Tief durchatmen am Fuße des Grimming: Der Natur so nah

Tief durchatmen am Fuße des Grimming: Der Natur so nah

Foto: Armin Walcher

Es gibt sie noch, die unberührte Natur. Saftige Wiesen, übersät von hellrot leuch­tenden Almrauschblüten. Dunkelgrüne Moosteppiche, die sich von einem Berg zum anderen ausbreiten. Am Fuße des Grimmings steht die Zeit still. Kein Straßenlärm stört die Gedanken. In vollkommener Ruhe an rauschenden Gebirgsbächen vorbeizuwandern, ohne jemandem zu begegnen. So fühlt sich Freiheit an.

Text: Julia Braunecker

Majestätisch ragt der 2.351 Meter hohe steinerne Riese aus den Wäldern hervor und spendet Ruhe. Der Grimming ist der höchste freistehende Berg der Alpen und Teil der Dachsteinfamilie. Im Winter schwingen Skifahrer über die sanften Pisten und weiten Hänge des Gebiets. Doch die Region rund um den Grimming ist auch im Sommer ein Geheimtipp für naturliebende Menschen. In der unberührten Berglandschaft können sie dem Lärm entrinnen, Sorgen ausatmen und kristallklare Luft bis tief in die Lungenspitzen einatmen.

Der Grimming
Foto: Armin Walcher

Aber auch die Kultur wird immer mehr zum Aushängeschild der Region. Das Angebot reicht von Museumsausstellungen an märchenhaften Orten bis hin zu einem Skulpturengarten mitten in der Natur. Vom 17. bis 20. August 2017 erweckt Folke Tegetthoff mit seinem Geschichtenerzählfestival den sagenumwobenen Berg zum Leben. Musikinstrumente werden die Klamm in einen Konzertsaal verwandeln, Kinobesucher auf den Berggipfel pilgern und Märchenwesen den Wald verzaubern. Ob Natur, Sport oder Kultur, ob Ausflüge, Wanderungen oder Bogenschießen – hier findet sich für jeden das Richtige.

Die Region Grimming-Donnersbachtal

Fernab vom Skizirkus liegt die Gemeinde Irdning-Donnersbachtal mit seinen Ortschaften Irdning, Donnersbach sowie Donnersbachwald versteckt. Unter dem Motto „Klein, aber fein“ verbringen Gäste hier eine Auszeit im familiären Umfeld, wo Herzlichkeit und Gastfreundschaft großgeschrieben werden. Neben einer Handvoll Hotels vermieten viele Familien private Zimmer und Appartements. Im neu erbauten Hüttendorf wohnt es sich besonders urig: mit eigenem Kräutergarten und finnischer Sauna am Waldrand. Das im Jahr 1711 gegründete Kapuzinerkloster Falkenburg ist durch seine Schweigeexerzitien weit über Österreichs Grenzen hinaus bekannt. Unterhalb des Bergmassivs des Grimmings liegt die Gemeinde Aigen im Ennstal. Sie beherbergt nicht nur das Fünf-Sterne-Hotel Schloss Pichlarn mit alpinem Golf­resort, sondern auch den Putterersee, der als wärmster Moorsee der Steiermark gilt.

Foto: Armin Walcher

Die Gemeinde Wörschach liegt am Fuße der mittelalterlichen ­Burgruine Wolken­stein und lädt zu einer wild­romantischen Klammwanderung ein. Ins­­ge­samt wartet die Region mit 3.773 Gästebetten auf.

Besondere Gipfelmomente auf der Riesneralm

Je höher man auf einen Berg hinaufgeht, desto kleiner werden die Sorgen. Gut zwei Stunden brauchen trainierte Wanderer bis zum Gipfel der Riesneralm. Es muss jedoch nicht immer der Fußweg sein: Mit der Sommerbergbahn kann man auch hoch über den Tannenwipfeln gemütlich auf den Gipfel schweben. Die Riesneralm ist das Lebensprojekt von Geschäftsführer Erwin Petz, der vor neun Jahren damit begonnen hat, „seinen“ Skiberg auch im Sommer erlebenswert zu machen. Statt ohrenbetäubender Hüttengaudi überrascht Petz seine Gäste mit kreativen Ideen, die man so auf keinem anderen Gipfel findet. Oben angekommen, kann man seit letztem Jahr ein Bad auf 1.900 Meter Seehöhe nehmen. Wasserratten tauchen im „Gipfelbad anno dazumal“ ins kühle Nass, das mit 26 Grad Wassertemperatur gar nicht so kühl ist. Drei Glaswände schützen den Badegast vor dem Wind und geben den Blick auf ein herrliches Alpenpanorama frei. Wer auf die Badehose vergessen hat, kann diese vor Ort kaufen. Im Sommer genießt man badend die letzten Sonnenstrahlen. Am besten mit einem Steak vom Holzkohlengrill. Jeden Freitag gibt es in der modernen Almhütte „Hochsitz“ Gipfelbaden und Grillerei bis 21 Uhr.

Riesneralm Gipfelbad

Ein besonderes Highlight ist der „Gipfel-Barfuß-Weg“. Zwanzig Minuten dauert die Wanderung von der Bergstation bis zum Gipfelkreuz. Wer will, entledigt sich seiner Wanderschuhe und spaziert barfuß über Fichtenzapfen, Schlammmulden oder den natürlichen Almboden. Durch die kurze Gehzeit ist der Gipfelsieg auch für weniger Mobile zu schaffen. Zum Klettern und Toben für die nimmermüden kleinen Gäste gibt es einen Tierpark aus Holz. Drei bis vier Meter hohe Murmeltiere, Füchse und andere Wildtiere sind am Gipfel verteilt und warten darauf, von den Kindern erklommen zu werden. Beim darunterliegenden Teich balancieren sie über eine Slackline und angeln nach Holzfischen. Bei der „Kinderschatzsuche“ darf sich jeder eine kleine Überraschung aus Holz mit nach Hause nehmen. Ein außergewöhnliches Sitzmöbel ist der „Squarechair“, der als viereckiges Holzkonstrukt zwei Bänke und einen Jausentisch umrahmt. Das Dach schützt die Wanderer vor Sonnenbrand und sorgt für eine romantische Atmosphäre in Zweisamkeit. Hungrige können sich auf Wunsch in der Talstation einen Picknickkorb zusammenstellen lassen. Wer es lieber geselliger hat, speist auf der Panoramaterrasse oder in der Zirbenstube in der Berghütte „Hochsitz“. Die Hütte ist außerdem Ausgangspunkt für viele weiterführende Wanderwege. Im Winter führen vier Talabfahrten auf 30 Pistenkilometern ins Tal zurück.

Tel. +43 3680 606, info@riesneralm.at, www.riesneralm.at

Wandern auf der Riesneralm

Idyllisches Bergdorf auf der Planneralm

In dem zwischen 1.600 und 2.000 Meter hoch gelegenen Wandereldorado befindet sich die Planneralm mit dem höchstgelegenen Bergdorf der Steiermark. Von Donnersbach ist die Alm über eine 12 Kilometer lange, mautfreie Straße erreichbar. In der dorfeigenen Latschenbrennerei wird seit 50 Jahren aus den Ästen der Krummholzkiefer Latschenkieferöl gewonnen und zu Medizin weiterverarbeitet. Im Robin-Hood-Land können Anfänger und Fortgeschrittene auf einer Bogensport-Anlage und einem Bogenparcours ihren Stress loswerden. Und auf dem Kasweg (Gehzeit 30 Minuten) erklären Informations­tafeln die traditionelle Verarbeitung von der Milch zum Milchprodukt. Das Dorf ist Ausgangspunkt zahlreicher Wanderrouten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Ein gemütlicher Kräuterlehrpfad führt etwa zum Plannersee, Trainierte wandern eine Stunde bis zum Grat. Im Winter laden Abfahrten mit einer Gesamtlänge von 15 Kilometer zum Skifahren ein.

Tel. +43 3683 8175, www.bogenschiessen.at, ­www.latschenbrennerei.at,
Schrabachalm, Tel. +43 664 388 91 50, www.planneralm.at

Planneralm
Foto: Armin Walcher

Meditieren und Spazieren in der Donnersbachklamm

Zur rechten Seite das Flussbett, links davon Urwald und Wiese – und in der Mitte entspringt ein schmaler Pfad. Rauschende Wasserfälle, Farnwedel und vom Schwefel knallgelb gefärbte Felsflechten säumen den naturbelassenen Weg durch die Donnersbachklamm, die 1991 zum Naturdenkmal erklärt wurde.
Neben dem Flussbett liegen immer wieder riesige, entwurzelte Baumstämme, die bewusst nicht aus dem Weg geräumt werden: Hier haben die Naturgewalten noch das Sagen. Früher transportierten Holzknechte im rauschenden Schmelzwasser Baumstämme zu Tal. Heute tanken hier Besucher kühle Luft und Energie. Ein zwei Stunden langer Rundweg startet beim Parkplatz vom Gasthof Leitner und führt vorbei an einer alten Holzknechthütte und einem Triftrechen. Infotafeln entlang des Pfades erzählen vom Leben der Triftleute, von den im Donnersbach schwimmenden Fischen, den Pflanzen und der Geologie. Bei der erfrischenden Wanderung über Stock und Stein empfiehlt sich trittsicheres Schuhwerk.

Ausgangspunkt: Gasthof Leitner in Donnersbach, bei freiem Eintritt täglich von Mai bis Oktober geöffnet

Donnersbachklamm
Foto: Armin Walcher

Kulturgenuss im Märchenschloss

Was tun, wenn es regnet? Die Antwort lautet: Kultur! Am Fuße des Grimmings gibt es nämlich nicht nur einen Märchenwald, sondern auch das Barockschloss Trautenfels, das 1261 erstmals geschichtlich erwähnt wurde. In zwölf Schauräumen wird den Besuchern die Natur- und Kulturgeschichte der Region nähergebracht. Hinter den Glasvitrinen befinden sich Tierpräparate, Erze und Mineralien, aufwendig gestickte Trachten und landwirtschaftliche Geräte. In der Waldausstellung wachsen täuschend echte Baumstämme. Für Gänsehaut sorgt das Jagdzimmer des Grafen Lamberg, dessen Möbel zur Gänze aus Hirschgeweihen angefertigt wurden.

Herbert Brandl, „Grimming“
Foto: Reichenfelser

In Anlehnung an das 500. Jubiläum der evangelischen Reformation setzt sich die aktuelle Sonderausstellung mit Glaubensfragen auseinander. Kuratorin Katharina Krenn stellt Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Weltreligionen dar und thematisiert die ehemalige Rolle des Schlosses als Reformationszentrum. Auch Kuriositäten gibt es zu sehen: So stellt der „Gebetomat“ des Berliner Künstlers Oliver Sturm 300 Gebete aus den fünf Weltreligionen zum Anhören zur Verfügung.

Kontakt: +43 3682 222 33-44, trautenfels@museum-joanneum.at, www.museum-joanneum.at/schloss-trautenfels

Schloss Trautenfels

Skulpturenpark

Sehenswert für Kulturinteressierte ist auch der Skulpturenpark in Irdning. Im Rahmen des Grimming-Symposions im Jahr 1997 wurden von Bildhauern aus ­Ruanda, Litauen, England, der Türkei und natürlich aus Österreich über 60 Skulpturen aus Holz und Stein geschaffen. Sie laden zu einer Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst mitten in der Natur ein. Die Sammlung ist ständig und bei freiem Eintritt geöffnet. An den einzelnen Objekten sind Informationstafeln mit einem QR-Code angebracht.

Kontakt: +43 3682 224 20-25,
Skulpturenpark Irdning, 8952 Irdning

Skulpturenpark

 


 

Der Berg. Das Tal. Das Geschichtenfestival

Das Storytelling-Festival verwandelt eine der märchenhaftesten Regionen der Steiermark in eine Bühne. Vor dem Hintergrund des gewaltigen Grimmings und des mystischen Donnersbachtals werden an atemberaubenden Lokalitäten Märchen, Mythen und Geschichten zu neuem Leben erweckt. Neben der klassischen Erzählkunst werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch mittels Pantomime, Musik und Bildern in eine wunderbare Fantasiewelt geleitet.

  1. August – iBUCH: Die erzählenden Bücher

Skulpturenpark Irdning, 17–19.30 Uhr, freier Eintritt. Für Familien. Riesige, multimediale Bücher laden zum Zuhören, Facebooken, Instagrammen und Bloggen ein.

  1. August – Kino am Berg

Riesneralm, Donnersbachwald, 20–23 Uhr, Kinoticket 6 € (Kombi-Ticket inkl. Eintritt am Berg: 22 €). In Kooperation mit dem Bergfilmfestival gibt es auf einer Leinwand auf der Riesneralm vier Abenteuerfilme zum Thema „Der Mensch und der Berg“ zu sehen. Für Erwachsene.

  1. August – Musik ERZÄHLT in der Klamm

Donnersbachklamm, 15–18 Uhr, freier Eintritt.
Regionale sowie internationale Musiker und junge Bands bespielen die Klamm mit ihren Instrumenten. Für Familien.

  1. August – Gott ist überall zu Hause.

Schloss Trautenfels, 20–22.30 Uhr, Tickets VVK: 20 €, AK: 24 €
Künstler aus vier Weltreligionen erzählen Märchen aus ihrer Heimat. Für Erwachsene.

  1. August – MÄRCHENwandern

Schrabachalm, Planneralm, 15–18 Uhr, freier Eintritt. Für Familien.
Bei dieser Wanderung begegnet man Feengestalten und bekommt sagenhafte Geschichten aus der Region erzählt.

Tickets und Infos: +43 3682 23 999, office@grimming-donnersbachtal.at,
www.machtsinn.at

 

TEILEN