Sloweniens kosmopolitischste Seite: Ljubljana, die geliebte Stadt

Sloweniens kosmopolitischste Seite: Ljubljana, die geliebte Stadt

Wer noch nie in Ljubljana war, findet in den Sommermonaten die ­ideale Gelegenheit: Die Hauptstadt Sloweniens lockt mit zahlreichen Kulturveranstaltungen und präsentiert sich dabei selbst als grünes ­Gesamtkunstwerk.

Text: Stefan Zavernik

Es heißt, ihre Bewohner lieben sie. Für viele von ihnen ist es die schönste Stadt der Welt. Wer das Glück hat, an einem Sommertag durch die Hauptstadt Sloweniens zu spazieren, kann diese Begeisterung schnell nachfühlen. Die Stadt hat den 2. Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden und präsentiert heute stolz ihr architektonisches Erbe. In diesem trifft eine Mischung der unterschiedlichsten Architekturstile verschiedenster Epochen aufeinander und vereinigt sich mit den genialen Ideen des visionären Jože Plecnik, der als slowenische Architektur-Ikone gilt. Als Jugendlicher verbrachte er einige Zeit in Graz und erlangte danach als Architekt in Wien und Prag internationalen Ruhm. Er verwirklichte in der Zwischenkriegszeit epochale Projekte und hinterließ an unzähligen Ecken seine unverwechselbare Handschrift, darunter zahlreiche Wahrzeichen der Stadt in Form von Brücken, surrealistischen Laternen-Säulen, der Marktplatz oder das Gebäude der slowenischen Nationalbibliothek. Ein weiteres architektonisches Sinnbild der Stadt und ein Paradebeispiel für die Architektur der Zwischenkriegszeit ist der Neboticnik, der „Wolkenkrater von Ljubljana“.

Auch im Inneren spektakulär: der Neboticnik

Er wurde im Jahre 1933 nach den Plänen des Architekten Vladimir Šubic erbaut und war lange Zeit das höchste Gebäude des ehemaligen  Jugoslawiens. Heute befindet sich ein Restaurant und eine Rooftop-Bar in den letzten Stockwerken, von denen man eine spektakuläre 360-Grad-Aussicht über die Stadt genießt. Hoch oben in den Wolken zeigt sich auf den ersten Blick, was man schon auf seinen Spaziergängen bemerkt haben wird: Die Natur ist im Stadtbild allgegenwärtig und verschmilzt mit der Architektur zu einem lebendigen Gesamtkunstwerk. Im Jahr 2016 wurde Ljubljana offiziell zur „Grünen Hauptstadt Europas“ ernannt. Die Auszeichnung ist das Ergebnis einer jahrelangen, weitsichtigen Stadtplanung. Unzählige Grünflächen und Parks durchfluten die Stadt. Auch der kleinste Platz oder die unscheinbarste Gasse ist mit Bäumen bepflanzt. Vor einigen Jahren wurde die Altstadt in eine riesige Fußgängerzone verwandelt und ist damit wie geschaffen für ausgedehnte Spaziergänge. Keine Hektik, kein Autolärm, dafür versüßt das Plätschern der Brunnen und das Zwitschern der Vögel jede Erkundungstour. Die friedvolle Atmosphäre in den unzähligen Gassen, an den Uferpromenaden entlang der Ljubljanica oder von einem der Aussichtspunkte der mittelalterlichen Burg am Schlossberg wirkt wie ein natürliches Sedativum auf jeden Besucher und macht das Lebensgefühl der Stadt bereits nach wenigen Augenblicken spürbar. Es ist eine Mischung aus mediterraner Leichtigkeit, dem Charme des alten Österreichs und der erfrischenden Jugendlichkeit einer Studentenstadt. Die Menschen lieben es, ihre Zeit im Freien zu verbringen. Speziell in den Abendstunden präsentiert sich die Altstadt entlang des Flusses als pulsierender, gesellschaftlicher Treffpunkt voller Lebensfreude.

Architektur von Joze Plecnik

Kunst & Kultur

14.000 Kulturveranstaltungen im Jahr machen Kunst und Kultur in Ljubljana zu einem allgegenwärtigen Element. Im Sommer verwandelt sich die überschaubare Metropole mit unzähligen Konzerten, Freiluftaufführungen und Festivals Jahr für Jahr in eine brodelnde Kulturhauptstadt. Von Juni bis August hält das traditionelle Festival „Sommer in der Altstadt“ Einzug und realisiert Konzerte klassischer Musik bei freiem Eintritt. Im August führt das Festival zeitgenössischer Bühnenkunst Theater- und Tanzschaffende aus aller Welt zusammen. Und mit Ende Juli startet das unangefochtene Kultur-Highlight des Jahres: Von 29. Juli bis 31. August lockt das Festival „Ljubljana“ mit einem Reigen unterschiedlichster Kunstevents, darunter Konzerte internationaler Stars, Theateraufführungen und Performances. Darüber hinaus stehen Kunstinteressierten ganzjährig die Türen zahlreicher Museen offen. Zum Beispiel jene des Museums für zeitgenössische Kunst. Zu sehen gibt’s dort in der Dauerausstellung Werke internationaler Stars aus Osteuropa, wie jene der legendären Aktionskünstlerin Marina Abramovic´. Die wechselnden Ausstellungen im obersten Stockwerk nehmen zeitgenössische Künstler aus Slowenien in den Fokus. Aktuell präsentiert man Arbeiten der slowenischen Performancekünstlerin Katalin Ladik, die momentan zu internationalen Höhenflügen ansetzt: Ihre Kunst wird zeitgleich auch in Kassel bei der documenta gezeigt. Wer ein Gefühl für die Malerei in Slowenien bekommen möchte, sollte einen Besuch in die Moderne Galerie einplanen. Das Museum zeigt moderne Kunst des 20. Jahrhunderts, darunter einige der fabelhaften Gemälde slowenischer Impressionisten.

Liebe geht durch den Magen: The Taste of Ljubljana

Die heutige Lebensart Ljubljanas ist eine Mischung aus unterschiedlichsten Kulturkreisen. Die Nähe zu Österreich, Italien und Kroatien ist dafür ebenso ausschlaggebend wie die Geschichte des Landes Slowenien. Das heutige Ljubljana zählte im Laufe der Jahrhunderte zum alten Rom, zum osmanischen Reich, zur Republik Venedig, gehörte einst zum Reich der Habsburger und war Teil des ehemaligen Jugoslawiens. Diese bewegte Geschichte hat ihre Spuren glücklicherweise auch geschmacklich hinterlassen. So ist die Liebe der Slowenen zur Küche des ehemaligen Jugoslawiens bis heute aufrecht geblieben und wird in altehrwürdigen Gostilnas liebevoll zelebriert. Eine wahre Institution auf diesem Gebiet ist die Gostilna Cad, wo man sich bereits seit dem Jahre 1889 dem Holzkohlegrill verschrieben hat.

Mediterrane Küche im Hotel Lev

Sie liegt etwas außerhalb des Zentrums auf einem grünen Hügel am Rande des Tivoli-Parks. In den Sommermonaten sitzt man hier im idyllischen Gastgarten unter uralten, schattenspendenden Kastanienbäumen und gibt sich grandios gegrillten Fleischspezialitäten der serbischen Küche hin. Cevapcici, Pljeskavica, Ražnjici und Co werden hier in einer Perfektion zubereitet, die kaum zu glauben ist. Die Qualität der Nachspeisen schließt nahtlos daran an. Um Ljubljanas eigenständige kulinarische Identität kennenzulernen, sollte unbedingt ein Besuch des zentralen Marktplatzes der Stadt eingeplant werden. Wie schon in längst vergangenen Zeiten ist Ljubljana auch heute als Handelsstadt nicht zuletzt in kulinarischer Hinsicht begünstigt. Die Nähe zum Meer, zu Flüssen und Seen, zu südlichen Gefilden wie zu den Alpen spiegelt sich in den angebotenen Produkten wieder. Nach dem Umherstreifen zwischen den zahlreichen Ständen sollte man sich die Zeit für eine Pause im Kult-Café Magda am Marktplatz nehmen.

Die Institution ist nicht nur für seine Austern bekannt, die man am besten vormittags mit einem kühlen Gals Malvasia ordert, sondern auch als angesagte Bar in den Abendstunden. Wer moderne slowenische Küche probieren möchte, hat mit dem AS eine Res­taurantempfehlung in der Altstadt. Auch das Restaurant des eleganten Hotels Lev ist einen Besuch wert, hier trifft Slowenien geschmacklich auf Italien. Das Hotel wurde vor kurzem aufwendig renoviert und ist durch seine Lage eine ideale Unterkunft, um die Stadt zu entdecken. Um den traditionellen Geschmack Ljubljanas zu erleben, sind auch die vom Tourismus­amt angebotenen City-Touren eine gute Empfehlung. Mit einem Insider ist man unterwegs auf Verkostungstour und besucht verschiedene Gaststätten für zahlreiche Spezialitäten. Darunter die mittlerweile weltberühmte Krainer-Wurst oder deftige Rinderzunge mit Krensauce, eines der heiß geliebten sogenannten Nachmittagsgerichte der Bewohner. Auch lauwarme Potica steht am Verkostungsplan und beweist eindrücklich: Liebe geht durch den Magen. Auch in Ljubljana, der geliebten Stadt.

Gostilna Cad: Klassische Balkanküche at its best.

Tipps:

Nächtigen in Ljubljana: Hotel Lev
Vošnjakova ulica 1, 1000 Ljubljana
Tel. +386 1 308 70 00

Altehrwürdige, serbische Küche: Gostilna Cad
Cesta na Rožnik 10, 1000 Ljubljana
www.gostilna-cad.si

Moderne slowenische Küche: Gostilna AS
Cˇopova ulica 5, 1000 Ljubljana,
Tel. +386 1 425 88 22

Museum für zeitgenössische Kunst (+MSUM)
www.mg-lj.si

TEILEN