Kunstuniversität Graz: Die neue Aboreihe steht in den Startlöchern

Kunstuniversität Graz: Die neue Aboreihe steht in den Startlöchern

Marc Piollet (Prof. für Orchesterdirigieren) dirigiert das KUG-Orchester. Foto: Johannes Gellner

Vielfältig präsentiert sich die Abo-Saison 2017/2018 der Kunstuniversität Graz. Rund 50 Veranstaltungen stehen auf dem Programm, darunter Hans Werner Henzes Oper „Das verratene Meer“ sowie Georg Büchners Drama „Woyzeck“. Zuhörende und Zusehende unterstützen den künstlerischen Nachwuchs und die Zukunft der institutionellen Kunstausbildung in Graz.

Text: Julia Braunecker

Wozu Kunst? Weil uns die ästhetische Erziehung zur Freiheit führt, meinte Friedrich Schiller. Weil sie das Gewissen der Menschheit ist, schrieb Friedrich Hebbel. In der Vergangenheit musste die Kunst immer wieder um ihre Existenzberechtigung kämpfen. Heute gehören Kultur und Kreativität zwar zu den Grundfesten Europas, wirtschaftliche und politische Unsicherheiten verlangen den Ausbildungsstätten dennoch viel Einsatz ab. Unter dem Motto „Es ist die Kunst – zu leben“, stellt sich die Kunstuniversität Graz der Herausforderung und startet mit den Worten Rilkes in den neuen Abo-Zyklus. „Kunst ist einfach ein Lebensmittel: eine Form der Auseinandersetzung mit uns selbst und der Welt, die unser Leben besser macht“, erklärt Rektorin Elisabeth Freismuth. Jenseits ökonomischer Begriffe stelle die Kunst einen Wert an sich dar. „Sie ist eine Form der kritischen Auseinandersetzung mit den Fragen der Zeit, die unsere Gesellschaft bitter nötig hat.“

Vielfältige Einblicke

Mit dem kommenden Herbst geht die innovative Aboreihe in die 36. Runde. Sie gibt einer breiten Öffentlichkeit Einblicke in die vielfältigen Ausbildungsrichtungen, die von Orchester-, Chor- und Kammermusik über Jazz bis hin zur Oper und zum Schauspiel reichen. Vor allem aber bekommen Studierende die aufregende Gelegenheit, erstmals ihr musikalisches und schauspielerisches Talent vor einem großen Publikum zu zeigen. Für die jungen Künstler ist diese Form der Praxiserfahrung sehr wichtig. Zuhörer und Zuseher können zwischen drei Abonnements wählen: dem „Hauptabo“, dem „abo@MUMUTH“ und einem eigenen Abo für Kinder im Alter von 6-10 Jahren. Im Rahmen der Kunstvermittlung erfahren sie vor den Vorstellungen Wissenswertes zu den Werken und Aufführungen.

Schauspiel, hier Berenice Heichel bei Das Feuerzeug 2017.
Foto: Johannes Gellner

Gesamtes Spektrum im Hauptabo

Mit dem Hauptabo kommt man in den Genuss von zwölf Höhepunkten aus dem gesamten Ausbildungsspektrum. Am 18. Oktober eröffnen Preisträger des internationalen Wettbewerbes „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ mit einem Kammermusikprogramm die Saison. Beim Adventkonzert im Dom spielt das Institut für Kirchenmusik Palestrina und César Franck. Im Jänner bringen Schauspielstudierende Georg Büchners Woyzeck, mit den düsteren Songs von Tom Waits, auf die Bühne. Highlights im Sommersemester: Am 18. April verwandelt sich das MUMUTH in einen Jazzclub, den Ausnahmekünstler ­Robben Ford mit knackigem Bluesrock und Gitarre rocken wird. In der kommenden Opernproduktion geht es um Pubertät, Rebellion und falsche Idole: Hans Werner Henzes Oper Gogo No Eiko (Das verratene Meer) wurde bei den Salzburger Festspielen 2006 konzertant uraufgeführt. Ende Mai inszeniert das Institut für Musik­theater die erste szenische Aufführung im deutschsprachigen Raum.

René Zisterer (Prof. für Szenische Darstellung) wird Das verratene Meer inszenieren.
Foto: Clemens Nestroy

Mit dem abo@MUMUTH auf Zeitreise

Das „abo@MUMUTH“ vermittelt Offenheit und Spaß an moderner Musik und am Musiktheater. Der achtteilige Veranstaltungsreigen startet am 8. Oktober mit einer Zeitreise in die 80er Jahre: Im Rahmen des steirischen herbst werden Studierende des Musiktheaters die Preisträger­oper Electric Dreams von ­Matthew ­Shlomowitz uraufführen. Zu den Höhepunkten im Sommersemester zählt unter anderem der Auftritt des norwegischen Klangkünstlers Trond Lossius, der im Rahmen der „signalegraz 10000“ eine eigene Klanginstallation für das Foyer des MUMUTH entwickelte.

Elektronische Musik (hier inkl. Visuals von und mit Curtis Roads beim signale-Konzert 2017)
Foto: Johannes Gellner

Ein Abo für das Publikum von morgen

Posaunen, Klaviere, Streichinstrumente: Klassische Musik kann ganz schön verrückt sein. Seit der letzten Spielzeit entfachen Studierende die musikalische Neugierde der Kleinsten. Bei fünf Terminen können 6- bis 10-Jährige spielerisch von den Großen lernen. Mit einem Chorkonzert für das junge Publikum geht die Abo-Saison der KUG Ende Juni 2018 zu Ende.

Fruchtbare Kontakte

Wie ist es nun aber um die Zukunft nach einem Kunststudium bestellt? „Absolventen der Kunstuniversität Graz können sich gut in den Arbeitsmarkt integrieren – wenn auch oft nicht dauerhaft in der Form, die sie zu Studienbeginn angestrebt hatten“, so Elisabeth Freismuth. Die Wahrscheinlichkeit eines fixen Anstellungsverhältnisses werden leider immer geringer, eine Kombination aus freiberuflicher Tätigkeit und Teilzeitengagement sei am häufigsten. Das Knüpfen von Kontakten sei unerlässlich, daher arbeite die KUG mit zahlreichen Institutionen zusammen. „Junge Musikerinnen und Musiker aus unserem Haus werden etwa in das internationale Musikfestival ar:s:onore eingebunden.“ Ein ähnliches Konzept verfolgt das Format Opernkurzgenuss, bei dem Studierende gemeinsam mit dem Ensemble der Grazer Oper Kurzopern an ungewöhnlichen Orten aufführen. Dass die Zusammenarbeit Früchte trägt, sehe man daran, dass immer wieder junge Künstler direkt übernommen werden.

Robben Ford ist Artist in Residence des Jazz-Instituts und wird am 18. April das MUMUTH rocken.
Foto: Piper Ferguson

Internationale Kooperationen

Auch der internationale Austausch wird forciert. „Die Kooperationen setzen ein Zeichen dafür, wofür unser Haus steht: Wir bilden Studierende aus der ganzen Welt für die ganze Welt aus“, sagt Elisabeth Freismuth. So vereint etwa das EUphony Youth Orchestra Studierende aus sechs verschiedenen Städten Mitteleuropas und garantiert auch in der kommenden Saison (am 2. März 2018 im Stefaniensaal) ein besonderes Konzerterlebnis in Graz.

Mit Kunst die Welt verändern

Die KUG ist davon überzeugt, dass Kunst die Gesellschaft positiv verändern kann. Gemeinsam mit der Caritas engagiert sie sich daher für die Initiative „Superar“ und bildet Kinder kostenfrei im Chorgesang oder Orchester aus. Bei der diesjährigen Opernproduktion Silbersee besuchten Menschen mit Sehbehinderung die Vorstellung, im Herbst werden Schauspielstudenten im Odilieninstitut zu Gast sein. „Nur mit Kunst kann man die Welt verändern.“ Das wusste auch schon Friedensreich Hundertwasser.

Foto: Johannes Gellner

Die ersten Termine der neuen Saison

Hauptabo – ! Ausgezeichnet !
Kammermusikprogramme von Preisträgern des internationalen Wettbewerbes „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ 2015.
Mi., 18.10. & Do, 19.10. um 19.30 Uhr, MUMUTH, György-Ligeti-Saal.

abo@MUMUTH – Electric Dreams
von Matthew Shlomowitz
Preisträgerwerk des 6. Johann-Fux-Opernkompositionswettbewerbs
Mo., 9.10. & Mi, 11.10. um 19.30 Uhr, ­MUMUTH, György-Ligeti-Saal

Abo für junges Publikum – Posaunen!
Fr., 20.10., um 10 und 17 Uhr, MUMUTH, Proberaum

TEILEN