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Ideologische Kämpfe: Steirische Positionen 1945–1967

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Friedrich Aduatz, "Moru", 1961 (Detail) Foto: UMJ

In der Neuen Galerie Graz treffen Avantgardisten auf traditionsverbundene Künstler.

Text: Natalie Resch

Günter Waldorfs abstrakte Materialexperimente treffen auf Rudolf Szyszkowitz’ Mädchenbildnis Ingrid Müller. Eine spannungsreiche Werkauswahl zeigt die Kunst-Kontroversen der Nachkriegszeit. Zur Entstehungszeit wären viele dieser Arbeiten wohl kaum am selben Ort anzutreffen gewesen. Schon immer war das Gegensatzpaar Tradition und Fortschritt in der Kunst Basis ideologischer Kämpfe. In der von Peter Peer kuratierten Ausstellung ist der Titel Kunst-Kontroversen Programm: Sie zeigt die Polarität am Beispiel der Zeit nach 1945 bis in die späten 60er-Jahre auf, wo sich in der Steiermark Verfechter der Avantgarde und „traditionsverbundene“ Künstler teils erbitterte Kämpfe um die Themenführerschaft geliefert haben. In der konsequenten Verteidigung künstlerischer Traditionen sahen die einen jenen Rest von Werten gesichert, die auf vielen anderen Gebieten unwiederbringlich verloren schienen. Nur die gegenständliche Kunst – so der Grundtenor – konnte Mittler christlicher Wertvorstellungen sein, derer es nach den Katastrophenjahren mehr denn je bedurfte. Die Avantgarde nach 1945 suchte an die Vorbilder der internationalen Moderne der Zwischenkriegszeit sowie an die neuesten Strömungen in Paris und New York anzuschließen. Auf jeden Fall wollte man sich von allem trennen, was nur ansatzweise in Richtung des totalitären Regimes der NS-Zeit wies. Dazu zählte auch die gegenständliche Kunst, die ihren Missbrauch in einem ideologisch aufgeladenen Realismus der NS-Kunst erfahren hatte. Das intensive Engagement für die moderne und zeitgenössische Kunst setzte auch ein deutliches Zeichen gegen das regressive gesellschaftspolitische Klima der Nachkriegszeit.

Die Ausstellung versucht diese unterschiedlichen Positionen anhand zahlreicher Werkbeispiele aus der Sammlung der Neuen Galerie Graz, der Kunstsammlung der Stadt Graz sowie aus Privatbesitz, begleitet von Dokumenten und zeitgenössischen Stimmen, darzustellen.

Kunst-Kontroversen
Dauer: 15.6.2018 bis 6.1.2020
Eröffnung: 14.6.2018, 19 Uhr
Neue Galerie Graz, Joanneumsviertel, 8010 Graz

www.neuegaleriegraz.at