„MfG, Peter Rosegger“ – der Sozialkritiker im Museum für Geschichte

„MfG, Peter Rosegger“ – der Sozialkritiker im Museum für Geschichte

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Sujet der Ausstellung Foto: Franz Joseph Böhm, undatiert, © UMJ/Multimediale Sammlungen

Das Museum für Geschichte widmet dem gefeierten Autor und sozialkritischen Journalisten Peter Rosegger anlässlich dessen 100. Todes- und 175. Geburtstages die Ausstellung „Peter Rosegger – Waldheimat und Weltwandel“.

 Text: Vanessa Roi

Seit Anfang Februar können Besucher im Museum für Geschichte den Schriftsteller vor dem Hintergrund der zahlreichen Veränderungen seiner Zeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln neu kennenlernen. Symbolisch für diesen Weltwandel steht die Weltkugel in der Fotomontage als Sujet der Ausstellung. Rosegger vermittelt als Zeitzeuge in seinen Romanen und den Artikeln seiner Zeitschrift „Heimgarten“ nicht nur regionale Geschichte, sondern geht dabei mit dem ländlichen wie auch dem städtischen Leben sozialkritisch teilweise hart ins Gericht.

Ausgefeiltes Konzept

Die Kuratorin Astrid Aschacher erklärt zum Konzept der Ausstellung, dass Rosegger selbst durch die Hörstationen, die sich in jedem Raum befinden,  mit – zum Teil ungewöhnlichen – Zitaten als Reiseführer fungiert. Zudem gibt es einerseits grau hinterlegte Texttafeln mit allgemeinen Informationen, andererseits grünblau hinterlegte Tafeln, die für Rosegger kontextualisierte Texte zeigen. Neben Originalexponaten und bislang unentdeckten Fotographien von Franz Joseph Böhm (1874 – 1938) werden als Präsentationsform die schon um 1900 sehr belieben Dioramen, also dreidimensionale Schaukästen, eingesetzt. Sie rekonstruieren und inszenieren Ausschnitte aus einem vergangenen und uns heute fremden Leben und dienen zugleich als Zitat aus der Zeit Roseggers.

Ausstellungsansicht mit Texttafeln und Hörstation Foto: © UMJ/N. Lackner

Stadt versus Land

In den Ausstellungsräumen werden die unterschiedlichsten Themen wie Hygiene, medizinische Versorgung, Bildung oder Arbeitswelt beleuchtet, wobei abwechselnd die städtische und die ländliche Situation betrachtet und Pro und Kontra gegenüber gestellt werden. Rosegger erkennt als kritischer Beobachter, dass Industrialisierung und Urbanisierung zwar Wohlstand aber zugleich Umwelt- und Sozialprobleme mit sich bringen. Im Laufe der Ausstellung nimmt die Größe der Dioramen immer weiter zu, bis diese bei den Themen Industrialisierung und Mobilität letztlich den Raum erobern und ihn sprengen. Die Dioramen bilden also ein Äquivalent zu den Entwicklungen der Industrialisierung, wie etwa dem Ausbau des Eisenbahnnetzes, der wiederum die Landschaft verändert und geprägt hat.

Ein Influencer seiner Zeit

Auch wenn Rosegger als Mann der Mitte versucht hat, sich auf Distanz zu den konkreten politischen Parteien zu halten, gibt es kaum eine politische Bewegung, die ihn nicht vereinnahmt hat, schildert der Rosegger-Experte Gerald Schöpfer als wissenschaftlicher Leiter. Zwar ist Roseggers Frauenbild eher antiquiert, doch in Bezug auf alternative Bewegungen, wie die Friedensbewegung, oder auch im Bereich der Ökumene sind seine Ansichten fortschrittlich. Er agiert somit als Meinungsmacher und tritt in der Bildung der öffentlichen Meinung immer stärker neben traditionelle Meinungsmacher wie die Kirchen. Aus heutiger Sicht würde man Peter Rosegger wahrscheinlich als „Influencer“ bezeichnen, da er wie ein Blogger zu beinahe allen Themen seiner Zeit Stellung nimmt. Deshalb ist die abwechslungsreiche Ausstellung mit ihren multimedialen Einblicken als Reise in die Vergangenheit der Grazer Region um 1900 für die ganze Familie lohnenswert.

Gerald Schöpfer (wissenschaftlicher Leiter) und Astrid Aschacher (Kuratorin) Foto: © UMJ/N. Lackner

Dauer der Ausstellung: 09.02.18 – 06.01.19

Infos und weitere Termine unter www.museumfürgeschichte.at

Save the date:

Jeden zweiten Freitag im Monat, 16 – 17 Uhr: Kuratorinnenführung mit Astrid Aschacher – „Peter Rosegger – Waldheimat und Weltwandel“

Fr, 09.03.18, 18 Uhr: Veranstaltungsraum, 2. OG Vortrag von Gerald Schöpfer: „Peter Rosegger – Zeuge einer vergangenen Welt“

Sa, 21.04.18 und Sa, 15.09.18, 9 – 17 Uhr: Exkursion Krieglach/Alpl: Waldheimat (Kosten: 30 €/Person)

Fr, 24.08.18, 18 Uhr: Buchvorstellung mit dem Autor Christian Teissl: „Man kommt sich vor wie in der Wüste… Der langsame Abschied des P.R.“

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