Oksana Lyniv: Eröffnungskonzert mit ukrainischen Wurzeln

Oksana Lyniv: Eröffnungskonzert mit ukrainischen Wurzeln

Zum musikalischen Auftakt der Saison 2017/18 schwingt Oksana Lyniv erstmals als Chefdirigentin der Grazer Oper und des Grazer Philharmonischen Orchesters den Dirigierstab. Bei der Programmauswahl wagt sie sich an anspruchsvolle Werke und lässt ihre ukrainischen Wurzeln durchscheinen.

Text: Julia Braunecker

So erzählt Franz Liszts symphonische Dichtung Mazeppa vom ukrainischen Pagen Iwan Masepa, der zur Strafe für sein Verhältnis mit der Magnatengattin auf dem Rücken eines Pferdes durch die Steppe gejagt wurde. Nach dreitägigem Ritt brach das Pferd tot zusammen und auch Masepa sah sich dem Tode geweiht, bis er die Vision des siegenden Kosakenvolks vor sich hatte. Musikalisch ist das Stück geprägt von wildem Pferdegalopp, einem visionären Mittelteil sowie dem siegesreichen Kosakenmarsch am Ende. Im zweiten Konzertteil spielt der ukrainische Geiger Valeriy Sokolov solistisch das Violinkonzert Nr. 1 von Béla Bartók, welches der Komponist 1907 der ungarischen Geigerin Stefi Geyer widmete. Diese erwiderte sein Liebesgeständnis allerdings nicht. Das Werk aus der späten Schaffensphase orientiert sich am klassischen Sonatenschema, aber auch an der ungarischen Volksmusik.

Oksana Lyniv
Foto: Werner Kmetitsch

Der 30-jährige Sokolov bringt das Publikum regelmäßig mit seinen reifen Interpretationen schwieriger Werke zum Staunen und gehört zu den vielversprechendsten Namen der jungen Klassikszene. Er kann auf zahlreiche Auszeichnungen bei Wettbewerben zurückblicken. 2006 wurde ihm ein Film mit dem Titel Der Geiger der Seele gewidmet. Robert Schumanns zweite Symphonie lässt den Abend feierlich ausklingen. Mit dem Werk bekämpfte der Komponist 1845 eine schwere psychische Krise. „Die neue Symphonie war gleichsam der Widerstand des Geistes, der hier sichtbar influiert hat und durch den ich meinen Zustand zu bekämpfen versuchte“, vertraute er sich einst seinem Biografen Wasiliewski an.

Impressionen des Eröffnungskonzerts 2016.

23. September 2017, 19.30 Uhr
Franz Liszt: „Mazeppa“, Symphonische Dichtung/ Béla Bartók: Konzert für Violine und Orchester Nr. 2, Sz 112 / Robert Schumann: Symphonie Nr. 2 in C-Dur, op. 61

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