Reisen mit Kultur: Miami Beach is calling

Reisen mit Kultur: Miami Beach is calling

Damien Hirst, "Gone but not forgotten"

Anfang Dezember richtet die internationale Kunstszene ihre Blicke nach Florida. Vier Tage lang wird die Art Basel Miami die Metropole zum Mittelpunkt des weltweiten Kunstmarktes transformieren.

Text: Stefan Zavernik

Türkisblaues Meer, weiße Strände und ausschweifende Partys. Miami war immer schon eine coole Stadt. Das wusste die Welt spätestens mit der Kult-Serie „Miami Vice“. Doch die wilden 80er Jahre sind lange vorbei. Das Image der Metropole hat sich gewandelt. Zuerst entdeckte sie der internationale Jet-Set, dann der internationale Kunstmarkt. Heute feiern beide gemeinsam auf der Art Basel Miami. „Die Kunst hat Miami ein neues Gesicht verliehen“, bringt es Alex Furrer auf den Punkt. Der Schweizer ist General Manager des mondänen The-Setai-Hotels im Art-Deco-Viertel von South Beach. Während der Messewoche empfängt er in seinem Haus das internationale „Who is Who“ der Kunstszene. Darunter Galeristen, Sammler und Künstler. Im letzten Jahr war das Hotel nicht nur als Unterkunft eine der großen Drehscheiben der Art Basel Miami, sondern auch Location einer elitären Kick-off-Veranstaltung der Kunstwoche – gefeiert wurde der italienische Künstler Gaetano Pesce, der im Innenhof des Hotels eine monumentale Skulptur installierte. „Die Art Basel hat der Stadt nicht nur ein neues Klientel gebracht, sie hat der lokalen Künstler- und Galerienszene nebenbei ermöglicht, international auf sich aufmerksam zu machen. Miami ist zu einer Kunstmetropole geworden, die Trends vorgeben kann.“

Alex Furrer

Art Basel Miami

Was im Jahr 2002 mit 6 Galerien im überschaubaren Rahmen seinen Anfang nahm, ist heute eine internationale Kunstmesse, die alle Grenzen sprengt. Im vergangenen Jahr stellten über 260 Galerien aus knapp 30 Ländern aus. Gezeigt wurden an die 4.000 Kunstwerke mit einem Gesamtwert von etwa 3 Milliarden Dollar. Die Messe wurde zu einem Kunst-Ereignis der Superlative, auf dem die weltweit erfolgreichsten Galeristen um milliardenschwere Sammler buhlen. Dementsprechend glamourös ist ihr Rahmenprogramm, naturgemäß dekadent ihre Partys. Der Startschuss fällt alljährlich mit der VIP-Preview vor der offiziellen Eröffnung, um deren Tickets sogar Millionäre zu betteln haben. Die am Tag darauf stattfindende Vernissage bleibt genauso nur geladenen Gästen vorbehalten. Erst danach ist die Art Basel Miami für vier Tage (7.–10. Dezember 2017) der Öffentlichkeit zugänglich. Zahlreiche kleinere Nebenmessen versuchen währenddessen, den Hype als unabhängiger Nebenschauplatz zu nutzen.

2016 stellten auf der Art Basel Miami über 260 Galerien aus knapp 30 Ländern aus. Hier die Sicardi Gallery.

Die lokale Kunstszene profitiert enorm von der Messewoche. Auf der Suche nach neuen Trends und noch unentdeckten Talenten machen sich viele Kunstinteressierte auf nach Wynwood, einem Stadtviertel mit etlichen lokalen Galerien und Künstlerateliers. Es gilt heute als größtes Street-Art-Museum der Welt. Hunderte von Wandgemälden und Graffitis zieren fensterlose Häuserwände, Lagerhallen und Fabriken. Im offiziellen Besucherzentrum, dem Wynwood Walls, sind exponierte „Murals“ bekannter Street-Art-Künstler wie Shepard Fairy, Ryan McGinness, Ron English oder Miss Van zu einer Ausstellung zusammengefasst. Der Eintritt ist frei, ganz dem nichtkommerziellen Grundgedanken der Street Art entsprechend – und ein kunstvoller Kontrast zur Siegerkunst-Mentalität im Miami Beach Convention Center.

Foto: Art Basel

Art Deco

Als Inspirationsquelle dient Miami abseits der Messewoche vielen Designern und Künstlern das ganze Jahr über. Speziell das Art-Deco-Viertel in South Beach wurde zum Ausdruck eines typischen Lebensgefühls. Der für seine Fans zur Kunst gewordene Architekturstil stammt ursprünglich aus Frankreich, wo er auf der Weltausstellung für Kunstgewerbe und Industriedesign im Jahre 1925 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Designer und Architekten aus der ganzen Welt zeigten sich begeistert. Im touristisch aufstrebenden Miami der 30er Jahre war man dem Art-Deco-Fieber verfallen – so gut wie alle Hotels und Restaurants wurden in diesem neuen, futuristisch anmutenden Stil erbaut. Die Gebäude besitzen in der Regel einen völlig symmetrischen Aufbau; Elemente wie Glasbausteine, Flachdächer, Neonlichter und pastellfarbene Häuserwände wurden zum Markenzeichen eines ganzen Viertels. Mit dem Ocean Drive entstand eine Prachtstraße, die bis ins kleinste Detail als Postkartenmotiv konzipiert erscheint.

Doch Schönheit ist vergänglich. In den 70er und 80er Jahren war das Viertel durch Drogen- und Bandenkriminalität völlig heruntergekommen. Viele Gebäude waren komplett verfallen und standen vor ihrem Abriss. Erst als im Jahr 1976 ein Verein zum Erhalt des Viertel gegründet wurde, begann man den städtebaulichen Schatz als solchen zu behandeln und restaurierte die Bausubstanz. Heute können Interessierte an Führungen durchs Viertel teilnehmen und so Einblicke in dessen architektonische Geschichte nehmen. Eine seiner größten Sehenswürdigkeiten, wenn auch nicht im Art-Deco-Stil erbaut, verdankt der Art-Deco-Distrikt Gianni Versace. Der italienische Modeschöpfer wählte den Ocean Drive als Wohnsitz, kaufte eine im mediterranen Stil erbaute Villa und restaurierte sie um viele Millionen Dollar: drei Stockwerke, zehn Schlafzimmer, elf Bäder und ein fürstlicher Swimmingpool. Heute ist die einstige Luxus-Villa ein Boutiquehotel, der Geist Versaces sei darin regelrecht spürbar.

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Wohnen wie ein Star

40 Stockwerke am Strand von South Beach versprechen gute Aussichten. Auf der einen Seite schweift der Blick über das offene Meer, Richtung Westen verwandelt der tägliche Sonnenuntergang den Himmel in ein betörendes Gemälde. Davon angetan ist auch Chuck Close, einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler der USA. Mit seiner Kunst hat er die Portraitmalerei des 20. Jahrhunderts maßgebend beeinflusst. Zu seinem Markenzeichen wurden monumentale, meterhohe fotorealistische Portraits. Darunter Gesichter von Freunden, Kollegen und Stars wie Kate Moss, Brad Pitt oder Lou Reed. Seit vielen Jahren schon bewohnt der weltberühmte Maler eine opulente Ocean Suite im The Setai. Seit dessen Neueröffnung im Jahre 2005 konnte sich das Hotel als eine Ikone innerhalb der amerikanischen Luxus-Hotellerie etablieren.

Zu seinen Gästen zählen Celebrities wie Tennis-As Roger Federer, Supermodel Gisel Bündchen, Formel-1-Weltmeister Louis Hamilton oder Musikstars wie Jay-Z und Lenny Kravitz, der für ein paar Jahre sogar sein gesamtes Musikstudio ins Hotel verlegte. Ruhm und Glamour wirken anziehend. Ein Mitgrund, warum die Bar des Hotels im Nachtleben von vielen Locals frequentiert wird. Das Hotel ist in zwei Gebäude gegliedert. Es verfügt über einen futuristisch anmutenden Wolkenkratzer mit Appartements und zum Meer hin ausgerichteten Suiten sowie über ein aufwendig renoviertes Art-Deco-Gebäude aus dem Jahre 1937, das vor 80 Jahren als luxuriöses Dempsey-Vanderbilt- Hotel für Schlagzeilen sorgte. Die beiden für den Umbau verantwortlichen Designer Jean Michel Gathy und Jaya Ibrahim entwickelten für das Innenleben des architektonischen Denkmals die Idee einer Symbiose zwischen fernöstlichen Elementen und Art-Deco-Einflüssen aus Asien. Wer seinen Fuß in die Lobby setzt, betritt eine andere Welt.

Der Hang zur Perfektion ist so allgegenwärtig, dass man ihn förmlich riechen kann. Der Duft des Hotels wurde gemeinsam mit Roja Dove entwickelt, jenem Mann, der dafür bekannt ist, maßgeschneiderte Parfums für Superstars und alle anderen Menschen zu kreieren, die sich diesen Traum für satte 30.000 Dollar leisten wollen. Für die Gäste des Setais eine formidable Investition des Hotelmanagements – die wie viele andere Annehmlichkeiten zu einem ernstzunehmenden Problem werden können, wenn man von Miami Beach oder der Art Basel Miami etwas sehen möchte. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer wird es nämlich immer schwieriger, gute Gründe dafür zu finden, das Hotel zu verlassen. Schon um gut zu essen, braucht es keine weiten Sprünge. Tagsüber werden im Setai Grill frischer Fisch und Meeresfrüchte auf Holzkohle zubereitet; und für ein spektakuläres Dinner genügt der Weg ins hauseigene Jaya-Restaurant. Dort brilliert ein indischer Küchenchef bei der Herausforderung, asiatisch-indische Fusionsküche auf die Teller zu bringen. Untertags lockt neben dem voll servicierten Privatstrand eine atemberaubende Poollandschaft mit drei Swimmingpools. Spätestens dann, nach einem Tag im Liegestuhl, tiefenentspannt durch das allgegenwärtige Rascheln der Palmen, wird eines sonnenklar: Die Art Basel Miami mag ein guter Grund sein, um nach Miami zu reisen. Der einzige ist sie nicht.

The Setai Hotel im Art-Deco Viertel.

www.artbasel.com/miami-beach
www.thesetaihotel.com

 


 

Essen & Trinken in Miami Beach

Miami bei Tisch erleben

 

Jaja at the Setai: Indische Kochkunst trifft auf den Geschmack Asiens

Vijay Veena
Foto: The Setai

Was passiert wenn ein weit gereister, indischer Küchenchef namens Vijay Veena seine Liebe für die Kochkultur Japans, Chinas, Thailands und Koreas entdeckt? Er kreiert daraus einen Küchenstil, der so in Miami kein zweites Mal zu finden ist und im Jaya Restaurant des Setai-Hotels eine atemberaubende Bühne vorfindet. Vor allem aber beweist er, dass indisches Essen definitiv das Zeug für die große Bühne besitzt. Schon das hausgemachte Brot könnte ein Grund sein, Stammgast zu werden. Es kommt aus dem originalen Tandoori-Ofen und wird mit einer Reihe von Saucen serviert. Ebenso aus dem heißen Ofen: das grandiose See Bass Tikka mit Kräutern und Tamarinden-Chutney. Jeden Sonntag zelebriert das Restaurant übrigens seinen in South Beach bereits legendären Brunch. Der Name „Jaya“ stammt aus dem Sanskrit und wird mit „siegreich“ übersetzt. Treffend, auf der ganzen Linie.

 

Los Fuegos: Ein Cowboy am Grill

„Hanging“ Tomahawk Steak im Los Fuegos.
Foto: Juan Fernando Ayora

Alleine das Goldene Mammut von Damien Hirst ist einen Abstecher ins Faena Hotel wert. Für das 11 Millionen Euro teure Kunstwerk mit dem Titel Gone but not Forgotten setzte der Künstler das Skelett eines drei Meter hohen Mammuts in einen vergoldeten Käfig mit hurrikan-sicherem Glas. Das Skelett des Riesen überzieht eine 24-karätige Goldschicht. Eine eindrucksvolle Installation, die gleichsam in Erinnerung bleibt, wie die rauchig gegrillten Steaks im Restaurant des argentinischen Starkochs Francis Mallmann. Mit dem Los Fuegos eröffnete er sein erstes Restaurant in den USA und praktiziert dabei dieselbe Küchenlinie, für die er auf der ganzen Welt bekannt wurde. Viel Feuer, viel Rauch und viel Zeit spielen dabei die Hauptrolle. Ob Fisch, Fleisch oder Gemüse, so gut wie alles, was auf den Teller kommt, wird unter offenem Himmel gegrillt. Cowboy-Lagerfeuer trifft dabei auf französische Haute Cuisine.

Chef Francis Mallmann Foto: David X Prutting

 

The Traymore: Seafood und Art Deco-Glanz

Foto: Martin Morell

Eigentlich fehlen nur noch Sonny Crockett und Rico Tubbs, die an der Bar lehnen, um sich bei ein paar eiskalten Drinks in ihre Lagebesprechung zu vertiefen. Das Traymore Restaurant im hippen Metropolitan Hotel ist ein Inbegriff klassischer Art-Deco-Eleganz. Das Gebäude aus den 30er Jahren wurde aufwendigst restauriert, nach den Ideen der italienischen Designerin Paola Navone eingerichtet und erstrahlt in seinem Inneren in tropischem Mintgrün. Die Küchenline von Chefkoch Ilde Ferrer spannt den Bogen zwischen traditionellen Seafood-Gerichten aus Florida und Klassikern der amerikanischen Küche. Zu den Klassikern des Traymore zählen Gerichte wie der gegrillte Oktopus mit Oliven, Kartoffeln und einer Salsa Verde, oder der „Catch of Day“ mit Zitrone, Mayoran und Kapern. Die Bar lockt vor und nach dem Dinner. Berüchtigt ist sie für ihre grandiose Gin-Auswahl.

Foto: Graciela Cattarossi

La Mar: Peruanische Küche auf Brickell Key

La Mar
Foto: Mandarin Oriental

Brickells Skyline ist definitiv eine Sehenswürdigkeit. Am atemberaubendsten lässt sie sich von der Terrasse des La Mar Restaurants im Mandarin Oriental erleben. Das Luxushotel liegt auf Brickell Key, einer kleinen exklusiven Insel vor dem eigentlichen Viertel. Nach Sonnenuntergang erstrahlt die Skyline im Format einer Hollywood-Kulisse. Gespeist wird im La Mar peruanisch. Für die Küchenlinie ist die Ikone der peruanischen Küche schlechthin verantwortlich: Gaston Acurio. Serviert werden raffinierte Cheviches, herzhaft gegrillte Anticuchos und viele andere Klassiker aus der Küche Perus. Auch die Cocktails sind einen Besuch wert. Leger zu genießen in der Lounge des Restaurants, genannt YAKU. Cooles Barfood inklusive.

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