Auf delikater Mission: Alpine Hochgenüsse in Sölden

Auf delikater Mission: Alpine Hochgenüsse in Sölden

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Foto: Rudi Wyhlidal

Genussvolles Gipfeltreffen im ewigen Eis. Bereits zum 17. Mal lud Angelika Falkner zu ihrem Festival „Wein am Berg“ in die Ötztaler Alpen.

Text: Stefan Zavernik

James-Bond-Fan zu sein trägt auf gewisse Weise einen beträchtlichen Frustrationsfaktor in sich. Der Mann lebt nämlich mit einer ständigen Überdosis dessen, was es an oberflächlichem Glück aus dem Regal zu ziehen gibt: ein unerschöpfliches Spesenkonto, immer den neuestes Aston Martin, Brioni-Anzüge und messerscharfe Agentinnen an seiner Seite, die nur da­rauf warten, als Liebhaberin ihre Chance zum Aufschlag zu erhalten. Ist er nicht gerade dabei, Bösewichten das Handwerk zu legen, um die Welt zu retten, residiert er in mondänen Luxushotels und genießt das Leben in hedonistischer Perfektion. So kommt es, dass auch der größte 007-Fan irgendwann einmal genug vom bloßen Zusehen bekommt. Doch die Möglichkeit, einmal im Leben mit der Ikone tauschen zu können, bleibt leider ausgeschlossen. Es gibt nur einen Bond. Weniger enttäuschend erscheint hier der Wunsch, Situationen anzusteuern, in denen man gar nicht tauschen möchte. Denn die gibt es. Zum Beispiel im ice Q auf 3.000 Meter Seehöhe in den Tiroler Alpen. Bond war auch hier. Allerdings nicht im Zuge des Gourmetfestivals „Wein am Berg“, sondern auf der Suche nach Bondgirl Dr. Madeleine Swann im Film Spectre. „Der Ausblick könnte etwas ablenken“, gibt ihm die Schönheit gleich bei seiner Ankunft in der futuristischen Hoffler-Klinik zu bedenken. Vergebene Mühe, für Ablenkungen bleibt ihm ohnehin kaum Zeit. Nach einem kaum erquickenden Verdauungsenzym-Shake geht es auf eine mörderische Verfolgungsjagd quer durch das Ötztal.

Sölden wurde zum Drehort für den James Bond Film Spectre. Foto: Danjaq, LLC/MGM Studios / Columbia Pictures

Da doch lieber einen Schluck Riesling Smaragd aus dem Hause Hirtzberger, sich vom epischen Ausblick aus den Panoramafenstern des Restaurants hypnotisieren lassen und siegessicher dem mehrgängigen Degustationsmenü entgegenblicken. James Bond würde es wohl auch so handhaben – hätte er nur dieselben Möglichkeiten vorgefunden. Bereits zum 17. Mal wurde Sölden zum Austragungsort von „Wein am Berg“, einem Wein- und Gourmetfestival, dem es gelingt, die Winzerelite Österreichs mit nationalen wie internationalen Topköchen für ein gemeinsames Programm zu gewinnen. Das Motto eines jeden Jahres variiert. Angesichts der baldigen Eröffnung des James-Bond-Museums 007 ELEMENTS am Gaislachkogl im kommenden Juli fiel die Wahl in diesem Jahr auf „Österreich trifft Großbritannien“. Dafür eingeflogen wurden die beiden Michelin-Sterne-Köche Jason Atherton und Hywel Jones aus Großbritannien. Der gebürtige Engländer James Baron, bekannt als Drei-Hauben-Koch aus St. Anton am Arlberg, wurde ebenfalls engagiert. Aus Wien holte man die österreichischen Haubenköche Stefan Speiser und Roland Huber. Eingeläutet wurde die dreitägige Genuss-Mission mit dem Gala-Dinner „Tirol trifft Wien“. Tiroler Kochkunst von Central-Chefkoch Gottfried Prantl bot dabei die kulinarische Basis für eine erste, genussvolle Weinverkostung. Bei dieser standen neben burgenländischen Weinen von Paradewinzern wie Albert Gesellmann oder Paul Achs speziell Wiener Weine von Ikone Fritz Wieninger im vinophilen Mittelpunkt. Ein kulinarischer Auftakt nach Maß – musikalisch begleitet vom legendären Wien Trio. Am da­rauffolgenden Morgen dann Hochgenuss in sportlicher Hinsicht. Skifahren am Ötz­taler Gletscher.

Steirische Weinkultur bei „Wein am Berg“: Ewald Zweytick und Manfred Tement.
Foto: Rudi Wyhlidal

Sölden, der legendäre Wintersportort

Es gibt Menschen, die sich das Paradies auf Erden wie ein Gemälde von Paul Gauguin ausmalen. Schön hübsch mit Palmen, weißem Sandstrand und blumenbeschmückten Schönheiten, die ebenso gute Laune haben, wie die Sonne vom Himmel lacht. Sie denken an eine Insel in der Südsee, auf den Malediven oder in der Karibik. Doch dies ist nur eine paradiesische Möglichkeit. Für leidenschaftliche Skifahrer liegt das Paradies vermutlich woanders. Etwa in Österreich, in den Bergen Tirols. Wer auf der Bergstation des Rettenbachergletschers erstmals aus der Gondel steigt, kann diese Geistes­haltung nachvollziehen. Es ist Ende ­April. Der Himmel ist wolkenlos und strahlt in imposantem Dunkelblau. Die Sicht besticht durch Klarheit und Präzision. Auf über 3.300 Meter schweift der Blick über ein Meer aus schneebedeckten, mächtigen Gipfeln. Oft reicht der Blick dabei bis zu den Dolomiten oder zur 100 Kilometer entfernten Zugspitze. Sölden nimmt unter Tirols Skigebieten eine Sonderstellung ein.

Durch seine Höhenlage bietet es ideale Wettkampfbedingungen und wird alljährlich zum Austragungsort des Weltcup-Auftaktes. Die Athleten bezwingen dann Piste 31, ein schwindelerregendes Ungeheuer von einem Steilhang, für das Anfänger besser einen Fallschirm im Rucksack wissen sollten. Doch Sölden ist mehr als ein legendärer Wettkampfort, Sölden ist eine Naturschönheit, die es zu genießen und auszukosten gilt. Während der Abfahrt wie abseits der Piste. Das Central, das legendäre Hotel des Skiortes, wurde zum Ausdruck dieses Lebensgefühls. Als einziges Fünf-Sterne-Hotel in Sölden ist es die Institution, wenn es um alpinen Luxus geht. Vor allem in kulinarischer Hinsicht liegt es in Gipfelnähe. Sein Chefkoch, Gottfried Prantl, wurde für seine jahrzehntelangen Topleistungen am Herd von Gault-Millau mit der ewigen Haube ausgezeichnet, und der Weinkeller des Hauses zählt mit über 30.000 Positionen zu den mächtigsten in ganz Österreich. Mit dem Pino 3000 ist man darüber hinaus an einem ganz besonderen Wein-Projekt federführend beteiligt. Die drei Winzer Joachim Heger, Paul Achs und Wolfgang Trattner cuvetieren dabei einen Wein aus drei unterschiedlichen Regionen: aus Baden in Deutschland sowie aus Südtirol und dem Burgenland in Österreich. Zur Reife kommt der PINO 3000 in einem speziellen Weinkeller – im ice Q Restaurant am Gaislachkogl auf 3.000 Höhenmetern.

iceQ
Foto: Rudi Wyhlidal

Wein am Berg

„Ich liebe das Skifahren schon seit ich denken kann“, erzählt ein sichtlich entspannter Franz Hirtzberger, Kult-Winzer aus der Wachau, bei Wein und Kaiserschmarrn. Die Stimmung auf der Sonnenterrasse des Rettenbach-Restaurants ist beschwingt, nach einer Skieinheit mit österreichischen Skisport-Ikonen, wie den beiden Olympiasiegern Benni und Marlies Raich, fand sich die Crowd des Festivals am späten Vormittag bereits zur ersten Weinverkostung des Tages ein. Einer Rieslingverkostung auf über 2.000 Höhenmetern, abgehalten auf einer in Schnee und Eis gehauenen Terrasse mit prachtvollem Ausblick. Wie weggeblasen erscheint der mühsame Start in den Morgen all jener Festivalteilnehmer, welche die Weinverkostungen am Freitagabend mit der Küche der britischen Gastköche voll ausgekostet haben. Nun gibt’s Highend-Barbecue mit dazu passender Weinbegleitung. Bei Postkarten-Wetter bruzzeln am Holzkohlegrill gigantische Steaks in den unterschiedlichsten Cuts.

Foto: Rudi Wyhlidal

„Vor vielen, vielen Jahren war das mit dem Genießen noch so eine Geschichte am Berg. Zuerst fährt man auf traumhaften Pisten und genießt die Natur und dann sitzt man in einer überfüllten Skihütte und bekommt nichts Vernünftiges zu trinken. Ich hab‘ mir damals den Wein zum Skifahren immer selbst mitgenommen, im Rucksack, gemeinsam mit zwei schönen Gläsern. Dann haben wir uns einfach eine schöne Stelle gesucht und haben den Moment genossen.“ So kam Franz Hirtzberger der Einfall einer Weinverkostung am Skiberg. „Die Weine gewinnen in der Höhe an Klarheit.“ Zusammen mit dem damaligen Direktor des Hotels, Gottlieb Waschl, und der Besitzerin Angelika Falkner wurde aus dem Einfall die Idee eines Festivals. Begonnen hat dann alles vor 17 Jahren im kleinen Rahmen, burgenländische Winzer haben das Festival quasi mitbegründet und sind seither in jedem Jahr mit an Bord. Heute ist „Wein am Berg“ ein hochkarätiges Gourmet-Festival, dessen spezieller Spirit für alle Beteiligten das Salz in der Suppe ist.

Foto: Rudi Wyhlidal

Winzer, Köche und Gäste werden zu einer eingeschworenen Truppe. Man lernt Gleichgesinnte kennen, schließt neue Freundschaften und trifft alte Bekannte. Der Morgen beginnt stets sportlich mit geführten Ski-Einheiten, am Vormittag gibt es Weinverkostungen am Gletscher mit anschließendem Gourmet-Lunch und an den Abenden sorgen Gala-Diners für kulinarische Höhepunkte. Für Aficionados enden die Abende meist in der hoteleigenen Zigarrenlounge, Winzerbarone wie Manfred Tement, Bernhard Ott oder Heinz Velich rauchen dann ihre Havannas und philosophieren über erinnerungswürdige Bordeaux-Jahrgänge. Ein kostbares Erlebnis für beiwohnende Festival-Teilnehmer. Das unangefochtene Highlight einer jeden Ausgabe von „Wein am Berg“ ist die Big Bottle Party am letzten Abend. Hier präsentieren die Winzer ihre Weine in großformatigen Flaschen. Begleitet wird die barocke Mammutverkostung durch unzählige kleine Gänge der Festival-Köche. Eine einmalige Gelegenheit, um die Raritäten unter Österreichs Spitzenweinen an einem Abend zu verkosten. Darunter zum Beispiel Mythos-Weine wie Albert Gesellmanns „G“, Fritz Wieningers „Pinot Noir“, Franz Hitzbergers Grüner Veltliner „Honivogl“ oder Ewald Zweyticks Sauvignon Blanc „Don’t Cry“.

Das Central
Foto: Rudi Wyhlidal

Bis zum nächsten „Wein am Berg“ dauert es: Erst in knapp einem Jahr, vom 25. bis zum 28. April 2019 heißt es: „Österreich trifft das Piemont“. Doch Sölden „voll auszukosten“ funktioniert glücklicherweise auch ohne Festival. Das Central startet bereits im Oktober in die neue Wintersaison.

www.central-soelden.com

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