Theater Quadrat zu Gast im TiK: Der Tod in Venedig

Theater Quadrat zu Gast im TiK: Der Tod in Venedig

Ein Klassiker der Weltliteratur als Ausgangspunkt für eine vielversprechende Theaterproduktion. Thomas Manns „Tod in Venedig“ in einer überarbeiteten Fassung des Schriftstellers Tomer Gardi.

Die besten Jahre hat der in München lebende Schriftsteller Gustav von Aschenbach bereits hinter sich. Vom Fernweh geplagt, beschließt er nach Venedig zu reisen, dort trifft ihn Amors Pfeil und er verliebt sich in die Gestalt des apollinisch schönen Knaben Tadzio, einen polnischen Jüngling. Im Laufe seines Aufenthaltes steigert er sich immer mehr in eine unerfüllbare Liebe. Aschenbach zieht sich, ganz der Leidenschaft hingegeben, in seine Innerlichkeit zurück. Die Überwältigung der eingeprägten Selbstkontrollmechanismen bringt Aschenbach an die Grenzen seiner psychischen Integrität und führt in der zugespitzten Dramatik der Novelle zu seinem Tod, er erkrankt an Cholera. Diesem innerlichen Schauspiel, das Thomas Mann sprachlich in stilistische Überhöhen schraubt, steht eine verfallende Außenwelt gegenüber: ein stinkendes, von der Cholera geplagtes Venedig und ein Europa, das nur wenige Monate nach Aschenbachs Tod sich selbst den Krieg erklärt. Gemeinsam mit dem israelischen Schriftsteller Tomer Gardi entwickelte das Theater Quadrat eine Überarbeitung des Klassikers von 1912. Gardi studierte Literatur- und Erziehungswissenschaften in Jerusalem, Berlin und Be’er Scheva. Sein erstes Buch Stein, Paier erschein 2011 auf Hebräisch und 2013 in deutscher Übersetzung im Rotpunkt Verlag. Sein zweites Buch Broken German erschien 2016 im Droschl-Verlag. 2016 war Gardi teilnehmender Autor beim Ingeborg-Bachmannpreis. Er lebt und arbeitet in Tel Aviv.

Foto: Nicolas Galani

Dem dramatischen Spannungsbogen der Novelle folgend, setzt ein sprachlicher Entregelungsprozess ein. Der Sprache Thomas Manns wird plötzlich das sichere Fundament des klassizistischen Formideals entzogen. Durch die wilde und lustvolle Sprachentregelung und Sprachenthemmung in Tomer Gardis Intervention tun sich für Gustav von Aschenbach ungeahnte Handlungsoptionen auf. Es beginnt sich eine moderne und anspielungsreiche Alternativerzählung zu entwickeln, eine vergnügliche und frivole Antwort auf Thomas Manns Fragen über die Einsamkeit des Individuums und die Strenge der Form. Regie führen Werner Halbedl und Alexander Kropsch.

Vorstellungstermine: 8., 9., 14., 15., 16. 21., 22., 23. September 2017, jeweils 20 Uhr
Karten unter: 0680/5500147, office@theater-quadrat.at und www.tik-graz.at

Theater im Keller, Münzgrabenstraße 35, 8010 Graz

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