Franz Yang-Mocnik im KULTUM: Ich bin die Botschaft und mein Interpret

Franz Yang-Mocnik im KULTUM: Ich bin die Botschaft und mein Interpret

Der Realismus begnügt sich mit nur einer Sicht auf die Dinge. Das ist Franz Yang-Mocnik entschieden zu wenig. Noch bis zum 3. März ist dem Künstler im Kulturzentrum bei den Minoriten eine große Personale gewidmet. Gezeigt werden Werke aus unterschiedlichen Schaffensperioden bis heute.

Text: Julia Braunecker

„In der Ausstellung bei den Minoriten geht es um das Verhältnis von Demütigung und Gnade”, sagt Johannes Rauchenberger,  Kurator der Ausstellung und KULTUM-Leiter. „Es leuchtet in diesen dunklen Bildern die christliche Passionsidee auf.“ Im Zentrum der Kunst des Kärntners Franz Yang-Mocnik, der seit 1970 in Graz lebt, stehen der Mensch, die Gesellschaft und die eigene Existenz. Der Künstler hält es für die größte Sünde, wenn man dem anderen, vor allem den Kindern, nicht mit einem vorauseilenden Zuspruch begegnet – etwas, was er selber zu wenig erlebt hat. Als Einzelkämpfer hat er späte Anerkennung erfahren, etwa in Form eines Professorentitels, der ihm 2007 verliehen wurde, des Großen Ehrenzeichens des Landes Steiermark 2014 oder eben in Form der aktuellen Personale. Er weiß seine Geschichten zu erzählen – wenn man ihn lässt. Auch jene, wie er auf andere wirkt. Das Verstören ist mitunter Teil seines Auftritts.

Unbeugsamer Wille

Geboren 1951 in Waisenberg, in der Phase des Wiederaufbaus und des Verdrängens, musste Yang-Mocnik schon in jungen Jahren feststellen, dass seine Interessen nicht die aller anderen waren. Den bürgerlichen Vorstellungen eines vernünftigen Berufes wollte er sich nicht beugen und so entfernte er sich bereits als Jugendlicher von dem ihm vorgegebenen Weg. Von 1965 bis 1968 absolvierte er eine Tischlerlehre. In einer Bleistiftzeichnung aus dem Jahr 2016 ist ein bemerkenswerter Satz über seine Lehrzeit festgehalten: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!“ Yang-Mocnik war wohl schon als Knabe ein Einzelkämpfer, dem das Vertrauen in seine Mitmenschen allzu früh genommen wurde. Große Hoffnung setzte er nach seiner Lehre in die Ausbildung für seine künstlerische Feinarbeit an der Ortweinschule bei dem Surrealisten Franz Kogler. Dort wurde er als Gastschüler in der Meisterklasse aufgenommen, wo er sich als junger Mann aus der Provinz erst gegen seine Mitschüler behaupten musste.

Franz Yang-Močnik
Foto: F. Neumüller

Kritiker sind Öl im Feuer der Kunst

Allen Widerständen zum Trotz bestärkte ihn das nur darin, seinen künstlerischen Weg konsequent fortzusetzen. Er war immer vom Wunsch getrieben, über die Kunst verstanden zu werden. Seine Vorbilder waren Paul Klee, Paul Cézanne und Pablo Picasso, die auch zeit ihres Lebens in der Kritik gestanden waren. Denn auch Yang- Mocnik stieß mit seinen Gedanken bei seinen Mitmenschen immer wieder auf Unverständnis. Sein Kommunikationsmittel fand er in der Kunst, deren Techniken sich der Autodidakt ganz ohne fremde Hilfe aneignete. Fasziniert von „der unglaublichen Breite an Variationsmöglichkeiten, die das menschliche Antlitz bietet“, konzentrierte er sich anfangs auf Gesichter, in denen sich fratzenhafte Verzweiflung spiegelt. Die später dargestellten Körper malte er stark verzerrt, gekreuzigt oder ausgezehrt. Es sind Bilder, die den Betrachter fesseln.

Keine falschen Striche

Zu Beginn stand der Mensch im Mittelpunkt seines Schaffens. Danach verließ Yang-Mocnik das Zentrum „Mensch“ und erweiterte sein Spektrum um Schraffurbilder und gegenständliche Malerei. „Momentan geht es mir um erfüllte leere Räume. Die Technik der Schraffur (…) halte ich für sehr geeignet: den Raum mittels Struktur und Farbe darzustellen. Das interessiert mich am meisten, nicht so sehr der Gegenstand.“ Sein enormer eiserner Wille und seine Unbeugsamkeit äußerten sich später auch in seinen strengen geometrischen Linien: Ein falscher Strich und alles würde aus dem Gleichgewicht fallen. Mitte der 80er- bis Anfang der 90er-Jahre wurden seine Bilder durch die Verwendung von Ölfarben immer lebendiger und großflächiger. Durch Landschaftsmalerei erlebte er innerliche Ausgeglichenheit, was sich in einem stimmungsvollen Bogen vom Grazer Stadtpark und der Mur bis zu Gondeln in Venedig erkennen lässt. Auch Kaffeehäuser hatten es ihm angetan. Dort widmete sich Yang-Mocnik, der auch ein ausgezeichneter Beobachter ist, Menschen- und Gesellschaftsstudien.

Lichtbringer, 2007–17, Öl auf Reproprint auf Leinwand, 206 x 146 cm
Foto: F. Neumüller

Unter Außenseitern

Gesellschaftliche Veränderungen um die Jahrtausendwende erfasste er instinktiv, etwa im Kunstwerk Schönheit des Alterns. Zu sozialen Randgruppen fühlte er sich hingezogen. Er identifizierte sich lieber mit ihrem ehrlichen Leid als mit falschem Glück und Oberflächlichkeit. Ihre Verzweiflung und Perspektivenlosigkeit konnte er auf bewundernswerte Weise wiedergeben. So holte er sie vom Rand der Gesellschaft in die Mitte seines künstlerischen Schaffens. Er schreckte aber auch vor großen gesellschaftlichen Problemen wie unserem verschwenderischen Umgang mit Ressourcen und Müll nicht zurück, ohne aber mit dem Zeigefinger zu mahnen. „Also bin ich als Künstler in der Wahl der Mittel getrieben, den Produkten und Erscheinungen der technischen Gegenwart einen epischen Geschmack abzugewinnen, und finde Geschmack am Kunterbunt dampfender und stinkender Mülllandschaften unserer Vorstädte, sehe mich zum Tier werden, dem es davor nicht mehr ekelt und dem es immer schwerer fällt, sich zu schämen.“ (1997) Im Laufe der Zeit wurden seine Darstellungen immer surrealer. Durch die Collagen aus Papier, Fotos, Zeichnung und Textilien fand er die ideale Möglichkeit, seine innere Zerrissenheit auf der Leinwand zu kanalisieren. Später übertrug er diese Technik auf andere Medien beziehungsweise Materialien. So inspirierte ihn etwa der Fund einer Eberesche zu Skulpturen aus Holz: hölzerne Körper mit Bleielementen und helmartige Formen und Masken. „Eines Tages fand ich auf einem Grundstück eine gefällte Eberesche von außerordentlicher Qualität. Ich musste etwas damit machen, ich konnte dieses Holz nicht liegenlassen.“ (2001)

Die Botschaft ist angekommen

In jüngster Zeit ergänzt Yang-Mocnik sein bildnerisches Schaffen mit prosaischen Zeilen, wie zum Beispiel: „Wir können so bescheiden sein, dass wir unsere Gedanken in Selbstzweifel ertränken. Unser Selbstwert ist mehr als der Wert, den wir uns beimessen.“ Trotz seines mit zahlreichen Herausforderungen gesäumten Lebensweges hat er es geschafft, seine Botschaft unter die Menschen zu bringen. Die Ausstellung im KULTUM unterstreicht die Kämpfernatur und das große Talent des Künstlers. Sein Œuvre ist beeindruckend und sehenswert. Es fällt schwer zu glauben, dass die Vielfalt an Stilen, Techniken und Themen von einem einzigen Künstler stammt.

Franz Yang-Mocnik: Ich bin die Botschaft und mein Interpret

In Kooperation mit dem Museum Moderner Kunst Kärnten (Direktorin Christine Wetzlinger-Grundnig)

Kulturzentrum bei den Minoriten, Öffnungszeiten der Ausstellung: seit 20.1. bis 3.3.2018 Dienstag-Samstag: 11–17 Uhr

www.kultum.at

Kreuzigung, 2016, Kohle und Graphitstift auf Leinwand, 220×140 cm
Foto: F. Neumüller
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