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Opern der Zukunft: Auch ein Vermächtnis

Ernst M. Binder Foto: Manninger

Mit den „Opern der Zukunft“ aus der Feder von Kompositionsstudierenden der Kunstuniversität Graz wird im Rahmen der gleichnamigen Kooperation mit der Oper Graz auch eine Rückblende auf das fruchtbare Wirken des verstorbenen Autors und Regisseurs Ernst M. Binder geboten. Premiere ist am 27. Mai 2018.

Es war ein denkbar tragischer Todesfall: In der Nacht vor der Premiere von Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel an der Kunstuniversität Graz am 28. Jänner 2017 verstarb völlig überraschend der Regisseur der Produktion: Ernst M. Binder. Seine Tätigkeit an der Kunstuniversität war für Binder, wie er selbst wiederholt betont hat, sehr wichtig: die Arbeit mit jungen Menschen, die Möglichkeit, etwas weiterzugeben. Als Senior Lecturer betreute er hier das Projekt „Opern der Zukunft“. Nun, mehr als ein Jahr nach seinem Tod, kommen die Früchte dieser Arbeit auf die Bühne. Die vier Studierenden und Komponisten der „Opern der Zukunft“ – sie stammen aus Spanien, Mexiko, Italien und Japan – hat Binder in inhaltlicher Hinsicht maßgeblich unterstützt und sie mit seinem immensen Theaterwissen auf ihrem ersten Opernweg begleitet. So stammen nicht nur die Kompositionen, sondern auch die Libretti aus der Feder der Komponisten. „Immer auch ist der Künstler Anwalt und Fürsprecher des Menschseins.“ Dies hat Ernst M. Binder in der ersten Ausgabe der Zeitschrift „Grazkunst“ geschrieben. Ganz in diesem Sinne stellte er den gesamten Abend unter den Titel „Im Feuer ihres Blutes“.

Hier die einzelnen Arbeiten, die nun unter der Regie von Christoph Zauner zur Aufführung kommen:

Wurzeln und Höhlen/Rizomas y madrigueras von José Luis Martínez M.

Inspiriert von den Erzählungen Das Abendmahl (von Alfonso Reyes) und Aura (von Carlos Fuentes), handelt die Kammer­oper von einem Komponisten namens Fernando, der eine mysteriöse Einladung zu einem Abendessen erhält, bei dem seine Mitwirkung an einem Projekt mit dem Titel „Wurzeln und Höhlen“ besprochen werden soll. Fernando trifft pünktlich ein, und es beginnt eine Reise ins Surreale, auf der er nicht nur den Menschen seiner Vergangenheit begegnet, sondern die ihn auch dazu anhält, sich seine Erinnerung stets neu zu erfinden.

Der goldene Dämon/Konjiki Yasha von Tomoya Yokokawa

Der Roman Der goldene Dämon von Ozaki Koyo erzählt die Geschichte des jungen Studenten Kanichi. Als seine Verlobte Miya aus finanzieller Not mit einem reichen Bankier verheiratet werden soll, erbittet er ein letztes Gespräch mit Miya. Sie teilt ihm mit, der Entscheidung ihrer Eltern Folge leisten zu müssen, wiewohl sie doch nur Kanichi liebe. Aus Verzweiflung entscheidet sich der Gedemütigte, mit seinem bisherigen Leben zu brechen. Er beendet sein Studium und beschließt, als rücksichtsloser Geldverleiher zu Wohlstand zu kommen.

Der gealterte Blick/Mirada antigua von Javier Quislant

Federico García Lorcas Sobald fünf Jahre vergehen ist die literarische Vorlage der knapp halbstündigen Oper, die um Zeit, Erinnerung, Liebe und Tod kreist: Fünf Jahre will ein junger Mann warten, bevor er seine Verlobte heiratet. Die begibt sich auf eine Reise und flieht mit einem anderen. Aus Kummer wendet sich der Verlassene jener Frau zu, die ihn seit je geliebt hat. Doch bei ihm sein, das will sie gar nicht, denn ihre Liebe ist zu stark, als dass sie seine Anwesenheit ertragen könnte. Nun kehrt sich das Spiel um, und am Ende steht die Unmöglichkeit, miteinander zu kommunizieren.

Antigone. Und kein Ende von Lorenzo Troiani

Sophokles’ Antigone und Inspirationen von Paul Celan haben Lorenzo Troiani den Inhalt seiner Oper geliefert, die den Augenblick von Antigones Tod erzählt: Antigone ist allein im Dunkel einer Höhle. Diese Dunkelheit lässt die Grenzen zwischen dem Bekannten und dem Empfinden verschwinden, und sie schaut die Gegenstände nicht mehr als solche an und nimmt die Geräusche anders wahr. Alles beginnt neu zu leben, zu pulsieren. In dieser Höhle, in diesem speziellen Raum, haben die Dinge keine Grenzen, und auch Antigone ist grenzenlos: „Antigone. Und kein Ende“

Opern der Zukunft: Im Feuer ihres Blutes

Musikalische Leitung: Leonhard Garms / Inszenierung: Christoph Zauner / Ausstattung: Vibeke Andersen / Chor: Gerd Kenda, Franz Jochum

Mit: Martin Fournier, Birgit Stöckler, Yuan Zhang, Masanari Sasaki, Kaoko Amano ­Neven Crnic, Kaoko Amano, Shirin Asgari, Gina Mattiello.

27. und 29. Mai, 5. und 8. Juni 2018, jeweils 19.30 Uhr

Oper Graz, Studiobühne

Karten: Konzert-/Abendkassa, ticketzentrum.at

 

 

www.kug.ac.at