TiK-Sommertheater im Ferdinandeum: „Normans Eroberungen“

TiK-Sommertheater im Ferdinandeum: „Normans Eroberungen“

Alan Ayckbourn, König der anspruchsvollen englischen Boulevard­komödie, hat mit seiner Stückeserie „Normans Eroberungen“ ein interessantes Experiment gewagt.

1973 schrieb Ayckbourn mit Normans Eroberungen eine Trilogie von Bühnenstücken, die am gleichen Wochenende, auf dem gleichen Grundstück und mit den gleichen auftretenden Personen spielt. Sogar die Basishandlung der drei Stücke ist die gleiche. Nur die Orte, an denen die Komödie spielt, variieren: Tischmanieren im Esszimmer, Trautes Heim im Wohnzimmer und mit Quer durch den Garten zeigt Ayckbourn, wie sein bürgerliches Beziehungsverwirrstück im Garten des Hauses abgelaufen wäre. Jedes der drei Stücke ist abendfüllend und die Trilogie daher nicht für eine gemeinsame Aufführung gedacht. Im Vorjahr hat das Theater im Keller in seinem Sommertheater bereits Quer durch den Garten erfolgreich in den Hof des Ferdinandeums gebracht. Heuer versucht es sich unter der Regie von Bernd Sracnik an der zweiten Variation: Trautes Heim.

Verwirrspiel im Wohnzimmer

In Trautes Heim stellt sich die zentrale Frage: Wo sucht man nach Gemütlichkeit? Im Wohnzimmer hofft man sie zu finden. Und findet? Kreischende Frauen, Liebende in und auf Teppichen und jede Menge Familie. Zeigt Ayckbourn im Esszimmer noch die Abgründe seiner Charaktere auf, lässt er im Wohnzimmer bereits große familiäre Nähe zu. Freundschaften und Bezugspunkte werden klar, man lässt sich in die Sessel sinken und betrachtet amüsiert und berührt die Ver- und Anwandlungen der Verwandten.

Britischer Humor vom Feinsten

Das klein besetzte Stück ist ein typischer Ayckbourn. Es gibt lediglich sechs Personen, namentlich Norman, seine Frau Ruth, ihren Bruder Reginald und seine Frau Sarah sowie Ruths Schwester Annie und Tom, einen alternden Tierarzt aus Annies Nachbarschaft. Annie ist leicht frustriert, weil sie das ganze Jahr über die Verantwortung für die zu pflegende Mutter innehat, und vor allem Norman ist es, dessen sonniges Gemüt nicht alle Familienmitglieder erheitert. Annie wünscht sich nichts mehr, als endlich ein Wochenende gemeinsam mit Norman am Meer zu verbringen. Doch dem guten Norman ist nur die Buchung eines Hotels im kleinen Kaff East Grinstead geglückt, welches zumindest auf dem Weg ans Meer liegt. Bei allen Verwechslungen, Missverständnissen, Seitensprüngen – seien sie nun erhofft oder tatsächlich Realität – versteht es Ayckbourn auch, den Abgrund von unerfüllten Sehnsüchten, der unter der hoch amüsanten Handlung liegt, nicht zu vernachlässigen.

Alan Ayckbourn, ein Meister seines Fachs

Der Autor wurde 1939 in Hampstead (London) geboren und ist Verfasser vieler Theaterkomödien. Er schrieb bereits im Alter von zehn Jahren Stücke und begann Ende der 1950er Jahre als Schauspieler seine Theaterkarriere. Mittlerweile hat Ayckbourn mehr als 70 Theaterstücke geschrieben und gilt als einer der erfolgreichsten Komödienautoren Europas. Seine Theaterstücke wurden in vierzig Sprachen übersetzt und enthüllen meist menschliche Schwächen der Mittelschicht im Umgang miteinander. Die Hamburger „Zeit“ schrieb über ihn: „Wo Shakespeare die Menschen exemplarisch fallen lässt, sieht Ayckbourn sie alltäglich hüpfen, stolpern und tanzen. Wo bei Shakespeare die Männer Macht und Bedeutung haben, sind bei Ayckbourn längst die Frauen Trägerinnen der Potenz und des Lebenswillens. Seine Männer sind einfühlsame, zaudernde Wichte.“

Premiere: 2. August, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen: 3., 4., 7., 8., 9., 10., 11., 12., 15., 16., 17., 18. 19., 22., 23., 24., 25., 26. August 2017, jeweils 20 Uhr

Theater im Keller im Hof des Ferdinandeums, Hof B, Färbergasse 11

www.tik-graz.at

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