Sonderausstellung: Die Feuerwehr als Kulturträger

Sonderausstellung: Die Feuerwehr als Kulturträger

Damenspende vom Ball der FF Baden Stadt, 1892

Das Steirische Feuerwehrmuseum Kunst & Kultur beleuchtet mit ­seiner Sonderausstellung die Freiwillige Feuerwehr als Kulturträger.

Menschliches Leben braucht die Gemeinschaft. Schon Aristoteles bezeichnete den Menschen als geselliges Wesen, als „zoon politikon“. Durch die Reformen der letzten Jahre allerdings haben viele Dörfer wichtige Einrichtungen verloren. Mit diesen Einrichtungen sind auch Persönlichkeiten (LehrerInnen, PolizistInnen etc.), die das öffentliche Leben getragen haben, verschwunden. Die Bedeutung der Vereine und auch der Freiwilligen Feuerwehr ist nach dem Wegfall dieser dörflichen Institutionen, die oft über ihre eigentliche Funktion hinaus wichtige Kommunikationspunkte innerhalb der Gemeinschaft waren, gewachsen.
Aus diesem Grund kommt der Freiwilligen Feuerwehr als einem Raum des Gedankenaustausches eine weitaus größere Bedeutung zu, als Statuten alleine es vermuten lassen. „Die Freiwillige Feuerwehr hat ihre eigene Kultur entwickelt und zeigt sich nach außen hin in Fahnen, Uniformen, Abzeichen und anderen Symbolen. Diese sind sowohl für die Identifikation der Mitglieder mit ihrer Organisation als auch für das Auftreten in der Öffentlichkeit von Bedeutung. In diesen Orientierungen nach innen und nach außen ist die Freiwillige Feuerwehr Träger einer soziologisch bedingten zeittypischen Volkskultur“, so die Kuratorin der Ausstellung, Katrin Knaß.

140 Jahre Landesfeuerwehrverband Steiermark, 2010.
Foto: Franz Fink

Beitrag zur Erhaltung der Dorfkultur

Die Freiwillige Feuerwehr gliedert den Einzelmenschen in eine soziale Gruppe ein und übt damit eine wichtige integrierende Funktion für die Gemeinde aus. Ihre Mitglieder zählen zu den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen, damit ist sie auch ein wichtiges Instrument zur Annäherung gegensätzlicher Gruppen in der Gemeinde geworden. Bälle, Umzüge, Fetzenmärkte: Sie tritt als Organisator wichtiger geselliger Veranstaltungen auf und tritt über den direkt angesprochen Kreis von Mitgliedern hinaus auch mit anderen Interessengruppen in Austausch. Dies stellt eine wesentliche Bereicherung im Leben der Gemeinde dar. Die Museumsleiterin Katrin Knaß verweist darauf, dass die Eingliederung der Freiwilligen Feuerwehr in die sozialen und kulturellen Aktivitäten der Dorfgemeinschaft dabei kein Phänomen der Neuzeit, sondern immer schon Bestandteil ihrer Tätigkeit gewesen ist. Nahezu alle Freiwilligen Feuerwehren haben gleich nach deren Gründung verschiedenste Aktivitäten im kulturellen Bereich gesetzt. Gründe dafür waren in erster Linie die Beschaffung der zum Erwerb der Ausrüstung benötigten finanziellen Mittel, aber auch Tradition und politische Verpflichtungen.

Klassische Darstellung des Hl. Florian mit brennendem Haus & Wassereimer, 1992

Die Freiweillige Feuerwehr als Kulturträger

Die Sonderausstellung im Steirischen Feuerwehrmuseum Kunst & Kultur gibt Einblicke in das vielfältige Schaffen der Feuerwehr als Kulturträger. Zu sehen gibt es unter anderem prunkvolle Fahnen, die für die Zusammengehörigkeit und den kameradschaftlichen Gemeinsinn stehen. Festabzeichen, die ihren Ausgang in geselligen Veranstaltungen gefunden haben, und exquisite Damenspenden, die von glamourösen Feuerwehrbällen um 1900 erzählen. Weiters erfährt man einiges zu andächtigen Zeremonien wie dem Trauersalamander und den Feiern zu Ehren des Heiligen Florian. Man entdeckt die Variationsbreite der feuerwehrinternen Geschenkkultur und erhält amüsante Einblicke in den Feuerwehralltag durch die Karikaturen von Otto Meisenberger. Eine Ausstellung für Feuerwehrfans und Kulturinteressierte gleichermaßen.

Steirisches Feuerwehrmuseum Kunst & Kultur

feuerKULTfeuerwehr
10. September – 29. Oktober
Marktstraße 1, 8522 Groß St. Florian
Di-So: 10 bis 17 Uhr
Tel: 03463 8820

www.feuerwehrmuseum.at

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