Dienstalk: Glühende Debatte zu einem heißen Thema

Dienstalk: Glühende Debatte zu einem heißen Thema

Moderator Michael Fleischhacker, Christopher Drexler, Mathias Grilj, Detlev Eisel-Eiselsberg. Foto: STVP/Foto Fischer

Hat Österreich eine schützenswerte Raucherkultur die es zu bewahren gilt? Unter dem Titel „Rauchfrei(heit) in der steirischen Gastronomie“ lud die STVP am 30.1. zur Diskussionreihe „Dienstalk“ ein.

Text: Teresa Guggenberger

„Raucher sind keine Genussmenschen, sie sind Süchtige!“, kommentierte ein Gast beim Publikumsgespräch die vorhergegangene Diskussionsrunde. Für diese Meldung erntet er den Beifall vom Großteil des Publikums. Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich klar für ein Rauchverbot in der österreichischen Gastronomie aus.  Auch Onkologe Dr. Hellmut Samonigg befand sich unter den Zuhörern und betonte, dass der gesundheitliche Aspekt beim Thema Rauchen immer zu beachten sei. Aus diesem Grund werde er den Kampf um eine Volksabstimmung bezüglich des Rauchverbots in der Gastronomie nicht aufgeben. Dass eine solche Abstimmung Zugunsten des Verbots ausfallen würde ist man sich im Publikum einig. Landesgeschäftsführer Detlev Eisel-Eiselsberg betonte sogar, dass auch er als Raucher sich klar für eine rauchfreie Gastronomie ausspreche. Bekräftigt wurde dieses Argument auch von der Wortmeldung einer anwesenden Suchtberaterin: „Nur 50% der Raucher geben an, wirklich rauchen zu wollen. Die anderen 50% wollen eigentlich aufhören.“ Voran ging der Publikumsdebatte eine Diskussionsrunde bei der sich Gesundheitslandesrat Christopher Drexler und Autor Mathias Grilj gegenüberstanden. Journalist Michael Fleischhacker führte mit provokanten Fragen als Moderator unterhaltsam durch den Abend.

An der Entscheidungsfreiheit festhalten

Stark im Kontrast zum Meinungsbild des Publikums standen die Argumente von Mathias Grilj. Der Autor bekannte sich gleich am Anfang dazu, leidenschaftlicher Raucher zu sein und pro Tag mindesten sechzig Zigaretten zu konsumieren. Er betonte stark, dass er keinesfalls ein Plädoyer für das Rauchen halten möchte, denn er wisse über die schädlichen Auswirkungen bestens Bescheid und würde das Rauchen auch niemanden empfehlen. Dennoch sprach Grilj sich klar gegen ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie aus, weil ein solches die freie Entscheidung des Menschen einschränke. Die Frage ob man rauchen möchte oder nicht sollte laut Grilj jeder Mensch für sich beantworten dürfen. Und dazu gehöre auch, dass es öffentliche Räume gibt, in denen dies erlaubt ist. Vor allem sprach sich Grilj für die Entscheidungsfreiheit der Wirte aus, welche seiner Ansicht nach selbst darüber bestimmen dürfen sollen, ob in ihrer Lokalität geraucht wird oder nicht. Schwärmerisch verwies der Autor dabei immer wieder auf sein Stammlokal, indem seiner Angabe nach jeder rauche, auch das Personal und somit durch diesen Umstand kein Nichtraucher zu Schaden käme, da die Raucher ja unter „Ihresgleichen“ blieben.

Chancengleichheit in der Gastronomie

Gesundheitslandesrat Christopher Drexler erhielt an diesem Abend den Großteil der Zustimmung vom Publikum, da er sich von Anfang an klar für ein ganzheitliches Rauchverbot in der österreichischen Gastronomie aussprach. Der Gesundheitslandesrat betonte, dass die Aufhebung des Rauchverbots auf starken Freiheitlichen Druck entstanden sei und er sich selbst von dieser Entscheidung distanziere. Bedauernswert sei diese Entscheidung von Regierungsseite vor allem deswegen, weil mit dem Beschluss des Rauchverbotes in Lokalen ab Mai 2018 die in Österreich schon lange währende Diskussion ein Ende gefunden. Ein generelles Rauchverbot habe, so Drexler, keinesfalls etwas mit dem Erschaffen einer Verbotsgesellschaft zu tun. Vielmehr gehe es hierbei um einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander. Er betonte hierbei vor allem den großen Unterschied, den das Rauchen im Vergleich zu anderen körperschädigenden Verhaltensweise, wie beispielsweise Alkoholkonsum, aufweist: Durch Zigarettenrauch werden direkt andere Menschen geschädigt. Drexler unterstrich aber vor allem die große Chance der Wettbewerbsgleichheit unter den Gastronomiebesitzern die durch ein solches Verbot geschaffen würde. Als Beispiel nannte er einen Gastwirt, der eines von zwei Gasthäusern in einem kleinen Ort besitzt und der sich selbst, würde er sich für ein Nichtraucherlokal entscheiden, einen Nachteil gegenüber seinem Konkurrenten verschaffen würde, zumal alle rauchenden Gäste dann zu diesem Wechseln würde. Solche Fragen könnten Drexler zufolge durch ein generelles Gebot hinfällig werden und einen fairen, chancengleichen Wettbewerb unter den Wirten schaffen.

Klare Positionierung des Publikums

Für Lacher und viele Emotionen beim Publikum sorgten die Argumentationen beider Seiten. So unterschiedlich wie die Meinungen der beiden Sprecher waren auch ihre Darbietungen. Während Christopher Drexler sich sachlich und politisch präsentierte, wirkte Grilj emotional und persönlich betroffen – ein Aspekt die Diskussion noch spannender und die Gegensätze klarer machte. Aufgrund der anschließenden Wortmeldungen aus dem Publikum und des starken Beifalls für Christopher Drexlers Argumente ging das Meinungsbild der Zuseher klar hervor: Die Mehrheit sprach sich für ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie aus. Auch die präsentierte Umfrage, welche in der Grazer Herrengasse durchgeführt wurde, folgte diesem Trend, was die Vermutung zulässt, dass eine Volksabstimmung, sollte diese kommen, wohl zugunsten eines Rauchverbots ausgehen würde.

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe: www.dienstalk.at

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