Festivals und Konzerte: Jazz und Blues haben im Herbst Hochsaison

Festivals und Konzerte: Jazz und Blues haben im Herbst Hochsaison

Berndt Luef Foto: Pulgar

Entspannte Klaviermelodien, flotte Trompeten und soulige Stimmen. Die freie Jazzszene in Graz ist vielseitig und lebendig. Mit einem bunten Herbstprogramm sorgt sie für frischen Swing in der Stadt.

Text: Julia Braunecker

„Es war immer eine Musik, die die Kulturen und Menschen zusammenführte. Und es war immer eine Musik, die von der Welt Freiheit forderte. Es ist in vielerlei Hinsicht die wichtigste Musik der Welt“, schwärmte einst der Pianist und Komponist Dave Brubeck. Die Rede ist von Jazz.

Improvisierte Musik hautnah   

Früher war Graz weit über die Landesgrenzen als heimliche Jazzhauptstadt Österreichs bekannt. Große Namen wie Frank Zappa und Miles Davis sind seinerzeit hier aufgetreten. Aber die Stadt hat auch selbst einige namhafte Musiker hervorgebracht, wie Erich Kleinschuster oder Karlheinz Miklin. Auch heute beherbergt die Grazer Szene ein breites stilistisches Spektrum von traditionellem Jazz bis zur Moderne. „Im Verhältnis zur Einwohnerzahl gibt es bei uns mehr Jazzclubs als in Wien“, weiß Otmar Klammer, künstlerischer Leiter des Internationalen Jazzfestivals in Leibnitz. Wie kamen Jazz, Swing und Blues überhaupt nach Graz? Nach dem Zweiten Weltkrieg hörten die Besatzungsmächte Schallplatten und betrieben Radiosender in Österreich“, erzählt Klammer. „So kamen die Menschen erstmals mit dieser Musik in Berührung.“ Jetzt kommen sich Jazzfans und Musiker aller Stilrichtungen in den Grazer Jazzclubs nahe. Ein Streifzug durch die swingende Szene der Stadt.

Café Stockwerk

Ein Jazzkeller im ersten Stock? Über eine Treppe gelangt man in das legendäre „Café Stockwerk“, das mit einem gemütlichen Barbereich und einem eigenen Veranstaltungssaal aufwartet. Das Café am Grazer Jakominiplatz zählt zu den drei führenden Jazzclubs in Österreich. Vor 24 Jahren hat Otmar Klammer mit dem Verein „Stockwerkjazz“ klein angefangen und sich seither einen internationalen Ruf erarbeitet. „Wir präsentieren dem Publikum, was Jazz heute alles sein kann“, erzählt er. Ein besonderes Highlight seien jene Live-Bands, deren Programm sich am kreativen zeitgenössischen Jazz und den Trends der Musikrichtung orientiere.

Cafe Stockwerk
Foto Peter Purgar

Royal Garden Jazzclub

Das am tiefsten gelegene und älteste Etablissement verbirgt sich in einem Kellergewölbe unter der Bürgergasse. Seit dem Jahr 1981 ist der „Royal Garden Jazzclub“ ein Treffpunkt für Freunde des traditionellen Jazz bis zum Modern Jazz. Jeden Freitag steht Live-Musik am Programm. „Jeder Ton, den ein Jazzmusiker spielt, ist innovativ“, so Mastermind „Burschi“ Wachsmann, der sich seit 1955 mit Jazz befasst und die musikalische Ausrichtung seines Clubs nicht einer bestimmten Kategorie zuordnen möchte. „Wir spielen die gesamte Bandbreite.“ Mit der 1970 gegründeten „Royal Garden Jazzband“ hat der Club sogar seine eigene Hausband. Sie ist eine der ältesten Jazzbands traditionellen Stils in Österreich.

Quartet Royal Garden Jazz Club
Foto: Peter Purgar

Jazzbar Miles

Nach einem der Größten der Jazzwelt ist der Jazzclub „Miles“ in der Mariahilferstraße benannt. Er ist nur 35 Meter von der Murinsel entfernt. Sowohl das Wein- und Whiskyangebot als auch der Jazz sind hier von ausgezeichneter Qualität. Live-Konzerte gehen Mittwoch oder Donnerstag ab 20.30 Uhr über die Bühne. „Wir sind ein Sprungbrett für neue Musiker und Musikerinnen“, erzählt Hausherr Walter Ozlberger. Studierende absolvieren bei ihm ihre ersten Auftritte. „Jazz, Blues und Funk“ stehen auf der musikalischen Speisekarte. Bevor er das Miles vor elf Jahren übernommen hat, war er selbst Stammgast im Club.

Miles Bar

Weltmusik

Eine etwas andere Sichtweise zu der heutigen Jazzszene hat der gebürtige Bleiburger Gerhard Kosel, der seit 1990 Geschäftsführer des Vereins gamsbART ist. Er organisiert unter anderem die „monday nights“ auf der Murinsel sowie Jazzkonzerte im Generalihof und die Murszene am Grazer Mariahilfer Platz. Kosel, der bereits über 1.000 Konzerte veranstaltet hat, sieht sich aber nicht nur als Jazzkonzertveranstalter: „Ich lasse mich stilistisch nicht festlegen. GamsbART hat immer schon sehr viel nebeneinander gemacht.“ Und: „Fast alle legendären Jazzmusiker liegen mittlerweile sechs Fuß unter der Erde“, fügt er provokant hinzu. Jazz habe heutzutage viel von seiner ursprünglichen Bedeutung verloren. „In den 50er- und 60er-Jahren war der Jazz ein Begriff für Unangepasstheit, ein Aufbegehren gegen Missstände. Damals rangen die farbigen Musiker um ihre soziale und gesellschaftliche Anerkennung, sie spielten um ihr Leben.“ Diese Wurzeln seien in unserer Wohlstandsgesellschaft einfach nicht mehr vorhanden. Aber es gebe auch ein Leben nach dem Jazz. Ihn interessiere die Weltmusik, eine stilistische Ausweitung des Jazz durch Musiktraditionen aus aller Welt. Am 23. Oktober bringt er Harri Stojka, den „Gitarrenvirtuosen mit Ameisenfingern“ in die Generalmusikdirektion. Wichtig ist Kosel außerdem die Nachwuchsförderung: „Wir verhelfen Jungmusikern zu Karrieresprüngen und bieten musikalischen Start-ups eine bewährte Plattform wie beim diesjährigen Austrian Soundcheck, der zum 27. Mal stattfindet.“

Harry Stojka
Foto: S. Hauswirth

Europas erste Jazzausbildungsstätte

Wichtige Impulse erhält Graz auch von den Studierenden sowie Absolventen und Absolventinnen der Kunstuniversität Graz. 1964 wurde das Institut für Jazz an der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst Graz gegründet. Es wurde rasch zu einem internationalen Knotenpunkt des Jazz, dessen Institutsangehörige auch die heimische Szene beleben. „Mit rund 120 Konzerten pro Jahr sind wir einer der größten Jazz-Veranstalter der Stadt“, stellt der langjährige Institutsleiter Ed Partyka fest. Sämtliche Konzerte der Kunstuni kann man bei freiem Eintritt genießen. Das reichhaltige Angebot besteht aus Konzerten der Serie KUG Jazz Live! (3-4 Mal wöchentlich im WIST/MOXX), KUG Jazz Live @ Orpheum (monatlich im „Orpheum Extra“-Saal), Jam Sessions im Café Phönix (jeden Mittwoch um 21.30 Uhr) sowie der Reihe Jazz im MUMUTH. Besonders beliebt sind auch die wöchentlichen Jam Sessions im Theatercafé. Diese finden donnerstags nach dem Kabarettprogramm statt und ziehen viele junge Zuhörer an.

KUG Jazz Orchester
Foto: Alexander Wenzel

Im Oktober 2016 wurde im Rahmen eines Jugendförderungsprogrammes das JUGEND JAZZ ORCHESTER STEIERMARK am Institut installiert, das bereits auf mehrere öffentliche Konzerte zurückblicken kann.

Grazer Jazzlegende

Einer der bekanntesten Jazz-Musiker hierzulande ist der Komponist und Vibraphonist Berndt Luef. Mit dem 1994 gegründeten „Jazztett Forum Graz“ und dem seit 35 Jahren bestehenden Berndt Luef Trio belebt er die Grazer Szene.  „Nach der Matura wollte ich eigentlich Klavier studieren“, erinnert sich Luef. „Während eines Ferialpraktikums verletzte ich mir meine Hand jedoch an der Kreissäge.“ Der Verlust des kleinen Fingers und des Ringfingers hinderte Luef nicht bei seinem Traum, Musiker zu werden. Er studierte Klassik und Jazz an der Kunstuni und lernte Schlagzeug und Vibraphon. Sozialisiert in den 1960-er Jahren setzt sich Luef in seiner Musik auch immer mit politischen Ereignissen auseinander. Anfang November präsentiert Luef im WIST die Veranstaltungsreihe „Herbstzeitlose“.

Berndt Luef Trio
Foto: Peter Purgar

Liebe zum Jazz

Auch Otmar Klammer sorgt für frischen Swing in der Grazer Jazzszene. Er war erst klassischer Gitarrist und in Rockbands unterwegs, bevor er seine Liebe zum Jazz entdeckte. „Mit der Zeit wurde ich anspruchsvoller und wollte immer mehr von der Musik.“ Was entgegnet er dem Vorurteil, dass Jazz einem intellektuellen Publikum vorbehalten sei? „Jazz bedeutet nicht, dass ein Saxophonist zu nervöser Musik herumtanzt“, antwortet er. Viele Leute würden veraltete Vorstellungen vom Jazz haben oder sich einfach nur von Musik berieseln lassen wollen. „Hinhorchen muss man aber schon.“ Und: Neugierig müsse man sein, sich darauf einlassen. Er selbst fühle sich nirgends so zu Hause wie im zeitgenössischen kreativen Jazz. Kein Konzert gleiche dem anderen. „Der Jazz erfindet sich immer neu.“

Was ist Jazz nun wirklich?

Hingehen, hinhorchen, herausfinden. Dem würde wohl auch Louis Armstrong, der König des Jazz, zustimmen. Er antwortete einst auf die Frage eines amerikanischen Journalisten, was Jazz sei: „Mann, wenn du fragen musst, was Jazz ist, dann wirst du es nie wissen.“ Wer also schon immer einmal Jazzluft schnuppern wollte, kann das bei der grazJAZZnacht am 27. Oktober tun. Von 15 Uhr (Forum Stadtpark) bis 24 Uhr (Generalmusikdirektion) öffnen die Grazer Jazzclubs ihre Türen. Jeder Club spielt ein repräsentatives Konzert aus seiner Programmlinie, vom Swing Jazz bis zum Free Jazz, von Ethno bis zum Hip Hop. Ein kostenloser Shuttle-Bus sorgt für den Transfer zwischen den einzelnen Lokalen.

Eine weitere Gelegenheit bietet sich vom 9. bis zum 12. November. Dann geht im WIST zum 11. Mal die Veranstaltungsreihe „Herbstzeitlose“ über die Bühne. Die Ensembles kommen aus dem Jazz, der Neuen E- Musik, der frei improvisierten Musik und der sogenannten Weltmusik.

 

grazJAZZnacht

am 27. Oktober in diversen Locations, 15 – 24 Uhr

Ein Ticket für alle Konzerte. Abendkassa: 20 € (ermäßigt 16 €), Vorverkauf: In allen Oeticket-Vorverkaufsstellen. 18 € (ermäßigt 13 €). www.oeticket.com, Tel. 01 960 96

Herbstzeitlose

von 9. bis zum 12. November im WIST.
Beginn am 9.11. um 20 Uhr

Einzeltickets: 15 € (ermäßigt 12 €) Festivalpass für alle 4 Konzerte: 45 €.
Karten an der Abendkassa. Vorbestellung unter 0316 836 666 im WIST Büro möglich.

26. Austrian Soundcheck

präsentiert von Gamsbart

von 9. bis zum 17. November 2017, jeweils um 20 Uhr.

9.11 und 16.11 in der Generalmusikdirektion, 17.11. im Minoritensaal

Tickets erhältlich bei Ö-Ticket, Kleine Zeitung-Ticket, Zentralkartenbüro Graz

VV: 20.–, ermässigt 15.–, plus VV-Gebühr

Weitere Informationen zu beiden Festivals: www.grazjazz.at

 

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