Werner Bergs Bilder im Steirischen Feuerwehrmuseum Kunst & Kultur

Werner Bergs Bilder im Steirischen Feuerwehrmuseum Kunst & Kultur

Mit großen, fragenden Augen blickt die Künstlerin Christine Lavant auf diesem Porträt (1951) von Werner Berg in die Zukunft.

Auch Kunstwerke brauchen hin und wieder einen Tapetenwechsel. So ist die Ausstellung „Werner Berg – Mensch und Landschaft“ bis zum 27. August auf Sommerfrische im Steirischen Feuerwehrmuseum in Groß St. Florian. Werner Berg (1904–1981) zählt zu den bedeutendsten österreichischen Künstlern des 20. Jahrhunderts.

Text: Julia Braunecker

In den Fahrzeughallen parken rot lackierte Feuerwehrautos, im Erdgeschoß ziehen farbige Ölbilder die Blicke auf sich. Im „Steirischen Feuerwehrmuseum Kunst & Kultur“ kann man nicht nur hinter die Kulissen der Feuerwehr blicken, sondern auch in die Tiefen der künstlerischen Seele. Bereits seit 15 Jahren kombiniert Anja Weisi-
Michelitsch als Kuratorin erfolgreich die Geschichte des Feuerlöschwesens mit den Werken namhafter Künstler. Seither haben 150.000 Besucher das knallrote Museumsgebäude betreten. Nun stellte die Museumsleiterin mit dem Werner Berg Museum Bleiburg/Pliberk erstmals eine bundesländerübergreifende Kooperation auf die Beine. Was die Häuser mit­einander verbinde, sei nicht nur ihre beschauliche Lage. „Wir beide wollen mit viel Engagement außergewöhnliche Projekte umsetzen“, erzählt sie. Während seit dem 20. Mai Gottfried Helnweins Ausstellung in Bleiburg für Wirbel sorgt, weckt Werner Bergs Bildersammlung im idyllischen Groß St. Florian melancholische Erinnerungen an harte Lebensumstände, die für unsere verwöhnte Generation gar nicht mehr vorstellbar sind. „Dass wir diese Arbeiten in unserem Museum zeigen dürfen, erfüllt mich mit großer Freude“, ist Weisi-Michelitsch stolz. Gemeinsam mit Harald Scheicher, dem Enkelsohn des berühmten Malers, hat sie bis zum 27. August ein neues Zuhause für die 60 Ölbilder, 30 Holzschnitte und 25 Skizzenblätter eingerichtet. Sechs Ausstellungsräume leiten die Besucher durch die unterschiedlichen Lebensstationen des Künstlers. Bei der Gestaltung der Ausstellung bekannte die Kuratorin Mut zur Farbe. Sie zeigt einen Teil der Ölbilder auf violettem Wandhintergrund, was den Fokus des Betrachters durch diese Zusammenstellung neuer Sehbezüge erweitert.

Werner Berg, der Porträtist menschlicher Seelenlandschaften. Hier ein „Selbstbildnis vor Orange“, 1936

Vom Doktoranden zum Aussteiger

„In unserer schnelllebigen digitalisierten Zeit begeben sich immer mehr Menschen auf die Suche nach dem Analogen“, fährt die Kunsthistorikerin fort. Mit diesem Rückzugsort trifft sie das Bedürfnis der Menschen nach einer Auszeit und Rückbesinnung auf sich selbst. Damit spricht sie auch Werner Berg aus der Seele. Vor rund 80 Jahren hatte sich der eigenwillige Künstler ins kärntnerisch-slowenische Grenzgebiet zurückgezogen. Dabei war ihm eine glänzende Karriere bevorgestanden, schließlich hatte er im Doktoratsstudium für Staatswissenschaften mit Auszeichnung promoviert. Da aber sein brennendster Wunsch die Malerei war, entschloss er sich zu einem radikalen Schritt. Er ließ sein bürgerliches Leben als Universitätsassistent hinter sich, um als Bergbauer in Kärnten leben und malen zu können. „Ich wollte damals weder aus der Zeit fliehen noch den Misthaufen als Symbol dem Geist entgegenstellen. Ich wollte ein Leben gründen, das unabhängig von den Spielregeln der bürgerlichen Gesellschaft in sich Sinn habe“, so Berg. Auf dem Rutarhof lebte er mit Frau und vier Kindern unter harten Bedingungen. Im Haus gab es weder Strom noch fließendes Wasser, doch gerade der bäuerliche Alltag inspirierte ihn. „Die Menschen hier sind von etwas verschlossener Art. Sie sind nur durch ein jahrhundertealtes Geschick gewohnt, sich zu verbergen und nie klar zu etwas zu bekennen“, charakterisierte er die Dorfbewohner.

Die Leiterin des Feuerwehrmuseums Anja Weisi-Michelitsch, Werner Bergs Enkel Harald Scheicher (l.) und der Leiter des Werner Berg Museums ¬in Bleiburg, Arthur Ottowitz bei der Ausstellungser-öffnung

Eigenwillig und umstritten

Bauern, Jahrmarktbesucher, betende Frauen, Eisschützen, Busreisende und Wartende zogen den Künstler in seinen Bann. Im Dorf traf man Werner Berg meistens mit Bleistift und Zeichenblock. „Skizzieren tu ich dauernd. Das ist mein Auge, mein Sinneskontakt mit der Umwelt.“ Nur selten malte er die Menschen in Bewegung, denn meistens stellte er sie still und in sich versunken dar. Er reduzierte ihre Formen lieber, anstatt sie realitätsgetreu abzubilden. Im Bereich der Farbigkeit war bei Werner Berg stets eine Anlehnung an den Expressionismus erkennbar. Er malte große Flächen, vertauschte Blautöne mit leuchtendem Rot oder Orange und setzte harte Kontraste. „Die Farbe ist für mich etwas Tonangebendes. Es ist nicht zu leugnen, dass ich eine sehr bestimmte Klangfarbe in mir trage, die sich nach Ausdruck sehnt. Und das muss durchaus nicht immer im Sinne eines Wohlklangs sein.“ Aufgrund seines eigenwilligen Stils wurden drei Werke von den Nationalsozialisten in der diffamierenden Wanderausstellung Entartete Kunst verhöhnt. Werner Berg blieb seiner Malerei dennoch treu und steht heute in einer Linie mit Künstlern wie Edvard Munch und Emil Nolde. Neben den Ölbildern ist er auch für seine Holzschnitte bekannt. Dafür benutzte der genügsame Künstler Linden- oder Fichtenhölzer aus dem benachbarten Wald.

Werner Bergs Arbeiten im Steirischen Feuerwehrmuseum Kunst und Kultur.

Einsamer Abschied

Am Ende seines Lebens vereinsamte Werner Berg immer mehr. Auf seinen Gemälden verwandelte sich der Rutarhof in einen spärlich beleuchteten Ort und über die einst fruchtbaren Äcker legte sich eine dicke Schneedecke. Der österreichische Kunsthistoriker Wieland Schmidt vergleicht diese letzte Schaffensphase mit einem wehmütigen Blick in die Vergangenheit: „Diese Bilder kommen von einem, der zum Fortgehen bereit ist.“ Am 7. September 1981 wurde der Ausnahmekünstler tot in seinem Atelier aufgefunden.

Am Lebensende zeigen die Bilder des Künstlers eine vereinsamte Welt.

Auf der Leinwand verewigte Sehnsucht

Werner Berg hinterließ der Nachwelt einen eindrucksvollen Bilderschatz, der auch noch Jahrzehnte später nichts an seiner Faszination verloren hat. Vielleicht ist es die von den Bildern ausgehende Stille, die den Betrachter berührt und zum Innehalten animiert. In einer von Hektik geprägten Welt hat sich wohl schon so manch einer gewünscht, die Zeit anhalten zu können. Werner Berg hat diese Sehnsucht eindrucksvoll auf seine Leinwand gebannt. Die außergewöhnliche Location beweist, wie perfekt Kunst und Technik miteinander harmonieren können. Die Einzigartigkeit der Ausstellungskombination motiviert alle dazu, in Groß St. Florian Kraft und Kultur zu tanken.

Der Holzschnitt: für Werner Berg die Vorstellung eines ursprünglichen Lebens.

Steirisches Feuerwehrmuseum Kunst & Kultur
Marktstraße 1, 8522 Groß St. Florian
www.feuerwehrmuseum.at

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