politik und Subventionen

    Kulturstadtrat Günter Riegler. Foto: Markus Schuster

    Ist es verwerflich mit Kunst und Kultur erfolgreich zu sein? Wohin geht die Reise für die Grazer Kunst- und Kulturszene? Ein Interview mit dem neuen Kulturstadtrat Günter Riegler.

    Was haben die ersten Wochen im Amt gezeigt? Wird es bei der Förderverteilung große Veränderungen geben?

    Der größte Teil des Budgets ist nach wie vor für die Beteiligungshäuser wie Theaterholding, Graz-Museum oder den steirischen herbst reserviert. Es wird in etwa in dieser Größenordnung weitergehen, wie es unter meinen Vorgängern gehandhabt wurde. Der zweite große Teil bleibt für die freie Szene reserviert. Für diese wird es keine Abstriche geben. Was allerdings im Bereich des Möglichen liegt, ist ein Zwischenschritt bei den langfristigen Verträgen. Damit will ich mir Handlungsspielraum verschaffen. Ich möchte die 32 Millionen, die unser Kulturbudget ausmachen, so einsetzen, dass man in den nächsten Jahren eine Handschrift erkennen kann, eine Denkrichtung, in die ich arbeite und die Graz weiterentwickelt.

    Stichwort langfristige Förderverträge: Wie viel Sicherheit können sich Künstler und Kulturbetriebe weiterhin erwarten?

    Wir haben nun 70 mehrjährige Förderverträge, so viele wie nie zuvor in Graz. Stabilität ist ein wesentlicher Faktor und muss für erfolgreiche Kultureinrichtungen gegeben sein. Aber eines ist auch klar: „Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.“ Das habe ich selbst als Ehrenamtlicher in diversen Vereinen gelernt. Man muss auch aus eigener Kraft etwas erreichen können.

    Wo sehen Sie kulturpolitisches Optimierungspotenzial?

    Als Kulturpolitiker kann man ohnehin nur Förderer und Ermöglicher sein, und man ist auf eine vitale Szene angewiesen. Ich denke aber, man könnte in der förderamtlichen Mechanik gewisse Dinge optimieren. Zum Beispiel ein einheitliches Fördersystem in Stadt und Land verwirklichen. Darüber hinaus kommt es ja nicht selten vor, dass jemand mit einem Projekt bei unzähligen Stellen ansucht. Womöglich gäbe es hier Gelegenheit, einige Dinge zu begradigen. Die Leute sollten ihre kreativen Kräfte für ihr kulturelles Schaffen und nicht für das Abgrasen unzähliger Fördermöglichkeiten verwenden.

    Fördern und Ermöglichen schließt ein selbstständiges Entwickeln in der Kulturpolitik aus? Zum Beispiel in Form eines neuen Festivals, wenn es ein solches brauchen würde, beispielsweise ein Jazz-­Festival?

    Ich bin immer skeptisch, wenn Politiker sich Denkmäler setzen wollen. Natürlich haben viele große Marken ein Gesicht hinter ihrer Entstehungsgeschichte, aber ich gehe an meine Aufgabe mit großer Demut heran. Die Aufgabe eines Politikers sollte es nicht sein, von etwas selbst der größte Fan zu werden. Denn dann macht man immer das, was man persönlich bevorzugt. Schon aus diesem Grund würde ich niemals ein „Riegler-Festival“ in die Welt setzen. Davon abgesehen hat Graz schon genug Festivals, die gut funktionieren.

    Wann funktioniert Kultur? Im Sinne von Veranstaltungen oder Ausstellungen?

    Neben einer künstlerischen Relevanz, die immer von einer Community bestätigt werden muss, halte ich es nicht für verwerflich, mit Kunst und Kultur erfolgreich zu sein und damit viele Besucher zu generieren. Wer der Meinung ist, Kunst ist nur dann super, wenn sie niemanden interessiert, findet bei mir kein offenes Ohr. Je mehr Menschen sich mit Kunst und Kultur beschäftigen, umso besser. Ein Projekt wie Klanglicht funktioniert zum Beispiel. Es ist doch schön, wenn man sieht, wie viele Menschen sich das angesehen haben.

    Wie wirtschaftlich kann oder darf ein Projekt in Zukunft sein, für das um Subvention angesucht wird?

    Da kann ich nur sagen: Hoffentlich funktioniert etwas kommerziell. Auf gewisse Weise ermöglicht das sogar die Frage, ob etwas überhaupt förderungswürdig ist. Interessant ist doch immer die Einflugschneise für Förderungen, die Projekte bieten. Sie liegt zwischen gar keinen Besuchern und gefüllten Stadien. Irgendwo im Mittelbereich liegt wohl die Antwort. Aber die Frage ist schon berechtigt, ob es Sinn macht, eine Veranstaltung oder Ausstellung zu fördern, die so gut wie keine Besucher zählt. Eventuell wären solche Projekte in einer Gemeinschaft besser aufgehoben.

    Wie wichtig ist die Vielfalt für eine Kulturlandschaft wie jene von Graz?

    Für mich stellt sich hier als Kulturpolitiker die Gegenfrage: Wie viel Vielfalt halten wir noch aus? Kleinstorganisationen, die auf einem Mikro-Level Miniförderungen beantragen, halte ich nicht unbedingt für zukunftsweisend. Wäre es nicht besser, wenn all diese kleinen Organisationen zusammenarbeiten? Im Kulturbereich müsste es viel mehr Kooperationsbereitschaft geben. Das könnte einiges bewegen.

    Werden Sie Dinge, von denen Sie überzeugt sind, auch entgegen der Expertise des Förderbeirates unterstützen?

    Müsste man sich im konkreten Fall ansehen. Kann durchaus sein.

    Sie haben schon als Mittelschüler mit einem eigens dafür gegründeten Verein jungen Künstlern erste Auftrittsmöglichkeiten verschafft. Werden junge Künstler unter Ihnen als Kulturstadtrat nun besondere Aufmerksamkeit erhalten?

    Ich möchte jungen Künstlern absolut mehr Möglichkeiten bieten, als es bisher der Fall war. Ich denke auch, dass es gerade in diesem Bereich große Kooperationsmöglichkeiten mit dem Bildungsressort der Stadt Graz geben kann.

    Ein Anliegen der ÖVP Graz im Wahlkampf war es, private Galerien zu unterstützen. Gibt es hier schon konkrete Ideen bzw. wie kann eine Galerienförderung aussehen?

    Die große, konkrete Idee gibt es noch nicht. Ich habe es mir aber fest vorgenommen, in diesem Bereich etwas zu bewegen. Bisher war die Zeit noch zu kurz. Ende Juni wird das neue Budget der Stadt vorgestellt, davor kann man ohnehin schwer etwas auf die Beine stellen.

    Es heißt: Seit langem hat Graz wieder einen Kulturstadtrat, der sich wirklich für Kunst und Kultur interessiert. Was macht einen kulturinteressierten Politiker aus?

    Nicht als Fan zu agieren! Es sollte nichts aus persönlicher Vorliebe entstehen. Jede Sparte in der Kunst sollte die gleichen Chancen bekommen.

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