Wolfgang Skerget im Interview: Was läuft auf der „neuen“ Grazer Murinsel?

Wolfgang Skerget im Interview: Was läuft auf der „neuen“ Grazer Murinsel?

Foto: Harry Schiffer

 

Ob Opernaufführungen, Modeschauen, Kinovorstellungen oder Jazzkonzerte. Mit ihrer Neueröffnung Ende Februar wurde versucht, die Grazer Murinsel als Design- und Kulturort neu zu etablieren. „Achtzig“ sprach mit Wolfgang Skerget über eine erste Bilanz und zukünftige Herausforderungen.

Text: Stefan Zavernik

Warum soll gerade die Kultur dabei helfen, das Thema Design auf der Insel greifbarer zu machen?

Die Insel ist Design. Und Design ist Kreativität – also was spricht dagegen, an einem Ort der Kreativität kulturelle Inhalte und künstlerische Programme zu verorten? Zumal wir ja auch einen Designshop und einen Showroombereich in die Insel integriert haben. Außerdem bin ich überhaupt kein Freund dieses peniblen Schubladendenkens, dass Design und Kunst ja nicht aneinander anstreifen dürfen, sondern mir ist wichtig, die Begriffe sauber zu verwenden, daher habe ich ganz bewusst Kunst gesagt und nicht Kultur, denn zur Kultur gehört Design ja jedenfalls. Wir wollen einen Beitrag zur Förderung der Kreativität in unserer Stadt leisten – möglichst breit gefächert.

Konnte sich die Insel als Kulturort bereits etablieren? Wie erfolgreich schätzen Sie die bisherige Neuausrichtung ein?

Die Murinsel von Vito Acconci ist gleichsam ein begehbares Kunstwerk und als solches natürlich auch ein Kulturort. Und zum zweiten Teil Ihrer Frage: Ja, das erste halbe Jahr nach der Generalsanierung war sehr erfolgreich. Wir konnten eine ganze Reihe von Veranstaltungen auf die Insel bringen: fünf mal Monday Nights Jazz, zwei Veranstaltungen und zwei Lectures im Rahmen des Designmonat, die Assembly-Street-Fashion-Show, eine Modeschau der Modeschule Graz, zwei Tage Klanglicht, die Homebase des DramatikerInnen Festivals, eine Woche Oper Graz und neun Wochen Sommerkino (18 Spieltermine in Kooperation mit OchoReSotto und dem Filmzentrum im Rechbauerkino) – um nur die wichtigsten zu nennen.

Wolfgang Skerget
Foto: Stefan Zavernik

Welche Kultur-Schwerpunkte wird es bis Jahresende noch geben?

Es wird bis Weihnachten noch acht Monday Nights geben, ein paar kleinere Events und für den Advent haben wir ein eigenes Programm in Vorbereitung, lassen Sie sich überraschen.

In den letzten zwei Jahren sind Sie als Leiter der City of Design-Koordinationsstelle der Stadt Graz zu einer wichtigen Anlaufstelle für die heimische Kreativwirtschaft geworden. Welchen Stellenwert hat das Thema Kreativität in den Köpfen der heimischen Bevölkerung? Und welche Probleme gilt es im Bereich der Kreativwirtschaft in der Zukunft zu lösen?

Ob wir wichtig sind, ist völlig egal, Wichtige gibt‘s in dieser Stadt genug. Ich bin fest überzeugt, dass es für Graz nur einen Rohstoff der Zukunft gibt: das Hirnschmalz der Menschen, die hier leben. Und zur Förderung dieses kreativen Potenzials möchten wir – möglichst im Hintergrund und ohne Selbstdarstellung – unseren Beitrag leisten. Dazu möchten wir das Thema Design als grundsätzlichen Ansatz in möglichst alle Bereiche des öffentlichen Lebens und der Produktion implementieren. Denn so wie alles Leben Chemie ist, sind alle Erscheinungsformen auch Design. Das muss aber noch in die Köpfe der Menschen, die Design oft als bloße Behübschung sehen. Dabei geht es gerade um das Gegenteil: Gutes Design leistet einen wesentlichen Beitrag zu besseren und nachhaltigeren Produkten und Prozessen und damit auch zu mehr Lebensqualität. Und natürlich gibt es da auch viele, die sich auf diesem Gebiet schon lange und engagiert einbringen, beispielhaft möchte ich hier vor allem die Netzwerkgesellschaft Creative Industries Styria (CIS) und die FH Joanneum nennen.

Foto: Harry Schiffer

Bei der Bewertung von kreativen Projekten ist auch immer ihr wirtschaftlicher Nutzen entscheidendes Kriterium. Ein falscher Zugang?

Es geht darum, in welchem Stadium eines kreativen Projektes oder Prozesses diese Frage gestellt wird und um welches kreative Projekt es sich handelt. Wenn schon die Erstidee durch den ökonomischen Filter geht, ist es Blödsinn. Danach macht es bei kreativwirtschaftlichen Projekten (wie der Name schon sagt) natürlich Sinn, denn es soll ja ein Ergebnis bringen. Aber natürlich könnte man jetzt lang und breit über die Kriterien, was denn eigentlich wirtschaftlicher Nutzen ist, streiten. Mir scheinen da vor allem die Nachhaltigkeit und der ökologische Nutzen wichtig. Kunstprojekte entziehen sich meiner Meinung nach grundsätzlich der Frage nach dem ökonomischen Nutzen – und das ist sehr gut so.

Monday Nights auf der Murinsel Graz / Jazz, Blues und Funk – präsentiert von gamsbART

Beginn jeweils um 19.30 Uhr / Eintritt ist frei

 

Die nächsten Termine:

23.10. Buena Banda, Brass Groove zwischen Etna und Dachstein / Konzert

6.11. folksmilch, „Palermo“ / CD-Präsentation & Konzert

13.11. Lorenz Maierhofer, personale 6.0 – hautnah am Leben und Werk / CD Präsentation & Konzert

20.11. Smart Metal Hornets / Präsentation ihrer Weihnachts-CD & Konzert

Foto: Harry Schiffer
TEILEN