„Die Weber“: Bewegungstheater an der Kunstuni Graz

„Die Weber“: Bewegungstheater an der Kunstuni Graz

Foto: Lisa Horvath

Die Kunstuniversität Graz zeigt Bewegungstheater nach Gerhart Hauptmanns Drama gleichen Namens: Hauptmanns naturalistisches Stück über den Aufstand, mit dem sich die schlesischen Weber 1844 gegen ihre Unterdrückung durch die frühkapitalistischen Unternehmer zur Wehr setzten, war auch fünfzig Jahre später bei seiner Uraufführung noch von hoher politischer Brisanz.

Industrielle Konkurrenz, schwindende Absatzmärkte, Abhängigkeit und Preisverfall … Trotz Selbstausbeutung und Kinderarbeit konnten die schlesischen Weber Mitte des 19. Jahrhunderts nicht einmal das Nötigste erwirtschaften. Als schwächstes Glied in der frühindustriellen Wertschöpfungskette bekamen sie die Krise ihres Produkts voll zu spüren, die Folgen: Pauperisierung. Hunger. Und schließlich jener berühmte Aufstand, der am 6. Juni 1844 durch das preußische Militär brutal niedergeschlagen wurde. „Deutschland, wir weben dein Leichentuch / Wir weben hinein den dreifachen Fluch“ schreibt Heinrich Heine noch im selben Jahr in seinem Lied Die Schlesischen Weber, das in Karl Marx’ Zeitschrift „Vorwärts!“ veröffentlicht und als Flugblatt verteilt wird. Der März 1848 kündigt sich an. 50 Jahre später ist Gerhard Hauptmanns Drama Die Weber weit weniger deutlich der politischen Agitation verpflichtet. Dennoch erscheint sein im Dialekt verfasstes, naturalistisches Stück, das eine ganze soziale Schicht zum Protagonisten macht, nicht minder revolutionär. Es wird sofort mit Aufführungsverbot belegt, die öffentliche Premiere erfolgt erst mit zweijähriger Verspätung im Jahr 1894 am Deutschen Theater Berlin.

Foto: Lisa Horvath

In Anlehnung an reale Vorkommnisse und Personen beschreibt Hauptmann über fünf Akte die Eskalation der sogenannten sozialen Frage. Seine Helden sind stammelnde Lumpengestalten, sie finden kein großes Wort für ihre heroische Wut. Martin Woldan, Professor für körperlichen Ausdruck an der Kunstuniversität Graz, übersetzt den packenden Text, der in Zeiten globalisierter Ungerechtigkeit zweifellos immer noch von brennender Aktualität ist, mit seinen Studentinnen und Studenten in Bewegung und eindringliche Bilder, Sandy Lopicic und Studentinnen und Studenten der Theatermusik liefern die Musik dazu.

Fr., 24.11. & Sa., 25.11.2017, 19.30 Uhr

Mumuth, György-Ligeti-Saal

18.45 UHR: Mumuth Lounge: Das etwas andere Vorprogramm

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