800-Jahre-Jubiläum: Die Diözese Graz-Seckau feiert im ganzen Land

800-Jahre-Jubiläum: Die Diözese Graz-Seckau feiert im ganzen Land

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Glauben wir an unsere Zukunft? Das Kunsthaus Graz ist einer der Ausstellungsorte, an denen historische Schnittstellen beleuchtet und mit Fragen der Zukunft verknüpft werden. Foto: Nicolas Lackner

Vor 800 Jahren wurde das Bistum Seckau gegründet. Die Diözese begeht das Jubeljahr mit einem Veranstaltungsreigen in den acht steirischen Regionen und stellt Zukunftsfragen.

Text: Julia Braunecker

Die menschlichen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte sind enorm. Parallel dazu hat sich aber auch das Religionsbedürfnis gewandelt: Zu glauben hat für viele Menschen nicht mehr dieselbe Bedeutung wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Vor diesem Hintergrund feiert die Diözese Graz-Seckau am 24. Juni 2018 ihren 800. Geburtstag. Das Jubeljahr will sie dazu nutzen, sich unter dem Motto „Zukunft säen“ inhaltlich neu zu positionieren und bei rund 250 Veranstaltungen den Menschen näherzukommen. „Zusammenkommen, feiern, sich erinnern und daraus Schwung für die Zukunft nehmen“, skizzierte Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl das Vorhaben. „Indem wir Fragen stellen und Diskussionen entfachen, wollen wir von und mit den Menschen lernen und dazu beitragen, dass unsere Welt solidarischer und lebenswerter wird“, so Thomas Bäckenberger, General­sekretär des Festes. „800 Jahre klingen unglaublich lang. Da war schließlich viel. Sehr Helles und ziemlich Dunkles. Was würde die Kirche da herausziehen wollen?“, erinnert sich Kurator und Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten Johannes Rauchenberger. An der intensiven Vorbereitungsphase (Weg2018) haben 20 diözesane und regionale Projektgruppen mit über 100 Haupt- und Ehrenamtlichen mitgewirkt.

Abtei Seckau
Foto: F. Neuhold

Diskussion entfachen

In der christlichen Zahlensymbolik des Mittelalters ist die Acht die Zahl des Neubeginns. Auch im Jubiläumsjahr spielt sie eine zentrale Rolle. Acht Themenblöcke beschäftigen sich damit, was Kirche heute ausmacht: „Wollen wir noch selbst denken? Wo brauchen wir Grenzen? Ist Armut unfair? Wer hat die richtige Religion? Was würdest du morgen zurücklassen? Muss ich heute Angst haben? Rettet Schönheit die Welt? Und wie viel Macht hat eine schwache Kirche?“ Diese Fragen werden über das ganze Jahr hinweg auf öffentlichen Bühnen in acht steirischen Regionen (von Feldbach bis Liezen) thematisch aufgegriffen und in Form unterschiedlicher Formate mit einem Programm für verschiedene Alters- und Interessengruppen aufbereitet.

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer spricht beim Diözesanjubiläumsbeginn. Foto: F. Neuhold

Jubiläumsfest

Höhepunkt des feierlichen Reigens ist das zweitägige Jubiläumsfest am 23. und 24. Juni. An diesen beiden Tagen diskutieren prominente Gäste auf acht Plätzen in der Grazer Innenstadt über die acht Jubiläumsthemen. In der Herrengasse geben Institutionen entlang der Kirchenmeile ungewohnte Einblicke in ihr Wirken, wie jene ins „Paradise L“. Kraftorte gibt es ebenso zu entdecken wie eine Talk-­Insel und die Bedeutung unserer Namen. Am Grazer Hauptplatz wird eine „Botschaft für die Steiermark“ verkündet und am Platz der Versöhnung im Grazer Stadtpark findet am 24. Juni (10 Uhr) ein Open-Air-Festgottesdienst mit Bischof Krautwaschl statt. Anschließend gibt es ein Fest mit regionalen Köstlichkeiten und Musik. „Mit diesem Fest wollen wir zeigen, dass die steirischen Katholiken keine in sich geschlossene und verschlossene Gruppe sind, sondern Menschen mit Bodenhaftung, die gut und kompetent diskutieren, wo es nötig ist, kritische Positionen vertreten und sich konkret für ihre Mitmenschen einsetzen“, so Bäckenberger.

Diözesanmuseum und Priesterseminar

Dialog zwischen Kunst und Kirche

Im Jubiläumsjahr bespielt die Diözese aber nicht nur Bühnen, sondern auch markante Orte der Steiermark mit fünf unterschiedlichen Ausstellungen. Sich selbstkritisch zu zeigen war von Anfang an ein Leitmotiv der Diözese, so Rauchenberger. „Etwa die Installation aus Worten von Ruth Schnell, die in der Stadtpfarrkirche geplant ist. Sie soll an die weitgehend vergessenen Judenpogrome des 15. Jahrhunderts erinnern. Oder das verbrannte Gesicht der Grazer Mariensäule am Eingang des Priesterseminars. Im Kunsthaus sind kritische Positionen ohnehin klar.“

Glaubensfragen im Kunsthaus

Das Kunsthaus eröffnet am 12. ­April mit der Ausstellung Glaube Liebe und Hoffnung. Über fünfzig Arbeiten der zeitgenössischen Kunst widmen sich aktuellen künstlerischen und gesellschaftlichen Fragestellungen rund um Religion, Glaube und Spiritualität. Sie stehen im Dialog mit den Werken aus den Sammlungen der Alten Galerie, des Diözesanmuseums und des Volkskundemuseums. Der Titel bezieht sich einerseits auf die drei christlichen Tugenden und andererseits auf Ödön von Horváths gleichnamiges Theaterstück, das 1932, in der Zeit des aufkommenden Austrofaschismus, fertiggestellt wurde. ­Horváth beschreibt darin eine empathielose Gesellschaft, der Glaube, Liebe, Hoffnung abhandengekommen sind. Im Vorfeld der Ausstellung habe es enorme Skepsis gegeben, so Barbara Steiner, Leiterin des Kunsthauses. „Es werden sehr unterschiedliche Auffassungen aufeinandertreffen und es wird einiges an Toleranz und Verständnis brauchen, um andere Anschauungen auszuhalten, doch genau das stellt für mich die Chance einer solchen Kooperation dar.“

Glaube, Liebe und Hoffnung: 13.4.–26.8.2018, Kunsthaus Graz und Kultur­zentrum bei den Minoriten

Foto: Eduardo Martinez

 

Diözesanmuseum und Priesterseminar

Neben der Ausstellung im Grazer Kunsthaus wird es weitere Ausstellungsorte geben: Sowohl Priesterseminar als auch ­Diözesanmuseum widmen sich dem Thema „Last und Inspiration“. Konkret geht es um die Verflechtung von Religiosität und Macht und deren Einfluss auf die Geschichte des Landes. Was davon ist Schatten, was Inspiration?

Last & Inspiration: 13.4.–14.10.2018, Priesterseminar, Diözesanmusum, ­Mausoleum

Abtei Seckau

Der „Dom im Gebirge“ war bis 1786 ­Bischofsitz der Diözese Graz-Seckau. Umbruch, Geist und Erneuerung sind diesem Ort förmlich eingeschrieben. Was kann dieser Ort für morgen erzählen?

Umbruch Geist und Erneuerung, ­2.5.–26.10.2018, Abtei Seckau

Schloss Seggau

Die ehemalige Bischofsburg ist heute ein Ort des Dialogs im südsteirischen Weinland. Sie ist eine der vielen Burgen, welche die „Steier-Mark“ einst am äußersten Rand des Heiligen Römischen Reiches schützen sollte, später vor allem vor Einfällen aus dem Osten. Wie gehen wir gerade heute mit Abgrenzung und Öffnung um?

Grenze Öffnung & Heimat, ­10.5.–26.10.2018, Schloss Seggau

Schloss Seggau

 

Stift Admont

Soll sich die Kirche Schönheit leisten? Am Stift Admont, einem der ältesten kirchlichen Zentren der Steiermark, wird die Beantwortung dieser Frage eindrucksvoll sichtbar. Werke aus den Sammlungen des Stifts Admont und der Diözese Graz-Seckau in zeitgenössischer Kunst zeigen den Anspruch eines kreativen Dialogs zwischen Kunst und Kirche heute.

Schönheit & Anspruch, ­24.4.–26.10.2018, Stift Admont

Stift Admont
Foto: Marcel Peda

 

Offizieller Abschluss

Am 1. September 2018 endet das Jubiläumsjahr mit der Aufstellung und Segnung des von einem namhaften Künstler gestalteten Gipfelkreuzes am Himmelkogel (2.018 m) in den Triebener Tauern. Inmitten der prächtigen Bergkulisse findet eine Open-Air-Aufführung von Joseph Haydns Oratorium Die Schöpfung statt, begleitet von einem Anlasschor und Orchester.

www.800-jahre-graz-seckau.at

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