Internationale Musikstars zu Gast an der Kunstuniversität Graz

Internationale Musikstars zu Gast an der Kunstuniversität Graz

Für einen Abend an der Kunstuniversität: André Heller. Foto: Suzy Stöckl / Paul Zsolnay Verlag

Die Kunstuniversität Graz startet mit einem vielfarbigen Programm der Superlative ins neue Studienjahr. Auch abseits der Abonnement-Zyklen ist eine Reihe internationaler Künstlergrößen zu erleben – und Musik aus allen Richtungen.

Mehr als 1.300 Veranstaltungen stemmt die Kunstuniversität Graz jedes Jahr, sie ist damit wohl der größte Veranstalter der gesamten Steiermark. Insgesamt 25 Produktionen davon teilen sich auf das Hauptabonnement, das abo@mumuth und das Abo für junges Publikum auf. Hier vereint die Universität ihre programmierten künstlerischen Höhepunkte aus den unterschiedlichen Bereichen des Hauses. So sind am 18. und 19. Oktober beim Konzert !Ausgezeichnet! die Preisträger des internationalen, an der Kunstuniversität Graz ausgerichteten Wettbewerbs „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ zu erleben: zwei Abende mit exquisiter Kammermusik. Gleich anschließend, am 20. Oktober folgt mit POSAUNEN! das erste Konzert für junges Publikum. Das große Orchester stellt am 9. November unter dem Titel Petruschka musikalische Spaßmacher vor (Dirigent: Marc Piolet). Und am 24. und 25. November folgt das bereits im Rahmen des steirischen herbst gestartete abo@MUMUTH mit der Produktion Die Weber. Das berühmte Stück Gerhard Hauptmanns wird dafür in Bewegungstheater übersetzt. Doch was passiert sonst an der Kunstuniversität? Erstaunliches! Auch außerhalb der Abonnements haben sich am Haus Konzertreihen und Formate wie die „Begegnungen“, „Seite an Seite“, die „Spiegelungen“, die „SignaleGRAZ“ oder „KUGjazz@ORPHEUM“ entwickelt, die immer wieder äußerst prominente Acts vereinen.

Heimspiel der Grenzgänger: das radio.string.quartet im MUMUTH

Ein ganz besonderes Konzerterlebnis verspricht diesen Herbst das „Heimspiel“ des radio.string.quartet am 21. Oktober um 19.30 Uhr im György-Ligeti-Saal. Die vier MusikerInnen, die in Graz studiert haben, stellen höchst erfolgreich die Klassik-Welt auf den Kopf und fügen sich damit auch harmonisch in den Schwerpunkt zur Entgrenzungsthematik an der Kunstuniversität Graz ein. In Graz stellen sie ihr sechstes Album vor, das sich, co-produziert vom norwegischen NuJazz-Pionier Bugge Wesseltoft, jeder Genre-Zuschreibung widersetzt. Als „CrossoverJazzClassicPopFusionRockNewMusicElectronic”-Ding bezeichnen die vier In Between Silence. Inspiriert haben sie unter anderem Nine Inch Nails, Franz Schubert, Feist, e.s.t., Arvo Pärt, Bugge Wesseltoft und Sidsel Endresen.

War auch schon mit Queen und Amy Winehouse unterwegs: Posaunistin Carol Jarvis.
Foto: Steve McDonald

André Heller bei den Begegnungen

Am 25. Oktober um 20 Uhr ist in der Reihe „Seite an Seite“, bei der prominente Lehrende gemeinsam mit Studierenden auf der Bühne stehen, ein Konzert im Florentinersaal des Palais Meran zu erleben. Es musizieren u. a. Altrektor und Akkordeonist Georg Schulz sowie der Cellist Julian Arp. In der Reihe „Begegnungen“ bemüht sich die Kunstuniversität Graz schon das dritte Jahr, spannende Künstler „von außen“ für einen Abend ins Haus zu holen. „Begegnungen“ gab es bislang z. B. mit Alfred Brendel, Georg Friedrich Haas und Händl Klaus oder Martin Grubinger. Am 7. November kommt nun André Heller um 19 Uhr für ein Gespräch mit Kulturpublizist Frido Hütter ins MUMUTH. Worum es gehen wird? Um Musik natürlich, um Literatur und um das Leben wahrscheinlich auch. Ganz bestimmt aber um André Heller.

Musik und die Stille – Lucie Prod‘homme zu Gast

Ein weiterer weltberühmter Gast wird dann gleich am 10. November begrüßt. Die Konzertreihe SignaleGRAZ stellt die französische Komponistin Lucie Prod‘homme in den Mittelpunkt. In Lucie Prod‘hommes Musik zeigt sich ein sehr bewusster Umgang mit musikalischem Material und eine genaue Kenntnis der Avantgarde des 20. und 21. Jahrhunderts, die – man denke z. B. an Morton Feldman – mit völlig neuen Formen der Zeitgestaltung experimentiert. In ihrer Werkserie Leçon du Silence lotet Prod‘homme die Beziehung zwischen elektroakustischem Klang und Stille aus. Die räumliche Klangverteilung wird dabei von der Komponistin selbst auf der Mehrkanalanlage des MUMUTH live gesteuert. Die SignaleGRAZ-Lecture „Composing Silence“ bietet vorab um 18 Uhr intime Einblicke in die Arbeit der Komponistin, das Konzert folgt um 19.45 Uhr.

Spielt mit der Stille: die französische Komponistin Lucie Prod’homme.
Foto: Jean-Marc Vidal

Weltklasse-Jazz für Graz

Ein international aufsehenerregendes Großereignis gestaltet das Institut Jazz mit dem Jazz Comp Graz 2017, einem Wettbewerb für Bigband-Kompositionen. Nach 2011 und 2014 findet dieser zum dritten Mal statt. Bei der Auswahl der Juroren wurde wiederum auf größtmögliche Reputation und Internationalität Wert gelegt, um dem hohen künstlerischen Anspruch dieses Wettbewerbs gerecht zu werden. Institutsvorstand und Jury-Vorsitzender Ed Partyka lässt die Jazz-Weltstars Michael Abene, John Hollenbeck und Jörg Achim Keller abstimmen. Das Finalkonzert findet am 17.11.2017 um 19 Uhr im MUMUTH statt.

Weitere Highlights bietet das Institut Jazz regelmäßig mit seiner Reihe KUGjazz@ORPHEUM (siehe auch Seite 17). Wer am 25. Oktober nicht im Florentinersaal sitzt, kann im Orpheum Extra ab 20 Uhr „The Claudia Quintet“ hören. Die 1997 vom mehrfach Grammy-nominierten Komponisten und Schlagzeuger John Hollenbeck gegründete Formation präsentiert Werke ihres letzten Albums Super Petite.

Einen ausgefallenen Abend der Reihe verspricht dann der 22. November: „an evening with Carol Jarvis“. Selbstständig, vielseitig, vielbeschäftigt sind wohl die Adjektive, die diese Künstlerin am besten beschreiben. Sie war und ist gefragtes Orchestermitglied z. B. des London Symphony Orchestras, des BBC Concert Orchestras wie auch Mitglied verschiedener „Brass sections“ internationaler Pop- Stars wie Sting, Queen, Seal, Rod Stewart, Amy Winehouse u.v.a. Jarvis ist musikalisch also überall „zu Hause“, das wird auch bei ihrem Graz-Konzert hörbar sein. Am Programm stehen im ersten Teil gefühlvolle Balladen, eingebettet in den warmen Klang eines Streichquartetts, bevor es im zweiten Teil schwungvoll zur Sache geht: Funk, Soul und Motown ist dann das Motto. Der musikalische Bogen spannt sich dabei von Jimmy van Heusen über Astor Piazolla bis hin zu Stevie Wonder und Jamiroquai.

Ein in vieler Hinsicht herausragendes Studierenden-Ensemble der Kunstuniversität Graz ist das Oberton String Octet, das zuletzt unter anderem bei der Großveranstaltung Take5 im György-Ligeti-Saal brillierte. Am Nachmittag des 21. November 2017 konzertiert die Formation im Rahmen der Reihe „Spiegelungen“ um 16 Uhr im Florentinersaal des Palais Meran. Moderiert wird der Abend – wie stets in dieser Reihe – von Harald Haslmayr.

Inspiriert von Nine Inch Nails und Schubert, Feist und Arvo Pärt: das radio.string.quartet.
Foto: Andreas Jakwerth
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